Hintergrund Wie wirkt Lipobay?

Das Medikament Baycol/Lipobay enthält den Wirkstoff Cerivastatin, der zur Gruppe der Statine gehört. Diese Substanzen gelten als besonders wirksam, wenn es darum geht, die Konzentration gefährlicher Blutfette zu senken. Vor allem ein hoher Spiegel des so genannten LDL-Cholesterins (Low Density Lipoprotein) ist riskant: Er begünstigt eine Schädigung und Verengung der Herzkranzgefäße, was im schlimmsten Fall zu einem tödlichen Infarkt führen kann.

Cerivastatin hemmt ein Enzym, das maßgeblich an der Produktion von LDL-Cholesterin beteiligt ist. Auf diese Weise kann der Wirkstoff den LDL-Cholesterinspiegel um rund ein Drittel senken. Zugleich steigt die Konzentration des "guten" HDL-Cholesterins (High Density Lipoprotein), das einen positiven Effekt auf die Herzkranzgefäße hat. Studien haben gezeigt, dass hoch dosierte Statine die Sterblichkeit durch Herzinfarkt und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen um rund 13 Prozent reduzieren konnten.

Die Cholesterin-Senker kommen nicht nur bei Patienten zum Einsatz, die bereits einen Infarkt erlitten haben. Viele Kardiologen hoffen auch, dass die Wirkstoffe bei noch nicht erkrankten Risikopersonen einem tödlichen Herzleiden vorbeugen können. Dazu zählen sowohl Diabetiker, die oft hohe LDL-Werte aufweisen, als auch Menschen mit erblicher Cholesterin-Erhöhung, der so genannten familiären Hypercholesterinämie.

Nach Angaben des Bayer-Konzerns wurden weltweit etwa sechs Millionen Patienten mit Baycol/Lipobay behandelt. Nun setzte das Unternehmen die Vermarktung des Medikaments in allen Ländern bis auf Japan aus. Grund für die Maßnahme seien vermehrte Meldungen über Muskelgewebszerfall (Rhabdomyolyse). Die Nebenwirkung sei insbesondere durch eine Kombination des Mittels mit dem Cholesterin-Senker Gemfibrozil aufgetreten, der in Japan nicht im Handel ist.

Seit längerem ist bekannt, dass Statine in seltenen Fällen Muskelschäden hervorrufen können. Nach Angaben des Bundesamtes für Arzneimittel erkrankt statistisch von 10.000 Patienten, die Baycol einnehmen, maximal einer an Rhabdomyolyse. In einem geringen Prozentsatz dieser Fälle könne der Muskelzerfall tödlich enden. Eine schwere Rhabdomyolyse äußert sich unter anderem durch Muskelschmerzen, Fieber oder Übelkeit. In sehr schweren Fällen können die Nieren oder andere Organe versagen.

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