Klimakrise Staub und Ruß beschleunigen Gletscherschmelze im Himalaja

Ruß und Staub lassen das Eis im Himalaja schmelzen. Forscher kamen nun zu einem überraschenden Ergebnis, als sie die Faktoren der Schmelze untersuchten.
Tilichosee mit schneebedeckten Bergen in Nepal

Tilichosee mit schneebedeckten Bergen in Nepal

Foto: Frank Bienewald / imagebroker / imago images

Der Himalaja verfügt über eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, wegen seiner beeindruckenden Gipfel wird er auch "das Dach der Welt" genannt. Klimaforscher haben der Region noch einen weiteren Spitznamen verpasst. Sie nennen ihn "der dritte Pol", denn hier befinden sich die größten Reserven an Gletscherschnee und -eis außerhalb des Nord- und Südpols.

Doch wie in vielen anderen Kälteregionen der Erde nagt der Klimawandel auch an den Eismassen der dortigen Berge. In den letzten drei Dekaden ging das Eis zurück. Zuletzt schmolzen pro Jahr durchschnittlich acht Milliarden Tonnen. Das zeigte eine Studie aus dem vergangenen Jahr.

Zur Eisschmelze trägt neben der Erderhitzung noch ein anderer Faktor maßgeblich bei: Staub und Ruß. Er wird im Frühjahr und Sommer in der Atmosphäre über weite Strecken geweht und legt sich auf Schnee und Eis. Dadurch wird der Schnee dunkler und absorbiert das Sonnenlicht, anstatt es zurück ins All zu reflektieren. In der Folge erwärmt sich das Eis schneller und schmilzt zügiger ab.

Welchen Einfluss hat der Staub?

Forscher sprechen von sogenannten Albedo-Werten. Sie variieren in vielen Bereichen der Erdoberfläche, überall dort, wo es hellere und dunklere Flächen gibt. Eine frische Schneefläche hat einen hohen Albedo von bis zu 0,95, ein dunkler Nadelwald dagegen nur eine von 0,05 bis 0,12. 

Forscher um Yun Qian vom Pacific Northwest National Laboratory und Kollegen haben den Effekt nun mittels Fernerkundungsbeobachtungen für den Himalaja, das Hindukusch- und Karakorum-Gebirge untersucht und Computersimulationen dazu erstellt. Sie interessierte vor allem, welchen Einfluss der Staub hat und welchen der Ruß. Letztere Partikel haben einen höheren Verdunklungseffekt und tragen damit stärker zur Schmelze bei, legten frühere Untersuchungen nahe.

Laut den aktuellen Ergebnissen, die im Fachmagazin "Nature Climate Change"  veröffentlicht wurden, ist das aber in den Höhenlagen der Region nicht so. Hier scheint Staub den größeren Einfluss zu haben, als kohlenstoffhaltige Aerosole – obwohl diese dunkler sind.

Insgesamt ergibt sich eine uneinheitliche Verteilung. Am meisten Eis und Schnee schmilzt in Höhen um 4500 Meter. Hier liegt der jährliche Rückgang bei fünf Millimeter pro Jahr. Auf 6000 Meter schwinden im Jahresmittel nur etwa drei Millimeter. Weiter unten im Tal, auf tausend Meter Höhe, verschwindet nur etwa ein Millimeter.

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Die heterogene Verteilung scheint daran zu liegen, dass der Einfluss von Staub auf die Schneeverdunkelung bei Höhen von über 4000 Meter größer ist als der von Ruß. Möglicherweise lagert sich viel mehr Staub ab. Die Wissenschaftler waren selbst von ihren Ergebnissen überrascht. Sie vermuten, dass die staubinduzierte Schmelze auch in anderen Gebirgen eine wichtige Rolle spielen könnte.

Rußpartikel entstehen durch Aktivitäten des Menschen. Sie werden durch den Autoverkehr, Brandrodungen oder Kohle- und Holzheizungen in die Atmosphäre gepustet. Der Staubeintrag hat dagegen zunächst natürliche Ursachen. Er stammt aus Afrika und dem Nahen Osten. Aber am Ende hat auch der Mensch eine Mitschuld an der Staubentwicklung. Durch veränderte Landnutzung schwinden Grünflächen, die Bodenerosion nimmt zu. Deshalb dürfte sich der Trend im Himalaja eher verstärken als umkehren.

Schmelzeffekt durch Staub und Ruß wurden auch schon in anderen Bereichen der Erde gemessen, beispielsweise in Grönland, wo sich der mächtige Eispanzer verdunkelt hat. Auch in den Alpen sind an den Gletschern ähnliche Effekte gemessen worden. Um das Schmelzen einzudämmen, greifen Forscher auf einen Trick zurück und decken die Eismassen mit hellen Folien ab. Das ist beispielsweise am Presena-Gletscher in Norditalien passiert. In der einsamen Höhenlage des Himalaja dürfte das aber schwierig werden.

joe
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