Maskenpflicht in Schulen Hamburgs Schulen schaffen 30.000 Corona-Visiere umsonst an

Visiere aus Plastik sind keine sichere Alternative zum Mund-Nasen-Schutz, meinen Gesundheitsexperten. Hamburgs Schulen bleiben deshalb auf Zehntausenden Visieren sitzen - und auf den Kosten.
Visiere im Klassenzimmer bieten keinen ausreichenden Schutz, meint das Robert Koch-Institut

Visiere im Klassenzimmer bieten keinen ausreichenden Schutz, meint das Robert Koch-Institut

Foto: Roland Schlager / dpa

Fehlinvestition in Corona-Zeiten: 30.000 Visiere aus Plastik wurden völlig umsonst angeschafft und an Lehrer und Lehrerinnen in Hamburgs Schulen verteilt. Der Corona-Schutz sollte eigentlich für einen sicheren Schulalltag sorgen und trotzdem beim Unterrichten nicht stören. Noch Anfang August warb das Gesundheitsamt für die Visiere . Nun änderte die Hamburger Behörde ihre Corona-Schutzregeln und erklärte die Visiere als nicht ausreichend.

Die Visiere sind in Hamburg insgesamt nicht mehr als Corona-Schutz zugelassen. Visiere verstießen gegen den Arbeitsschutz  und seien beispielsweise auch in Bars und Restaurants nicht mehr zugelassen, heißt es in einer Mitteilung der Behörde von Anfang Oktober. Sie überprüfte daraufhin stichprobenartig das Servicepersonal in Hamburgs Bezirken Eimsbüttel, Eppendorf und St. Georg.

In Hamburgs Schulen könnten die Lehrer die Visiere nur im Klassenraum tragen, auf dem Pausenhof oder auf den Gängen müssten jedoch entweder eine OP-Maske oder herkömmliche Stoffmasken getragen werden, berichtet die "Hamburger Morgenpost". Diese Praxis gilt auch schon in anderen Bundesländern.

In Nordrhein-Westfalen gilt bereits seit Anfang August, dass nur im Ausnahmefall Gesichtsvisiere genutzt werden dürfen. Auch das bayerische Landesgesundheitsamt lässt keinen Zweifel  offen: "Visier-Schutzmasken sind nicht zur Verhinderung der Virenausbreitung geeignet und erfüllen nicht die Anforderungen des Infektionsschutzes."

Höhere Infektionsgefahr durch Visiere

Plastikvisiere sind schon länger in der Kritik. Das Robert Koch-Instituts erklärt auf seiner Webseite, dass die Visiere "nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand" nicht als Alternative zum Mund-Nasen-Schutz angesehen werden. Visiere oder sogenannte Face Shields könnten die ausgestoßene Luft und die darin enthaltenen Partikel "deutlich schlechter" zurückhalten.

Die Aufnahmen zeigen, wie sich Atemtröpfchen trotz Maske mit Ventil (links) und Visier (rechts) verbreiten

Die Aufnahmen zeigen, wie sich Atemtröpfchen trotz Maske mit Ventil (links) und Visier (rechts) verbreiten

 

Foto: - / dpa

Eine häufig zitierte Studie kommt aus den USA: Dort berichten Forscher nach Videoanalysen, dass sich infektiöse Atemtröpfchen leicht um Visiere aus Plastik herumbewegen. Für die Untersuchung hatten Wissenschaftler durch den Mund einer Puppe destilliertes Wasser und Glyzerin in Form winziger Tröpfchen gesprüht - so als ob jemand hustet oder niest. Danach untersuchten sie mithilfe von Laserstrahlen in einem dunklen Raum, wie sich die Tröpfchen verbreiteten (siehe oben).

Ein Visier konnte den Ausstoß der Tröpfchen zwar zunächst abblocken, berichten die Wissenschaftler der Florida Atlantic University im Fachblatt "Physics of Fluids" . Aber: "Die ausgestoßenen Tröpfchen können sich relativ leicht um das Visier herumbewegen und sich in einem größeren Gebiet ausbreiten."

Gesichtsschilde schützen andere Menschen daher vor einer Infektion mit dem Coronavirus weniger zuverlässig als Stoffmasken, so die Forscher. Viele Gesundheitsbehörden empfehlen in Deutschland deshalb: Wenn Face Shield, dann nur mit einem Mund-Nasen-Schutz. Allerdings kann man das Visier dann auch gleich weglassen.

sug
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