Hormone Mann und Frau schmerzt es unterschiedlich

Sind Frauen schmerzempfindlicher als Männer, oder sind Männer die Wehleidigeren? Mediziner haben jetzt neue Belege für die These gefunden, dass Geschlechtshormone tatsächlich die Schmerzwahrnehmung beeinflussen.


Tennisspieler Christophe Rochus nach Muskelriss: Können Männer Schmerzen besser ertragen als Frauen?
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Tennisspieler Christophe Rochus nach Muskelriss: Können Männer Schmerzen besser ertragen als Frauen?

Die Diskussion über männliche Tapferkeit und weibliche Zähigkeit ist so alt wie die Medizin. Die Argumente sind oft wenig wissenschaftlich, doch eine italienische Forscherin hat jetzt neue Belege für die These gefunden, dass es in der Tat Unterschiede im Schmerzempfinden zwischen Mann und Frau gibt.

Anna Maria Aloisi von der Universität von Siena beobachtete Frauen und Männer, die sich Geschlechtsumwandlungen unterzogen. Darunter befanden sich 54 Männer, die während ihrer Behandlung sowohl Östrogene als auch Anti-Androgene bekamen, die den männlichen Geschlechtshormonen entgegenwirken. Knapp ein Drittel der Patienten klagte im Lauf der Therapie über zunehmende Schmerzen, insbesondere chronische Kopfschmerzen, erklärte Aloisi auf dem 11th World Congress on Pain im australischen Sydney.

Frauen, die sich für eine Geschlechtsumwandlung entschieden hatten und deshalb mit Testosteron behandelt wurden, berichteten dagegen über eine deutliche Besserung bestehender Schmerzen. Bei mehr als der Hälfte der Patientinnen sank sowohl die Häufigkeit als auch die Intensität von Schmerzen, während sich das allgemeine Wohlbefinden verbesserte.

Diese Ergebnisse unterstützen die bereits aus anderen Studien bekannten Effekte der Geschlechtshormone, berichtet der Online-Dienst des Fachmagazins "Nature". Ob Männer nun aber tatsächlich unempfindlicher sind als Frauen, lässt sich auch jetzt nicht abschließend beurteilen. Denn zum genauen Wirkmechanismus der Hormone gibt es bislang nur Theorien.

So wird Testosteron, dem wichtigsten männlichen Hormon, eine schmerzlindernde Wirkung zugeschrieben, die wahrscheinlich auf eine Hemmung der Schmerzweiterleitung im zentralen Nervensystem zurückgeht. Östrogene dagegen blockieren nach Ansicht vieler Wissenschaftler die Systeme, mit denen der Körper Schmerzen dämpft, und verstärken dadurch das Schmerzempfinden.

Andere Forscher sind in Bezug auf die Östrogenwirkung jedoch skeptisch. Die bestehende Theorie könne nicht erklären, warum die Schmerzwahrnehmung während des Menstruationszyklus genau dann am höchsten ist, wenn der Östrogenspiegel sein Minimum erreicht.

Linda LeResche von der University of Washington in Seattle hat daher eine alternative Erklärung für die Östrogenbefunde: Ihrer Ansicht nach sind nicht die absoluten Hormonspiegel, sondern die Schwankungen der Östrogenmenge im Körper, wie sie auch während des weiblichen Zyklus vorkommen, für die veränderte Schmerzempfindlichkeit verantwortlich. Beide Wissenschaftlerinnen hoffen nun, mithilfe weiterer Studien den Zusammenhang genauer aufklären zu können.



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