Handwäsche Kleiner Unterschied vorm Waschbecken

Ist es nur ein Vorurteil, dass Männer nach dem Toilettenbesuch seltener ihre Hände waschen als Frauen? Eine Telefonumfrage, kombiniert mit Beobachtungen in öffentlichen Toiletten in den USA, hat die Wahrheit offenbart - und die ist für ein Geschlecht wenig schmeichelhaft.


Chicago - Es gibt so manche Rollenklischees zwischen den Geschlechtern. Ein Vorurteil aber trifft zu - zumindest für Männer in den USA, glaubt man einer aktuellen Studie: Der Anteil derer, die nach dem Besuch öffentlicher Toiletten aufs Händewaschen verzichten, ist unter Männern weit größer als unter Frauen.

Händewaschen: Manche tun es, andere nicht
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Händewaschen: Manche tun es, andere nicht

Jeder dritte Mann macht demnach nicht Halt am Waschbecken. Bei den Frauen verzichten dagegen nur zwölf Prozent auf Wasser und Seife, ergab die Erhebung, die jetzt auf einer Konferenz zu ansteckenden Krankheiten in Chicago vorgestellt wurde. Zugrunde lagen Beobachtungen von mehr als 6000 Menschen in vier Großstädten. Im Vergleich zur letzten Erhebung vor zwei Jahren ist die Zahl der Wasch-Verweigerer demnach leicht gestiegen: Damals hatte nur jeder vierte Mann auf das Händewaschen verzichtet, bei den Frauen war es jede zehnte.

Das Händewaschen kann nach Meinung von Medizinern zahlreiche ansteckende Krankheiten vermeiden helfen. Bei einer Telefonumfrage des Marktforschungsunternehmens Harris Interactive haben zunächst 92 Prozent der US-Amerikaner angegeben, dass sie sich nach dem Toilettengang grundsätzlich die Hände waschen. Doch als die Marktforscher in öffentlichen Toiletten mehrerer US-Städte zu Kontrollen ausschwärmten, ergab sich ein etwas anderes Bild: Insgesamt waschen sich nur 77 Prozent wirklich die Hände. Noch 2005 waren es sechs Prozent mehr, teilte die American Society for Microbiology mit.

Dabei tat sich zwischen den Geschlechtern eine breite Lücke auf, wie es auf der 47. Annual Interscience Conference on Antimicrobial Agents and Chemotherapy in Chicago hieß. Das Turner-Field-Baseballstadion in Atlanta etwa war der Ort mit der schlechtesten Handwasch-Moral: Nur 57 Prozent der Männer reinigten sich die Hände, bei den Frauen waren es dagegen stolze 95 Prozent. Im Ferry Terminal Farmers Market in San Francisco betrug die Händewascher-Quote bei den Männern 62,5 und bei den Frauen 84 Prozent.

Nur wo die Männer am reinlichsten und die Frauen am nachlässigsten waren, gab es einen Gleichstand zwischen den Geschlechtern: Im Chicagoer Shedd Aquarium legten jeweils 81 Prozent einen Zwischenstopp am Waschbecken ein.

Was die Telefonumfrage übrigens auch verriet: Der Toilettengang war nicht die einzige Aktivität, nach der die Handwasch-Moral zu wünschen übrig lässt. Drei Viertel aller Amerikaner waschen sich die Hände nach dem Windelwechsel bei Kindern, 78 Prozent tun es nach dem Essen. Aber nur 42 Prozent reinigen ihre Hände, nachdem sie einen Hund oder eine Katze gestreichelt haben, 34 Prozent nach dem Husten oder Niesen und nur 25 Prozent nach dem Anfassen von Geld.

mbe/AP



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