Hirnforschung Stress verstärkt die Erinnerung

Schreckliche oder schöne Erinnerungen prägen sich einem viel stärker ein als neutrale. In Experimenten an Mäusen haben Wissenschaftler herausgefunden, welche Mechanismen dafür sorgen, wie unter Stress Ereignisse besser im Gedächtnis haften bleiben.


Angst oder Stress erhöhen den Noradrenalinspiegel im Gehirn. Dadurch werden mehr für das Erinnern wichtige Moleküle an die Oberfläche der Nervenzellen gebracht und ermöglichen so, dass Mäuse sich leichter an bestimmte Situationen erinnern. Das haben Forscher um Hailan Hu vom Cold Spring Harbor Laboratory in New York herausgefunden und im Fachmagazin "Cell" veröffentlicht (Bd. 131, S. 160).

Mäuse unter Stress merken sich Dinge leichter als entspannte
DPA

Mäuse unter Stress merken sich Dinge leichter als entspannte

Um den Noradrenalinspiegel im Gehirn der Mäuse künstlich zu erhöhen, spritzten die Wissenschaftler den Tieren Adrenalin - was den Blutdruck erhöhte und die Tiere in Stress versetzte. Anschließend setzten sie die Mäuse für zwei Minuten in einen Käfig, um sie an die neue Umgebung zu gewöhnen. Diese Prozedur wiederholten sie am folgenden Tag, versetzten den Mäusen dabei aber einen leichten Stromschlag. Am dritten Tag beobachteten sie, wie sich das Verhalten der Mäuse im Käfig verändert hatte: Die Tiere erstarrten vor Schreck und wagten es nicht mehr, sich zu bewegen. Sie erinnerten sich an den Stromstoß im Käfig, vermuten die Forscher.

Eine Vergleichsgruppe von Mäusen, der vor den Versuchen kein Adrenalin gespritzt worden war, zeigte am dritten Tag des Experimentes allerdings deutlich weniger Angst im Käfig. Offenbar erinnerten sie sich nicht mehr so gut an den Stromschlag, betonen die Forscher. Wurden die Versuchstiere dagegen vor dem Experiment in eine mit Fuchs-Urin getränkte Kiste gesetzt, zeigten sie das gleiche Ausmaß an Angst, wie die Tiere, denen zuvor Adrenalin gespritzt worden war. Der Fuchs-Urin versetze die Mäuse in eine Stresssituation, auch das erhöhe die Noradrenalinkonzentration im Gehirn, betonen die Wissenschaftler.

Noradrenalin verändert die Nervenzelloberfläche

Wahrscheinlich verändert das Noradrenalin ein für das Gedächtnis wichtiges Protein in den Nervenzellen. Dieses werde häufiger vom Inneren der Zelle an ihre Oberfläche transportiert. Die Folge: Wenn sich die Mäuse nun eine neue Information merken sollen, wie beispielsweise den Stromschlag im Käfig, stehen ihnen viel mehr Moleküle auf der Zelloberfläche zur Verfügung, die für die Verarbeitung dieser Information zuständig sind. So bleibe diese Situation den Mäusen leichter im Gedächtnis. Allerdings beeinflusst nicht nur Noradrenalin dieses Eiweiß der Nervenzellen. Auch bestimmte Medikamente oder Kokain wirken ähnlich. Die Forscher erhoffen sich deshalb, auch mehr darüber zu lernen, wie solche Stoffe Lernen und Gedächtnis beeinflussen.

Menschliche Gedächtniskünstler nutzen emotionale Faktoren, um sich gigantische Mengen an Informationen zu merken. So verknüpfen sie das zu Merkende im Kopf mit Gegenständen, Orten und Gerüchen - am besten mit emotional behafteten. Wie stark Emotionen Erinnerungen einbrennen können, zeigt sich auch bei Traumapatienten, die Erinnerungen an schreckliche Ereignisse nur mit großer Mühe wieder in den Griff bekommen.

lub/ddp



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