Fehlende wissenschaftliche Belege Bayerische Ärztekammer streicht Homöopathie-Weiterbildung

Auch wenn sie millionenfach geschluckt werden: Immer noch fehlen Belege dafür, dass Globuli und Co. tatsächlich helfen oder heilen. Die bayerische Landesärztekammer versagt der Homöopathie nun die Unterstützung.
Für Homöopathika werden Grundsubstanzen wie Mineralien, Pflanzen, aber auch tierische Bestandteile extrem verdünnt

Für Homöopathika werden Grundsubstanzen wie Mineralien, Pflanzen, aber auch tierische Bestandteile extrem verdünnt

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Erik Tham / Getty Images

Die Bayerische Landesärztekammer wird in Zukunft keine Weiterbildungen mehr anbieten, in der Medizinerinnen und Mediziner die Zusatzbezeichnung Homöopathie erwerben können. Darauf haben sich die Mitglieder am vergangenen Wochenende verständigt. Nur, wer vor Ende einer Übergangsfrist den Titel erworben hat, darf ihn auch weiterhin tragen.

Medienberichten zufolge stimmte die große Mehrheit der anwesenden Delegierten gegen eine Beibehaltung der Homöopathie in der Weiterbildungsordnung der Landesärztekammer. »Ein Erdrutschsieg für Evidenz und Patientensicherheit«, kommentierte HNO-Arzt und Homöopathie-Kritiker Christian Lübbers die Entscheidung auf Twitter.

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Die Homöopathie wurde Ende des 18. Jahrhunderts vom deutschen Arzt Samuel Hahnemann erfunden. Sie basiert auf der Idee, dass »Ähnliches mit Ähnlichem« behandelt werden soll. Bei der Herstellung der Mittel werden Grundsubstanzen wie Mineralien, Pflanzen, aber auch tierische Bestandteile extrem verdünnt. Eine Wirkung, die über den Placeboeffekt hinausgeht, ist bis heute nicht nachgewiesen.

Beide Seiten argumentieren mit Patientensicherheit

Die bayerische Ärzteschaft hatte seit Längerem über eine mögliche Abschaffung der Homöopathie diskutiert. Im Vorfeld der Abstimmung waren ein Pro- und ein Kontra-Beitrag im Bayerischen Ärzteblatt  erschienen.

Die Etablierung in der Ärzteschaft, zum Beispiel über Weiterbildungen, sei ein wesentlicher Grund für die verbreitete Fehlannahme, Homöopathie sei eine reale, bewährte und zuverlässige Therapieoption, schrieb Lübbers in seinem Teil, in dem er für die Abschaffung warb . »Es gilt vielmehr, durch eine kritische Positionierung der Ärzteschaft genau dieser Annahme entgegenzuwirken. Patientensicherheit wird vor allem erreicht, wenn homöopathische Therapien gar nicht angeboten werden – gleich wo.«

Befürworter der Homöopathie hingegen argumentieren ebenfalls mit der Patientensicherheit, aber aus einer anderen Perspektive. Gerade weil die Homöopathie so beliebt sei, sei es wichtig, dass sie von einem Arzt mit entsprechenden Kompetenzen angewendet werde, der sorgfältig zwischen dem Wunsch der Patienten, den Möglichkeiten der Methode und ärztlich begründeten konventionellen Therapien abwägen könne, schrieb Ulf Riker, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern des Deutschen Zentralvereins homöopathischer Ärzte in seinem Beitrag . »Dies gelingt nur im Schutz ärztlicher Expertise, aber nicht im Umfeld alternativer ›Heiler‹.«

Im Bayerischen Rundfunk  erklärte Riker zwar, die Abstimmung des Ärztetages sei als formal demokratische Entscheidung zu respektieren. Gleichzeitig kündigte er aber an, rechtliche Schritte »sehr ernsthaft« zu prüfen.

Sollten Krankenkassen für Homöopathie zahlen?

Bremen hatte vor zwei Jahren als bundesweit erste Landesärztekammer beschlossen, anerkannte Weiterbildungen und Prüfungen zum Thema Homöopathie abzuschaffen. Für die Behandlungsmethode fehlten »wissenschaftliche Nachweise ihrer Wirksamkeit«, hieß es in dem Beschluss. »Eine strukturierte Weiterbildung inklusive Lehrplan und Prüfungen für Verfahren und Mittel anzubieten, deren Wirkung wissenschaftlich nicht nachvollziehbar ist, das fanden wir etwas albern«, sagt Heidrun Gitter, Präsidentin der Bremer Ärztekammer, damals dem »Weser-Kurier« .

Umstritten ist auch, ob Krankenkassen für die Kosten von Homöopathie aufkommen sollten. Homöopathie gehört nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen. Allerdings erstatten viele Kassen Versicherten einen Teil der Kosten als freiwillige Leistung, weil es eine Nachfrage gibt. Dies ist auch ein Instrument im Konkurrenzkampf.

Unter anderem SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte schon mehrmals, Krankenkassen zu verbieten, für die Kosten von Homöopathie aufzukommen. Auch freiwillige Leistungen der Krankenkassen müssten wirtschaftlich und medizinisch sinnvoll sein, argumentierte Lauterbach 2019. »Im Sinne der Vernunft und der Aufklärung sowie des Patientenschutzes ist es auch in Deutschland falsch, dass Kassen aus Marketinggründen Homöopathie bezahlen.«

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hingegen erklärte ebenfalls 2019, Kostenübernahmen für homöopathische Arzneimittel durch die Krankenkassen nicht antasten zu wollen.

irb
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