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30. November 2015, 21:13 Uhr

Studie

Männerhirn? Frauenhirn? Menschenhirn!

Unterscheiden sich die Gehirne von Frauen und Männern klar voneinander? Ein Forscherteam hat 1400 Hirnscans ausgewertet - und kommt zu einem deutlichen Ergebnis.

Es wurden ganze Bücher darüber geschrieben, wie sich die Gehirne von Männern und Frauen angeblich unterscheiden - und wie sich daraus verschiedene geschlechtertypische Verhaltensweisen und Vorlieben erklären lassen. Aber existieren sie wirklich, die typischen Frauen- und Männerhirne?

Ein Forscherteam aus Israel, der Schweiz und Deutschland kommt nach der Analyse von rund 1400 Kernspinaufnahmen zum Schluss, dass es keinen Sinn ergibt, das menschliche Denkorgan nach männlich oder weiblich zu kategorisieren.

Laut ihrem Fachartikel in den "Proceedings of the National Academy of Sciences" ("PNAS") gibt es zwar bestimmte Merkmale, die sich öfter bei Frauen oder Männern finden. Gleichzeitig aber besitzt die Mehrheit der Menschen einen bunten Mix - ein Mosaik, wie die Forscher schreiben.

Die Wissenschaftler um Daphna Joel von der Tel-Aviv University untersuchten Unterschiede in der grauen und der weißen Substanz des Gehirns sowie in der Stärke der Verknüpfungen zwischen verschiedenen Hirnbereichen. Zunächst suchten sie nach den Bereichen, in denen Unterschiede zwischen Männern und Frauen am stärksten ausgeprägt waren, in denen es also zwischen den Geschlechtern am wenigsten Überschneidungen gab. Dann bewerteten sie einzelne Gehirne danach, inwieweit sie in den betreffenden Bereichen rein weibliche oder rein männliche Merkmale besitzen.

Der Anteil der Teilnehmer mit nur typisch männlichen oder weiblichen Ausprägungen lag je nach untersuchtem Merkmal zwischen null und acht Prozent.

Man solle die große Schwankungsbreite des menschlichen Gehirns berücksichtigen, anstatt dies als Störfaktor zu werten, schreiben die Forscher. Und aufhören, über typisch männliche und typisch weibliche Gehirne nachzudenken.

Zu einem anderen Ergebnis kamen 2013 US-Forscher um Madhura Ingalhalikar von der University of Pennsylvania in Philadelphia. Sie hatten die Verdrahtung des Gehirns bei Männern und Frauen untersucht und über deutliche Geschlechterunterschiede berichtet. So besäßen Frauen in weiten Teilen des Gehirns besonders viele Kontakte zwischen den beiden Hirnhälften, während die Männer mehr Verknüpfungen innerhalb der Gehirnhälften hätten, berichteten sie damals, ebenfalls in "PNAS".

wbr/dpa

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