Hirnforschung Forscher finden Zentrum des Vergessens

Wissenschaftler haben die Hirnregion identifiziert, die für die Abnahme der Lern- und Merkfähigkeit beim Altern hauptsächlich verantwortlich ist. Nun suchen sie nach dem biochemischen Mechanismus, der ältere Menschen immer mehr vergessen lässt.


Mysterium Gehirn: Biochemische Faktoren des Alterns weitgehend unbekannt
DPA

Mysterium Gehirn: Biochemische Faktoren des Alterns weitgehend unbekannt

Bereits aus früheren Studien wissen Hirnforscher, dass die Leistungsfähigkeit der Hirnregion Hippocampus im Alter nachlässt. Der Hippocampus ist für die Speicherung von Erinnerungen und das Erlernen neuer Fähigkeiten zuständig. Bislang war jedoch vergeblich nach dem Teil dieses Gehirnareals gesucht worden, der am meisten von den Folgen des Alterns betroffen ist.

Forscher von der Columbia University in New York haben nun die Hirnregion bestimmt, die die Schlüsselrolle bei der Abnahme der Lern- und Merkfähigkeit spielt. Im so genannten Gyrus dentatus, einem Teil des Hippocampus, nimmt sowohl die Stoffwechselaktivität als auch die Fähigkeit zur Speicherung neuer Erinnerungen deutlich früher ab als in anderen für das Gedächtnis wichtigen Hirnarealen, berichten die Hirnexperten in der Fachzeitschrift "Proceedings of the National Academy of Sciences" (PNAS, Online-Vorabveröffentlichung).

Untersuchungen am Menschen erwiesen sich in diesem Zusammenhang als besonders problematisch, weil nicht ausgeschlossen werden kann, dass die Probanden an einer Demenzerkrankung wie Alzheimer leiden. Solche Krankheiten verändern bereits im Frühstadium den Hippocampus und können daher die Ergebnisse verfälschen. Deshalb untersuchte das Team um Scott Small die Hirne von Ratten und Rhesus-Affen, bei denen die Alzheimersche Krankheit unbekannt ist.

Die Forscher scannten die Gehirne von 14 Affen im Alter von 7 bis 31 Jahren und ließen die Tiere zusätzlich einen Gedächtnistest machen. Anschließend verglichen sie die Ergebnisse dieser Tests mit der Stoffwechselaktivität verschiedener Gehirnbereiche. Das Ergebnis: Nur die Aktivität im Gyrus dentatus nahm im Alter parallel zur Leistung in den Gedächtnisaufgaben ab.

Dieser Befund bestätigte sich auch in den Versuchen mit den Ratten, in deren Gehirnen die Forscher bestimmten, wie aktiv ein als Arc bezeichnetes Gen war. Dieses Gen wird nur dann aktiviert, wenn das Gehirn neu erlernte Fähigkeiten abspeichert. Je älter die Ratten waren, desto weniger Arc fanden die Wissenschaftler im Gyrus dentatus. Da nun die beteiligte Region identifiziert ist, wollen die Forscher als nächstes nach den biochemischen Faktoren suchen, die den Funktionsverlust im Alter verursachen.



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