HIV-Infektion Beschneidung von Männern schützt Frauen nur indirekt

Beschnittene Männer übertragen Aids-Viren genauso gut wie unbeschnittene, ergab eine neue Studie. Trotzdem halten Mediziner den Eingriff für sinnvoll, denn er mindert das Risiko bei Männern, sich selbst mit dem Aids-Virus anzustecken - und schützt Frauen somit indirekt.


London - Eine flächendeckende Beschneidung von Männern kann die Ausbreitung von Aids hemmen. Dies hatten die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und das Aidsprogramm der Vereinten Nationen (UNAIDS) vor gut zwei Jahren nach Studien in Kenia, Uganda und Südafrika empfohlen. Die Maßnahme reduziere die Gefahr einer HIV-Ansteckung bei heterosexuellen Männern um etwa 60 Prozent, hieß es damals. Die Vorhaut, die bei der Beschneidung entfernt wird, hat offenbar Eigenschaften, die ein Eindringen des HI-Virus in das männliche Blut bei kleineren Verletzungen erleichtern.

Aids-Warnung in Südafrika: Beschneidung von Männern kommt Frauen indirekt zugute
DPA

Aids-Warnung in Südafrika: Beschneidung von Männern kommt Frauen indirekt zugute

Aber schützt die Beschneidung von Männern auch Frauen? Dieser Frage sind nun Forscher in Ruanda nachgegangen. Die Mediziner untersuchten von 2003 bis 2007 den Effekt einer Beschneidung HIV-infizierter Männer hinsichtlich der Virenübertragung auf deren Partnerinnen. Zugelassen waren Männer zwischen 15 und 49 Jahren, die bereits mit HIV infiziert waren, nicht beschnitten waren und keine medikamentöse Therapie erhielten.

Insgesamt nahmen 922 Männer an der Studie teil, für die Auswertung wurden jedoch nur 92 Paare in der behandelten und 67 Paare in der Kontrollgruppe berücksichtigt. Die Männer in der behandelten Gruppe wurden zu Beginn der Studie beschnitten, diejenigen in der Kontrollgruppe erst nach 24 Monaten. Damit wollte man einer Stigmatisierung unbeschnittener Männer vorbeugen, berichten die Forscher im Fachmagazin "Lancet" (Bd 374, S.229).

Sowohl die männlichen als auch die weiblichen Teilnehmer wurden sechs, zwölf und 24 Monate nach Beginn der Studie untersucht und zu ihrem Sexualverhalten und ihrer Gesundheit befragt. Dazu gehörten Fragen zum Gebrauch von Kondomen, der Anzahl der Geschlechtspartner und der Einstellung zum Wissen um die eigenen Krankheitsdaten. Nach 24 Monaten hatten sich in der behandelten Gruppe 13 Prozent der Frauen mit dem Virus angesteckt, in der Kontrollgruppe sogar 22 Prozent, schreiben Maria Wawer vom Raiki Health Sciences Program im Rakai District.

Statistisch sei dieser Unterschied jedoch nicht signifikant, betonen die Forscher, die Beschneidung von HIV-infizierten Männern scheine also das Risiko einer Virenübertragung auf gesunde weibliche Partner nicht zu reduzieren. Weil sich in der Kontrollgruppe dennoch mehr Frauen ansteckten, brachen sie die Studie vorzeitig ab.

Die Gründe für das eher unerwartete Ergebnis sind den Wissenschaftlern nicht genau bekannt. Möglicherweise bestehe ein Zusammenhang zum Alter und dem Verwenden von Kondomen. Dennoch sollten Programme zur Förderung der Beschneidung gestärkt werden, berichten die Forscher. Auch wenn die Beschneidung den Frauen nicht unmittelbar zugute komme, hätten sie doch einen Vorteil dadurch, betonten die Wissenschaftler. Denn je weniger Männer mit dem Aids-Virus infiziert seien, umso kleiner das Risiko einer Ansteckung. Auch bereits HIV-infizierten Männern sollte eine Beschneidung nicht vorenthalten werden, um eine Stigmatisierung in der Bevölkerung zu verhindern, sagt Wawer.

hda/ddp/AFP



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