"HMS Investigator" Verschollenes Schiff in der Arktis entdeckt

Vor 157 Jahren versank die "HMS Investigator" - jetzt haben kanadische Archäologen in der Arktis das Wrack des Expeditionsschiffs gefunden. Die Mannschaft hatte nach dem glücklosen Entdecker John Franklin gesucht - und war selbst im Eis steckengeblieben.

"HMS Investigator" (Illustration von 1851): "Aufrecht und in sehr gutem Zustand"
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"HMS Investigator" (Illustration von 1851): "Aufrecht und in sehr gutem Zustand"


Toronto - Ein paar Walfänger in der Baffin Bay waren die letzten, die die Besatzungen der "HMS Erebus" und der "HMS Terror" lebend sahen. Auf der Suche nach der Nordwestpassage durch die Inselwelt Kanadas verschwand der britische Polarforscher Sir John Franklin im Jahr 1845 spurlos - und mit ihm seine knapp 130 Mann starke Besatzung. Es war eine Tragödie, die damals Welt in Atem hielt: Ein Dutzend Jahre lang machten sich Rettungstrupps auf die Suche nach den Verschollenen.

Kanadische Archäologen haben in der Arktis nun ein Schiff entdeckt, das bei der Suche ebenfalls in Not geriet: die "HMS Investigator". Unter dem Kommando des legendären Kapitäns Robert McClure stach das Schiff im Jahr 1850 in See. Vor der Einfahrt in die Beaufort-See wurde es vom Packeis gestoppt - die Besatzung musste in der Prince-of-Wales-Straße überwintern.

Später verhinderte das Eis die Weiterfahrt erneut. Drei Jahre lang steckte die Crew fest, bis sie schließlich gerettet wurde. Die "HMS Investigator" blieb zurück und sank später.

Erst jetzt wurde sie wiederentdeckt. Nach Angaben von Marc-André Bernier, dem Leiter des Suchteams, wurde das Schiff im Wasser der Mercy Bay, nördlich der Banksinsel gefunden. "Es steht aufrecht und ist in sehr gutem Zustand", sagte Bernier.

Die Archäologen konnten die "HMS Investigator" per Sonar aufspüren, weil sich das dichte Packeis in der Mercy Bay zumindest zeitweise zurückgezogen hatte. Die Masten des Schiffs seien vom Wasser weggerissen worden, sonst aber sei das Wrack wegen der eisigen Temperaturen in einem guten Zustand. Man könne von der Wasseroberfläche aus die einzelnen Planken erkennen, sagte der kanadische Umweltminister Jim Prentice. Bernier kündigte an, man wolle nun mit einer ferngesteuerten Kamera genauere Bilder von dem versunkenen Schiff bekommen.

Mythos Nordwestpassage

Die Archäologen spürten auch drei Gräber auf, von denen sie glauben, dass Seeleute der "HMS Investigator" darin beerdigt wurden. Nun wollen sie die Funde untersuchen - und auch weiter nach der "Erebus" und der "Terror" fahnden, die ebenfalls verschollen sind. Die Archäologen wollen dabei auch auf Inuit-Überlieferungen setzen.

Die "HMS Investigator" hat Seefahrtsgeschichte geschrieben: "Dies ist das Schiff, das den letzten Teil der Nordwestpassage segelte", sagte Bernier. Die Passage war über Jahrhunderte ein Ziel von Expeditionen. Sie versprach den europäischen Seemächten eine attraktive Abkürzungen auf dem Weg nach Asien und wurde deswegen mit Hochdruck gesucht. Tatsächlich waren die Eisverhältnisse auf dem Seeweg aber so brutal, dass die Passage bis heute kaum genutzt wird.

Durch den Klimawandel ändert sich das nun langsam. Kanada auf der einen sowie die USA und Europa auf der anderen Seite streiten sich um den juristischen Status der Nordwestpassage. Die Regierung in Ottawa glaubt, dass es sich um ein internes Gewässer handelt. In Washington und Brüssel spricht man von einem internationalen Seeweg, der in diesem Fall auch ohne kanadische Genehmigung zu befahren wäre.

chs/afp/apn



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