Hamster-Studie Häufige Jetlags verschlechtern Lernfähigkeit

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist der innere Rhythmus durcheinander, dauert es ein paar Tage, bis er wieder in Takt ist. Jetlag-Geplagte kennen das Phänomen gut. Forscher haben jetzt herausgefunden, dass es aber nicht nur kurzfristige Folgen hat: Häufige Jetlags führen zu Veränderungen im Gehirn.
Schlafender Passagier am Terminal: Innere Uhr verstellt

Schlafender Passagier am Terminal: Innere Uhr verstellt

Foto: ? Reuters Photographer / Reuters/ REUTERS

Flugbegleiter und Geschäftsreisende kennen das Problem: Ist der Tagesrhythmus einmal außer Takt geraten, kann es lange dauern, bis sich der Körper wieder einpendelt. In der Zwischenzeit fühlt man sich wie in Watte eingepackt. Mitunter passiert es, dass man stundenlang wie betäubt schläft - zur falschen Zeit, und ohne sich dabei wirklich zu erholen. Meistens leidet vor allem die Konzentrationsfähigkeit darunter.

Einer neuen Studie zufolge führen häufige Jetlags aber nicht nur kurzfristig zu Müdigkeit und Vergesslichkeit. Lange Flugreisen können einige Wochen lang negative Auswirkungen auf das Gehirn haben. Ähnliche Folgen haben auch wiederholte Nachtschichten oder andere ungewöhnliche Arbeitszeiten, wie Wissenschaftler der kalifornischen Universität Berkeley in der in der Fachzeitschrift "PLOS One" veröffentlichten Studie schreiben.

"Ob jemand nun als Flugbegleiter arbeitet oder, wie etwa Ärzte, häufig verschiedene Schichten hat - eine wiederholte Störung des Tagesrhythmus führt wahrscheinlich zu langfristigen Folgen für die kognitiven Fähigkeiten", sagt Psychologe Lance Kriegsfeld.

Für ihre Versuche unterwarfen die Forscher weibliche Hamster über eine Dauer von einem Monat zweimal die Woche einer sechsstündigen Verschiebung des Tagesrhythmus - das entspricht etwa dem Effekt eines Fluges von Frankfurt am Main nach New York. Wie erwartet hatten die Hamster in der Zeit größere Schwierigkeiten damit, leichte Aufgaben zu erlernen als Hamster, die ihren Tagesrhythmus beibehalten konnten.

Was die Forscher überraschte: Die Lernschwierigkeiten hielten auch noch einen Monat an, nachdem die Hamster wieder ihrem eigenen Rhythmus folgen konnten.

Die Wissenschaftler stellten bei den Tieren eine Abnahme der Neuronenbildung im Hippocampus fest, jener Hirnregion, die für das Gedächtnis und das Lernen wichtig ist (siehe Kasten links) - und neue Hirnzellen bilden kann. Während des Versuchs bildeten die Hamster nur halb so viele Nervenzellen wie jene Tiere, deren Tagesrhythmus nicht beeinflusst worden war.

Nach Ansicht der Forscher lässt sich diese Erkenntnis mit großer Wahrscheinlichkeit auf den Menschen übertragen. Auch im menschlichen Hippocampus würden Jetlags die Zellneubildung behindern. Die Wissenschaftler berichten zudem, dass Vielflieger und Schichtarbeiter auch verstärkt unter Diabetes, Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Krebs und Potenzproblemen litten.

Ihre Empfehlung lautet deshalb: Einen Tag Erholung für jede Stunde Zeitumstellung. Ob Flugbegleiter oder Piloten in der Praxis sich an diese Vorgabe halten könnten, ist aber fraglich. Nachtarbeitern empfehlen die Wissenschaftler, tagsüber in dunklen und ruhigen Räumen schlafen, um ihren Körper an die Umstellung anzupassen.

cib/AFP
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