HIV-Infektion Menschliche Gene beeinflussen Aids-Verlauf

Wie schnell eine Aids-Erkrankung fortschreitet, war nach bisheriger Theorie vor allem eine Frage der HI-Viren-Konzentration. US-Forscher haben jetzt jedoch weitere Faktoren gefunden - im Erbmaterial der Infizierten.

Eine HIV-Infektion ist nicht gleichbedeutend mit Aids. Es dauert meist einige Jahre, bis die Krankheit ausbricht. Und manche Menschen sind sogar immun gegen die gefürchteten Viren - sie bleiben trotz Infektion dauerhaft gesund.

Bisherige Studien haben gezeigt, dass der Verlauf von Aids von der frühen Infektionsphase abhängt, vor allem von der Replikationsrate des Human Immunodeficiency Virus (HIV). Diese kann von Infiziertem zu Infiziertem um den Faktor 1000 variieren. Deshalb glaubten Forscher bislang auch, dass in erster Linie die Virenkonzentration im Körper Betroffener über das Fortschreiten von Aids entscheidet. Je mehr HI-Viren kursieren, umso schneller wird das Immunsystem geschwächt. Die Folge: Selbst an sich harmlose Infektionen werden zu einer großen Gefahr für den Organismus.

Forscher vom amerikanischen National Institute of Allergy and Infectious Diseases haben jetzt gezeigt, dass die Virenkonzentration keinesfalls allein für den Aids-Verlauf verantwortlich ist. Sunil Ahuja von der University of Texas in San Antonio und seine Kollegen hatten Daten von mehr als 3500 Menschen untersucht, darunter 1132 HIV-Infizierte.

Die Forscher stellten fest, dass Personen mit einer bestimmten Kombination zweier Gene, CCR5 und CCL3L1, eine reduzierte Immunantwort zeigten und weniger CD4T-Zellen besaßen - beides Indikatoren einer fortschreitenden Aids-Erkrankung. Das Gen CCR5 bewirkt ein leichteres Eindringen der HI-Viren in Zellen, CCL3L1 beeinflusst die Immunantwort.

Die Auswertung der Daten ergab jedoch auch, dass die Virenkonzentration Auswirkungen auf den Krankheitsverlauf hat - allerdings nur zu einem gewissen Teil. "Die Ergebnisse zeigen, dass nicht die Virenmenge allein, sondern das Zusammenspiel von Viren und Wirtsfaktoren entscheidet", schreiben Ahuja und seine Kollegen im Fachblatt "Nature Immunology" (Online-Vorabveröffentlichung).

Die Erkenntnisse könnten auch in der Behandlung Aidskranker von Nutzen sein, etwa wenn sich der Verlauf der Erkrankung individuell voraussagen lasse. Zugleich könne die Studie zu zusätzlichen Markern führen, die neben der Virenkonzentration als Indikator für den Krankheitsfortschritt dienten.

hda

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