SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. November 2001, 16:40 Uhr

Hintergrund

Jungfernzeugung und Dolly-Methode

Mit zwei verschiedenen Methoden züchtete ein US-Team menschliche Embryonen. Bei einer Versuchsreihe kam das bewährte Dolly-Verfahren zum Einsatz, bei einer anderen die so genannte Jungfernzeugung.

Menschlicher Embryo im Frühstadium
AP

Menschlicher Embryo im Frühstadium

In beiden Fällen arbeiteten Wissenschaftler der US-Firma Advanced Cell Technologies (ACT) mit Eizellen, die ihnen freiwillig von sieben Frauen im Alter von 24 bis 32 Jahren zur Verfügung gestellt wurden. In keinem Fall ging die Entwicklung über das Stadium eines einfachen Zellhaufens hinaus, die gesuchten embryonalen Stammzellen wurden daraus nicht gewonnen.

Jungfernzeugung: Eizellen teilen sich ohne Befruchtung

Bei der so genannten Parthenogenese, auch Jungfernzeugung genannt, beginnen sich weibliche Eizellen zu teilen, obwohl sie gar nicht befruchtet sind. "Dies kommt beim Menschen normalerweise nicht vor", erläutert der Neurobiologe Michael Brand vom Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden. Die Jungfernzeugung ist im Tierreich unter anderem von Eidechsen, Fischen und Insekten bekannt. Die Nachfahren sind Klone der Mutter.

Die ACT-Forscher hatten nach eigenen Angaben die Konzentration elektrisch geladener Teilchen in 22 Eizellen mit Hilfe chemischer Substanzen verändert. Auf diese Weise hätten sie vermutlich jene Prozesse nachgebildet, die in der Natur nach der Befruchtung ablaufen, so Brand. Von den derart behandelten Eizellen entwickelten sich dem Wissenschaftlern zufolge sechs zu Zellkugeln, die aber keine embryonalen Stammzellen enthielten.

Dolly-Methode: Entkernte Eizellen erhalten fremdes Erbgut

Bei einer zweiten Versuchsreihe arbeiteten die US-Forscher nach der Dolly-Methode. Damit waren zuvor das gleichnamige schottische Klonschaf, aber auch viele andere hoch entwickelte Tierarten gezüchtet worden. Bei den gespendeten Eizellen entfernten die Wissenschaftler zunächst den Kern. An dessen Stelle pflanzten sie das Erbgut aus erwachsenen Hautzellen oder Kumuluszellen, die normalerweise die Eizellen im Eierstock schützen.

In der neuen Umgebung wurden die Zellkerne umprogrammiert, so dass die embryonale Entwicklung erneut gestartet wurde. Im Labor der Wissenschaftler teilten sich von 17 auf diese Weise behandelten Eizellen drei bis zum vier- oder sechszelligen Stadium.

Ziel beider Verfahren ist es, embryonale Stammzellen mit den passenden genetischen Merkmalen eines Patienten zu gewinnen. Diese Zellen sollen ihm implantiert werden, ohne vom Immunsystem abgestoßen zu werden. Stammzellen sollen nach der Hoffnung vieler Wissenschaftler im Körper die Aufgabe verschlissener Organe und Gewebe übernehmen.

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2001
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung