Handlesung Was die Finger erzählen

Aggressive Männer verraten sich mitunter auch durch ihre Hände: Ist der Ringfinger deutlich länger als der Zeigefinger, tendieren die Männer eher zu körperlicher Gewalt als bei einem ausgeglichenen Verhältnis. Das schließen kanadische Forscher aus einer Studie mit 300 Studenten.

Handleser glauben, an den Linien einer Hand den Charakter eines Menschen erkennen zu können. Aus Äußerlichkeiten auf das Wesen zu schließen - derartiges gilt seriösen Wissenschaftlern zu Recht als suspekt. Dabei gibt es durchaus bewiesene, wenn auch statistische Zusammenhänge. So spiegeln beispielsweise die Fingerlängen das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Geschlechtshormonen wider, dem der Fötus im Mutterleib ausgesetzt war. Je mehr Testosteron die Mutter oder der Embryo gebildet haben, desto länger wird sein Ringfinger im Verhältnis zum Zeigefinger.

Dieses hormonelle Verhältnis hat auch Einfluss auf die körperliche Entwicklung und das spätere Verhalten, haben bereits mehrere Studien gezeigt. So sind Männer mit männlicheren Fingerlängenverhältnissen im Schnitt körperlich leistungsfähiger und werden von Frauen eher als maskulin und dominant beschrieben.

Aber auch der Hang zur Aggressivität wird offenbar zumindest zum Teil durch die Hormone geprägt, wie Allison Bailey und Peter Hurd von der University of Alberta in Edmonton/Kanada jetzt herausgefunden haben. Die Forscher ließen 300 junge Männer und Frauen Fragebögen ausfüllen, um aggressive Tendenzen aufzudecken. Diese Werte verglichen sie mit den Längenverhältnissen von Zeige- und Ringfinger der Probanden.

Zwischen verbaler Aggressivität oder Feindseligkeit und dem Fingerverhältnis gab es keinen Zusammenhang, berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Biological Psychology" (Bd. 68, Nr. 3, S. 215). Dagegen ging ein Hang zu körperlicher Gewalt eindeutig mit einem männlicheren Fingerlängenverhältnis einher.

Es sei jedoch falsch anzunehmen, von der Fingerlänge könne direkt auf den Charakter einer Person geschlossen werden: "Die Fingerlängen erklären etwa fünf Prozent der Charaktervariationen bei solchen Eigenschaften", sagte Studienleiter Hurd. Die Längenverhältnisse können seiner Ansicht nach aber bei der Aufklärung helfen, wie sich verschiedene Persönlichkeitszüge entwickeln.

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