Hiroshima und Nagasaki Atombomben töten noch heute

Mehr als 200.000 Menschen starben bei der nuklearen Vernichtung Hiroshimas und Nagasakis. Die Überlebenden leiden noch heute an den Folgen der Verstrahlung. Eine Studie zeigt, dass Spätschäden vor allem diejenigen treffen, die zu der Zeit der Angriffe am jüngsten waren.


Tausende, die von der Atombombe nicht zu Asche verbrannt, von einstürzenden Gebäuden erschlagen oder von der Druckwelle getötet worden waren, starben einen qualvollen Tod: Hiroshima war verstrahlt, und viele Bewohner der japanischen Stadt vergifteten sich, weil sie den durch Staub und Dreck geschwärzten radioaktiven Regen tranken, der rund 20 Minuten nach der Explosion der Atombombe niederging.Ein australischer Journalist nannte die rätselhafte Krankheit, die er bei seinem Besuch in Hiroshima im September 1945 beobachtete, "Atompest": Den Opfern fielen die Haare aus, ihre Körper waren von roten Flecken übersät, die Menschen verbluteten innerlich.

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Hiroshima und Nagasaki: Bilder der Apokalypse
Auch rund 60 Jahre nach dem Abwurf der Atombomben auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki leiden die Überlebenden unter den Folgen der Verstrahlung. Eine Studie mit 4091 Opfern der nuklearen Bombardements hat jetzt ergeben, dass 45 Prozent unter Schilddrüsenerkrankungen leiden. Je jünger die Opfer zum Zeitpunkt der Angriffe im Sommer 1945 waren und je größer die Strahlendosis, desto wahrscheinlicher sei das Auftreten einer Schilddrüsenerkrankung, schreibt ein Team um Misa Imaizumi von der Radiation Effects Research Foundation im "Journal of the American Medical Association".Die Forscher hatten die Bombenopfer zwischen 2000 und 2003 in Hiroshima und Nagasaki untersucht. Die Auswirkungen der Strahlen seien auch nach all den Jahrzehnten noch immer ernst. "Es ist nötig, die gesundheitliche Verfassung der Überlebenden weiterhin sorgfältig zu verfolgen", erklärte Imaizumi.3185 der 4091 Untersuchten hätten sich zur Zeit der Bombenangriffe in den beiden Städten befunden. Zwei Prozent davon hatten Schilddrüsenkrebs, fünf Prozent wiesen gutartige Tumore auf, acht Prozent hatten Zysten und knapp 15 Prozent Schilddrüsenknoten. Die Forscher schätzen, dass allein 37 Prozent der Fälle von Schilddrüsenkrebs von der Strahlenbelastung herrühren.Am 6. August 1945 hatte der US-Bomber "Enola Gay" die erste im Krieg eingesetzte Atombombe mit dem Spitznamen "Little Boy" über Hiroshima abgeworfen. Von den 350.000 Bewohnern starben schätzungsweise mehr als 70.000 sofort. Bis Ende Dezember 1945 erhöhte sich die Zahl der Toten auf 140.000. Drei Tage später warfen die Amerikaner eine zweite Atombombe über Nagasaki ab, die bis Dezember weitere 70.000 Menschen tötete.mbe/dpa



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