Bakterienuntersuchung Forscher testen Keimbelastung in der U-Bahn

In der Bahn tummeln sich Bakterien an Griffen und auf Sitzen, manche können Krankheiten auslösen, andere sind harmlos. Aber welche landen tatsächlich auf unserer Haut? Forscher haben es untersucht.
Menschen warten auf U-Bahn (Symbolbild)

Menschen warten auf U-Bahn (Symbolbild)

Foto: Frank Augstein/ dpa

Bakterien sind in unserer Umgebung überall zu finden. Sie sitzen in der Spüle, auf dem Fußboden oder auf Haltegriffen in der Bahn. Nicht alle diese Mikroorganismen sind gefährlich, im Gegenteil. Manche von ihnen schützen unsere Haut vor anderen, schädlicheren Eindringlingen. Und auch nicht alle diese Bakterien nehmen wir tatsächlich auf, wenn wir uns beispielsweise in der Bahn am Haltegriff festhalten.

Welchen Keimen wir beim U-Bahnfahren tatsächlich ausgesetzt sind, haben Forscher nun in Hongkong untersucht. Deutsche Experten glauben, dass die Ergebnisse grundsätzlich auch auf hiesige Ballungsräume übertragbar sind.

Freiwillige beim Bakteriensammeln

Das Team um Gianni Panagiotou von der Universität Hongkong schickte Freiwillige während des Berufsverkehrs mehrmals morgens und abends eine halbe Stunde in verschiedene Linien des Hongkonger U-Bahnnetzes. Es umfasst rund 200 Kilometer und befördert täglich etwa 4,7 Millionen Menschen. Die Helfer sollten sich an Haltegriffen und -stangen festhalten, anschließend wurden ihre Handflächen auf Erbgut von Mikroorganismen untersucht.

Das Ergebnis: Die meisten Keime waren gewöhnliche Bewohner der menschlichen Haut, wie die Forscher im Fachblatt "Cell Reports" berichten . Neben Bakterien fanden die Forscher auch Pilze und Bakteriophagen - allerdings weitaus seltener. Zudem zeigte die Untersuchung, dass vielbefahrene Linien nicht pauschal gefährlichere Krankheitserreger aufweisen als weniger gut frequentierte. Besonders am Morgen kommt es vielmehr darauf an, welche Keime die Menschen in die Bahn bringen, die an einer bestimmten Strecke leben.

Im Video: Superkeime - Die tödlichen Feinde

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In ihrer Untersuchung fiel den Forschern so etwa auf, dass jede Linie am Morgen noch ihre eigene, spezifische Bakterienzusammensetzung hat. Sie konnten anhand der Keime, die die Tester auf ihren Händen hatten, erkennen, mit welcher Bahn diese unterwegs gewesen waren. Am Abend hatten sich die Mikroben aus allen Linien allerdings gleichmäßig im U-Bahnnetz verteilt.

Auffällig war dabei etwa die Analyse von Bakterien, die Resistenzgene gegen Antibiotika hatten. Solche Keime sind bei einer Infektion schwerer zu behandeln, weil manche der Medikamente nicht mehr anschlagen. "Morgens fanden wir antibiotikaresistente Bakterien in nur wenigen Linien, abends konnten wir sie in allen nachweisen", sagt Panagiotou, der inzwischen am Hans-Knöll-Institut in Jena forscht.

"Wir sind ständig von Bakterien umgeben"

Die Studie solle dazu beitragen, dass Verkehrsplaner Zugabteile so anlegen können, dass die Gesundheit möglichst wenig gefährdet werde, so die Wissenschaftler. Dies gelte auch für andere öffentlich zugängliche Orte wie Flughäfen, Flugzeuge, Fernzüge, Busse und auch öffentliche Toiletten.

Stefanie Kampmeier vom Uniklinikum Münster geht davon aus, dass sich die Resultate grundsätzlich auf Transportmittel in Deutschland übertragen lassen. Auch sie betont: Eine Gefährdung für die Fahrgäste bestehe durch die Keime nicht. "Prinzipiell hat jeder von uns eine gewisse Keimflora auf der Haut, die für die Hautfunktion wichtig ist", sagt die Fachärztin für Hygiene und Umweltmedizin. "Man sollte sich bewusst sein, dass wir ständig von Bakterien umgeben sind, ohne dass das gesunde Menschen gefährdet."

Nach Möglichkeit solle man sich, insbesondere in den Wintermonaten, wenn vermehrt etwa Erkältungsviren unterwegs sind, nach dem Bahnfahren die Hände waschen und vorher nicht mit der Hand durchs Gesicht wischen, rät sie.

Materialien einsetzen, die gut zu reinigen sind

Auch Ernst Tabori, Ärztlicher Direktor des Deutschen Beratungszentrums für Hygiene (BZH) in Freiburg, geht davon aus, dass die Resultate der Studie prinzipiell für deutsche Großstädte gelten. "Die Ergebnisse der Untersuchung sind nachvollziehbar." Obwohl die Mehrheit der Keime nicht bedrohlich sei, sollten in Bahnen Materialien eingesetzt werden, die gut zu reinigen und bei Bedarf zu desinfizieren seien - also vor allem glatte und geschlossenporige mit wenigen Fugen und Kanten.

Schon früher hatten Forscher die Zusammensetzung von Mikrobiomen in U-Bahnen von Großstädten analysiert - aber aus unterschiedlichen Blickwinkeln. So achtete ein Team in New York auf die räumliche Verteilung in der Stadt, indem sie an U-Bahnstationen Proben nahmen. Sie analysierten also, welche Bakterien in welchen Stadtteilen zu finden sind. Im Großraum Boston dagegen untersuchten Wissenschaftler, auf welchen Oberflächenmaterialien welche Keime siedelten.

jme/dpa

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