Hirnforschung Sprache klingt wie Musik

Egal ob komplizierte Sätze oder ausgewachsene Symphonien: Wenn es darum geht, unpassende Worte oder falsche Töne zu erkennen, ist stets eine bestimmte Region im Gehirn beteiligt.


Leipzig - Das Gehirn verarbeitet Musik und Sprache in derselben Region. Forscher des Max-Planck-Instituts für Neuropsychologische Forschung in Leipzig haben bei sechs Versuchspersonen das Musik-Erleben mit Hilfe der so genannten Magnetoenzephalografie (MEG) analysiert.

Versprecher oder Misston - für das Gehirn macht das keinen Unterschied
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Versprecher oder Misston - für das Gehirn macht das keinen Unterschied

Dabei werden die magnetischen Felder gemessen, die das Gehirn produziert. Das Team um den Neurowissenschaftler Burkhard Maess spielte den Versuchspersonen, die selbst nie ein Instrument erlernt haben, über hundert Akkordfolgen vor.

Manche dieser Folgen enthielten gegen Ende einen Akkord, der nicht in die gängigen Harmonien passte. Die Forscher konnten feststellen, dass das Gehirn auf die falschen Akkorde anders reagierte als auf bekannte musikalische Harmonien.

Beide Reaktionen fanden im so genannten Brocaschen Sprachzentrum statt, einer Gehirnregion, in der die einzelnen Worte eines Satzes zu einem sinnvollen Inhalt zusammengefügt werden. Genauso wie das Gehirn auf ein falsches Wort am Satzende reagiert, antwortet es auch auf den ungewöhnlichen Akkord am Ende der Tonfolge.

War der schräge Ton dagegen als dritter Akkord einer Sequenz zu hören, fiel die Reaktion des Hirn deutlich schwächer aus. Wahrscheinlich, so Maess, hatten die Probanden einfach noch nicht genug Töne gehört, um vorherzusagen, wie die Tonfolge sinnvollerweise fortgesetzt werden sollte.

Aus ihren Experimenten, die im Fachmagazin "Nature Neuroscience" veröffentlicht wurden, ziehen Maess und seine Kollegen den Schluss, dass das Broca-Areal Sprache in einem abstrakteren Sinne verarbeitet und nicht auf Worte allein spezialisiert ist. Ein musikalisches Training müsste daher auch positive Auswirkungen auf die sprachliche Ausdrucksfähigkeit haben, da dabei die gleiche Gehirnregion angesprochen wird.

Die neuen Forschungsergebnisse können, so Maess, insbesondere für Patienten wichtig sein, deren Sprachzentrum durch einen Schlaganfall oder einen Unfall geschädigt wurde.



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