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29. Mai 2006, 11:59 Uhr

Hohes Alter

Männer mit mehr Rente leben länger

Gesundheit und langes Leben - das hängt auch in Industrieländern vom Wohlstandsniveau ab, vermuten Wissenschaftler schon lange. Nun zeigt eine Analyse der Rentenstatistik: Wer im Alter mehr Geld bekommt, lebt länger - bis zu fünf Jahren.

Was eine Korrelation ist, lernen Studenten im ersten Statistikproseminar - und auch, dass man mit Schlüssen vorsichtig sein muss. So ist die Zahl der angesammelten Rentenpunkte auch weder für die Lebenserwartung eines Menschen verantwortlich noch eine Garantie für besonders langes Leben.

Rentnerpaar: Bei Männern hängen Rentenpunkte und Lebenserwartung zusammen, bei Frauen nicht unbedingt
DPA

Rentnerpaar: Bei Männern hängen Rentenpunkte und Lebenserwartung zusammen, bei Frauen nicht unbedingt

Sehr generell kann man aber sagen, dass in Deutschland arme Männer früher sterben als reiche. Das hat ein Forscher des Rostocker Max-Planck-Instituts für demografische Forschung errechnet - aus Daten der Rentenversicherung.

Schon länger hatten Bevölkerungsforscher vermutet, dass es zwischen Wohlstand und langem Leben einen Zusammenhang gibt. "Auf Grund der Datenlage der Deutschen Rentenversicherung kann dies eindeutig belegt werden", sagte Rembrandt Scholz, der Verfasser der Studie. Demnach hat ein heute 65-Jähriger mit einer hohen Rente eine bis zu fünf Jahre höhere Lebenserwartung als ein Rentner, der während seines Arbeitslebens nur wenig in die Rentenkasse einzahlen konnte.

Fünf Jahre Unterschied zwischen den Extremgruppen

Der Rostocker Wissenschaftler stellt seine Arbeit gerade bei der Konferenz "Reves" (Réseau Espérance de Vie en Santé, Netzwerk Lebenserwartung in Gesundheit) in Amsterdam vor. Bislang existiert nur eine Vorab-Fassung seines Forschungsaufsatzes zu diesem Thema. Die Begutachtung durch Kollegen ist also noch im Gange. Der Zusammenhang, den Scholz und sein Kollege Hans-Martin von Gaudecker von der Universität Mannheim nachgewiesen haben, passt allerdings zu Daten aus anderen Industrieländern.

Für die Studie werteten die Wissenschaftler 5,2 Millionen Daten aus. Sie verglichen angehende Rentner, die viel in die Rentenversicherung eingezahlt hatten, mit solchen, die nur wenig einzahlen konnten. Der Vergleich der Extremgruppen zeigt: Ein Mann mit hohen Beitragszahlungen hat als Rentner heute noch durchschnittlich 19 Jahre zu leben. Wer wenig einzahlen konnte, hat nur noch 14 Jahre vor sich.

Unterschiede zwischen Rentnern aus den östlichen und westlichen Bundesländern fanden die Forscher nicht. Dies sei erstaunlich angesichts der recht unterschiedlichen Umstände des Arbeitslebens in Ost und West. Hüben wir drüben scheint zu gelten: je mehr Rentenpunkte, desto länger das Leben.

Zusammenhang da, Grund noch offen

"Dieser schon länger vermutete lineare Zusammenhang wurde damit erstmals in Deutschland mit Daten dieses Umfangs nachgewiesen", sagte Scholz. Allerdings sind nicht die Rentenpunkte oder die Höhe der Rente die Ursache für längeres Leben. Die Autoren weisen darauf hin, dass es sich hier um eine "reine Korrelation" handele.

Die Autoren verweisen auf mehrere Hypothesen, die den Zusammenhang erklären könnten: Epidemiologen betonen einen Kausalzusammenhang zwischen Einkommen und Gesundheit.

Wirtschaftswissenschaftler weisen oft auf das Gegenteil hin, dass nämlich kranke Menschen weniger Verdienstmöglichkeiten hätten als gesunde.

Drittens könnten mehrere tiefer liegende Einflussfaktoren wie Erbanlagen, Intelligenz, soziale Fähigkeiten, persönliche Netzwerke oder Einflüsse durch das Elternhaus und Erziehung eine Rolle spielen.

"Man kann davon ausgehen, dass Menschen mit höherem Einkommen eine bessere Bildung haben und sich bewusster ernähren, was wiederum nachweislich das Leben verlängert", sagte Rembrandt Scholz.

Die Lebenserwartung von Frauen wurde in der Studie nicht untersucht, weil sich der soziale Status von Frauen oft nicht durch die Höhe der eigenen Rente beschreiben lässt.

stx/dpa

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