Wegen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz Wissenschaftler müssen nach Mäuseversuch Bußgelder zahlen

Der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" hatte drei Forscher des Deutschen Krebsforschungszentrums wegen angeblicher Verstöße gegen das Tierschutzgesetz angezeigt. Nun wurden zwei Bußgelder verhängt.
Mäuse in einem Labor des DKFZ: Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen ein

Mäuse in einem Labor des DKFZ: Staatsanwaltschaft stellte Ermittlungen ein

Foto: Uwe Anspach/dpa

Zwei Krebsforscher haben nach Experimenten mit Mäusen am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg Bußgeldbescheide erhalten. Die Bußgelder lägen im dreistelligen Euro-Bereich, teilte das Regierungspräsidium Karlsruhe mit.

Die Wissenschaftler hätten nicht ordnungsgemäß angezeigt, dass sie ein Experiment mit Mäusen um sechs Wochen verlängert hatten. Die Forscher arbeiten inzwischen nicht mehr am DKFZ. Das Verfahren gegen eine dritte Person wurde eingestellt, ihr sei keine Beteiligung nachzuweisen. Das Regierungspräsidium ist die Genehmigungsbehörde für Tierversuche in der Region.

In dem Mausversuch sollte untersucht werden, ob eine Virentherapie gegen das besonders bösartige Ewing-Sarkom Wirkung zeigt. Die Tumore befallen meist die Knochen. Vor allem Kinder sind von der Krankheit betroffen. Die Standardbehandlung besteht aus einer Chemotherapie und Bestrahlung. Auch eine Operation ist möglich. 65 Prozent der Patienten ohne Metastasen können dauerhaft geheilt werden.

Im Juni hatte die Staatsanwaltschaft Heidelberg ihre Ermittlungen gegen die Forscher eingestellt. Sie hatte einen Verdacht auf Verstoß gegen das Tierschutzgesetz untersucht, nachdem der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" und das Regierungspräsidium Karlsruhe Anzeige erstattet hatten. Der Fall wurde anschließend an das Regierungspräsidium Karlsruhe abgegeben, das prüfen sollte, ob eine Ordnungswidrigkeit vorlag.

Forscher halten Ende von Tierversuchen für unrealistisch

Der Fall heizte die Debatte um Tierversuche Anfang des Jahres neu an. Die Aktivisten von "Ärzte gegen Tierversuche" fordern, gänzlich auf Tierversuchen zu verzichten. Forscher halten einen kompletten Ausstieg in naher Zukunft dagegen für unrealistisch. Wer behaupte, Tierversuche seien unnötig, verhöhne Millionen von Patienten, denen an Tieren erprobte Medikamente geholfen hätten, sagte Andreas Trumpp, der das Institut für Stammzelltechnologie und Experimentelle Medizin am DKFZ leitet, im Januar.

Zuletzt waren Tierversuche auch im Zusammenhang mit fragwürdigen Versuchen des Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) in Verruf geraten. Tierschützer der "Soko Tierschutz" werfen dem Labor vor, wissenschaftlich unsauber gearbeitet und Tiere in zu kleinen Käfigen gehalten zu haben. Das betroffene Labor soll Ende Februar 2020 geschlossen werden (mehr zu dem Fall lesen Sie hier).

2018 wurden in Deutschland 2,8 Millionen Tiere in Tierversuchen eingesetzt  oder zu wissenschaftlichen Zwecken getötet. Das sind ähnlich viele wie 2017. 72 Prozent der verwendeten Tiere waren Mäuse.

jme/dpa
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