Heidelberg Staatsanwaltschaft stellt Verfahren zu angeblich illegalen Tierversuchen ein

Sie hätten Mäuse gequält und ohne Genehmigung gearbeitet. Tierschützer hatten schwere Vorwürfe gegen Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums erhoben. Nun wurde das Verfahren eingestellt.

Tierversuch (Symbolbild).
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Tierversuch (Symbolbild).


Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hat die Ermittlungen wegen des Verdachts auf einen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) eingestellt. Nach rund fünf Monaten der Prüfung habe sich der Verdacht nicht erhärtet, sagte ein Behördensprecher.

Die Staatsanwaltschaft hatte nach Beschuldigungen des Vereins "Ärzte gegen Tierversuche" und des Regierungspräsidiums Karlsruhe geprüft, ob drei Mitarbeiter bei einem Experiment mit Mäusen Straftaten begangen hatten.

Der Verein "Ärzte gegen Tierversuche" hatte die Leiterin des Versuchs am DKFZ bezichtigt, keine Genehmigung für die Versuche gehabt zu haben. Sie habe die Mäuse an Tumoren qualvoll verenden lassen. Das Regierungspräsidium Karlsruhe hatte als Genehmigungsbehörde für Tierversuche die Ärztin sowie einen Mann und eine Frau, die am Experiment beteiligt waren, angezeigt.

Den Vorwurf der Tierquälerei bestätigte die Staatsanwaltschaft nicht. Es gebe keine Anhaltspunkte dafür, dass den Tieren stärkere Schmerzen, Leiden oder Schäden entstanden seien, hieß es.

Das DKFZ hatte zuvor eingeräumt, dass die Forscher den vorgeschriebenen Versuchszeitrahmen von fünf Jahren um sechs Wochen überzogen, eine andere Tumorzelllinie als ursprünglich geplant benutzt und einige Mäuse zu spät eingeschläfert hatten. An Tumoren sei aber kein einziges Tier gestorben.

Bei dem Versuch sollte die Wirksamkeit einer Virentherapie für das besonders bösartige Ewing-Sarkom in Mäusen untersucht werden. Die Krankheit betrifft vor allem Kinder.

Forscher sehen keinen Ersatz für Tierversuche in der Grundlagenforschung

Andreas Trumpp, der das Heidelberger Institut für Stammzelltechnologie und Experimentelle Medizin (HI-STEM) am DKFZ leitet, hält Tierversuche für unverzichtbar. Wer anderes behaupte, verhöhne Millionen von Patienten, denen an Tieren erprobte Medikamente geholfen hätten. Zu den Versuchen mit Mäusen und Ratten am DKFZ gebe es keine Alternative.

Tierversuchsgegner verweisen immer wieder auf Multiorganchips als Alternativen zu Versuchstieren. Das sind aus menschlichen Stammzellen gezüchtete Miniorgane, die mit einer Art Blutkreislauf verbunden werden. An ihnen ließen sich Medikamente besser testen als im Tierversuch, argumentieren Aktivisten. Forscher plädieren für ein differenziertes Herangehen.

So streben die Niederlande etwa auf Basis einer Einschätzung durch einen Fachausschuss an, bis 2025 keine Tiere mehr in standardisierten Giftigkeitsprüfungen einzusetzen. In anderen Bereichen, wie etwa der Grundlagenforschung, halten sie ein kurzfristiges Ende von Tierversuchen dagegen für unrealistisch.

jme/dpa



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