Leserfragen zum Coronavirus Hilft ein Mundschutz gegen eine Corona-Infektion?

Immer mehr Menschen gehen nur noch mit Maske vor die Tür. Doch schützt das wirklich davor, krank zu werden? Die Leserfrage des Tages.
Einkaufen mit Handschuhen und Atemmaske: Kann ich mich so vor einer Corona-Infektion schützen?

Einkaufen mit Handschuhen und Atemmaske: Kann ich mich so vor einer Corona-Infektion schützen?

Foto: Kay Nietfeld/ DPA

Hier und in unserem Newsletter beantworten wir regelmäßig eine Frage unserer Leserinnen und Leser zum Coronavirus.

Sie haben ebenfalls medizinische Fragen zu Covid-19 oder möchten genauer wissen, welche wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen Auswirkungen die Krise für Deutschland und die Welt hat? Schreiben Sie uns an coronafragen@spiegel.de .

In den vergangenen Tagen erreichten uns besonders viele Fragen zum Mundschutz. Daher fassen wir an dieser Stelle die Fragen der Leser zusammen:

Kann ein Mundschutz mich vor einer Corona-Infektion schützen? Sind die Viren nicht viel zu klein und diffundieren durch den Schutz hindurch? Und: Ist ein Mundschutz nicht auch sehr schnell verbraucht?

Die Antwort von Susanne Götze, Wissenschaftsredakteurin beim SPIEGEL:

Die Frage beantworten Mediziner und Experten mit einem klaren "Jein". Richtig ist, dass Coronaviren von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Zwar sind Schmierinfektionen denkbar, also etwa Ansteckungen über kontaminierte Gegenstände, diese sind aber bislang nicht dokumentiert . Deshalb sind Atemmasken grundsätzlich sinnvoll - allerdings kommt es darauf an, wer die Masken trägt und welche Qualität die Masken haben:

  • Sehr sicher: Die sogenannten FFP-Masken (FFP steht für "filtering face piece") gibt es vor allem im Baumarkt. Heimwerker setzten sie ein, wenn sie beispielsweise Oberflächen abschleifen und dadurch Feinstaub entsteht. Je nach Filterstärke werden sie eingeteilt in FFP1-, FFP2- oder FFP3-Masken. Erst ab einer größeren Filterstärke (FFP2 und FFP3) können die Masken vor Krankheitserregern schützen. Allerdings ist das dauerhafte Tragen der Atemmaske "körperlich anstrengend" wie einige Behörden, etwa das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL), warnen. Deshalb sollten auch immer andere Hygienemaßnahmen praktiziert werden.

  • Nur teilweise sicher: Der sogenannte Mund-Nasen-Schutz (MNS) - oder auch OP-Maske genannt - verhindert, dass Speichel- oder Schleimtröpfchen desjenigen in die Luft gelangen, der die Maske trägt - sofern sie eng am Gesicht anliegt. Das nützt vor allem den Mitmenschen, wenn der Träger bereits infiziert ist. Einen gesunden Menschen schützt eine solche Maske nur eingeschränkt, auch halten diese Masken kleinere Partikel nicht auf. Gesunde Menschen, die den Mundschutz in der Öffentlichkeit tragen, schützen sich höchstens davor, dass sie Mund und Nase mit ihren möglicherweise kontaminierten Händen berühren.

  • Unsicher: Die einfachen Stoffmasken etwa aus Baumwolle oder Gaze sind zum Schutz vor Covid-19 eher ungeeignet. Die Erregerpartikel sind laut Medizinern und Experten schlicht zu klein, um durch diesen relativ grobmaschigen Schutz gestoppt zu werden. Allerdings können bereits Infizierte ihre Mitmenschen schützen, da die Masken zumindest grobe Speicheltröpfchen abfangen.

Allgemein gilt: Nur wenn die Schutzmasken richtig gehandhabt, getragen und entsorgt werden, bieten sie einen zusätzlichen Schutz. Andernfalls könnten sie sogar zu einer Quelle für Neuinfektionen werden, weil sich die Erreger darin sammeln.

Maske ersetzen kein "Social Distancing"

Abgesehen von den Qualitätsunterschieden müssen laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) und Robert Koch-Institut (RKI) nicht alle Menschen zwingend Atemschutzmasken tragen. Empfohlen wird das Tragen der Masken besonders für:

  • Menschen, die selbst mit dem neuen Virus Covid-19 infiziert sind. Der Schutz reduziere das Risiko, dass durch Husten oder Niesen Speicheltröpfchen des Erkrankten in die Umgebung gelangen und andere infizieren,

  • medizinisches Personal oder Angehörige von Covid-19-Infizierten, die sich um die Erkrankten kümmern,

  • Menschen, die Kontakt hatten zu Infizierten und nicht wissen, ob sie sich möglicherweise angesteckt haben.

Für Gesunde allerdings gibt es laut RKI keine hinreichenden Belege, dass ein Mund-Nasen-Schutz das Risiko einer Ansteckung messbar reduziert .

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Der Virologe Christian Drosten warnt, sich durch das Tragen der Masken zu sicher zu fühlen: "Natürlich lassen sich die jetzigen Maßnahmen zur Distanzierung und Kontaktminimierung auf keinen Fall durch das allgemeine Tragen von Masken ersetzen!" Masken seien maximal eine Ergänzung der Maßnahmen und eine Erinnerung an den Ernst der Lage.

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat hingegen mittlerweile zum Tragen einfacher Atemschutzmasken aufgefordert. Doch auch er betont, dass diese keinen Schutz vor Ansteckung garantieren. "Aber sie können ein wenig helfen, das Risiko zu verringern, andere anzustecken oder selbst angesteckt zu werden." Dies helfe bei der Viruseindämmung.

Mediziner wie Reinhardt appellieren aber zugleich an alle Menschen, sich nur mit einfachen oder notfalls selbst gebastelten Masken zu schützen. Professionelle Schutzmasken der Kategorien FFP2 und FFP3 seien im Alltag nicht erforderlich und würden dringend von Ärzten und Krankenpflegern oder Menschen mit Vorerkrankungen benötigt. "Wichtig: Bestellen Sie sich keine professionellen Schutzmasken im Internet oder kaufen solche", mahnte Reinhardt.

sug/dpa
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