Hunde-Sprache Was will Ihnen Ihr Hund sagen?

Mensch und Hund - oft beste Freunde - sprechen nicht dieselbe Sprache. Neue Forschungsergebnisse aus Kanada sollen ihnen die Kommunikation erleichtern.


Beste Freunde: Mensch und Hund
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Beste Freunde: Mensch und Hund

Zwischenmenschliche Kommunikation ist schon kompliziert genug, obwohl wir derselben Spezies angehören. Das Zwiegespräch mit des Deutschen liebstem Haustier, dem Hund, gestaltet sich noch schwieriger. Selbst langjährige Hundehalter verstehen nicht immer, was ihnen ihr Liebling mitteilen will.

Stanley Coren, Psychologie-Professor an der Universität von British Columbia in Vancouver/Kanada, kommt Hundebesitzern jetzt zur Hilfe: seit mehr als 30 Jahren erforscht er das Verhalten der Tiere und hat nun ein Buch veröffentlicht, das Mensch und Hund dabei helfen soll, sich besser zu verständigen.

In "How to Speak Dog: Mastering the Art of Dog-Human Communications", ("Wie man ‚Hundisch' spricht: Über die Kunst einer besseren Kommunikation zwischen Hund und Mensch"), das bei Free Press erschienen ist, schreibt er: "Hunde sind viel intelligenter als wir es ihnen zugestehen wollen. Sie verstehen mehr als 200 Wörter oder Befehle und sie können unsere Körpersprache lesen."

Ein Hund, der mit dem Schwanz wedelt, soll fröhlich und freundlich sein? Weit gefehlt. Andererseits ist ein knurrender Hund nicht unbedingt aggressiv. Es kann auch sein, dass er Sie nur anlächelt.

So klug wie ein 2-jähriges Kind

Nach Ansicht Corens sollte der Mensch endlich begreifen, dass Hunde so intelligent sind wie ein 2-jähriges Kind. Und genau wie dieses verstehe das Tier sehr viel mehr als es sage. "Wenn die Menschen dies begriffen haben, werden sie nicht mehr zu viel von ihrem Hund erwarten, aber auch nicht zu wenig. Einem 2-jährigen Kind versucht man ja auch nicht etwas über chinesische Philosophie beizubringen."

Coren ärgert es, dass Hundehalter so oft Signale der Hunde-Körpersprache ignorieren oder missdeuten. Das Schwanzwedeln sei Gegenstand einer der häufigsten Fehlinterpretationen.

Klassische Missverständnisse

"Wenn ein Hund seinen Schwanz aufrecht und leicht über den Rücken gebogen trägt, denken die Leute, er sei froh und guter Dinge", so Coren. "Was er wirklich damit sagen will, ist: ‚Ich bin ein toller Hund und ich würde jederzeit kämpfen, um das zu beweisen'."

Ein anderes Missverständnis entstehe, wenn ein Hund den Schwanz hängen und leicht hin und her schwingen lässt. Coren: "Dann sagen die Leute, der Hund sei ziemlich froh. Was er uns aber in Wahrheit sagt, ist: ‚Mir geht es nicht so gut'."

Ein Hundeschwanz, der weit ausschwingt, zeuge allerdings wirklich von Zuneigung zu einer Person oder einem anderen Hund.

Ähnlich wie mit dem Schwanzwedeln und dem Knurren verhält es sich mit dem Hand-Ablecken. Das Vorurteil besagt: Ein Hund, der meine Hand leckt, mag mich. Aber entspricht das Lecken einer Liebkosung oder gar dem menschlichen Kuss? "Nicht wirklich", meint Coren. "Der Hund will Sie auf etwas aufmerksam machen, zum Beispiel, dass er Hunger hat."



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