Weizen-Ähren: Wachsen bei minimalem Wasserverbrauch
Foto: ? Mohamed Abd El Ghany / Reuters/ REUTERSImmer mehr Menschen ernähren, ohne die Umwelt zusätzlich zu belasten - das klingt nach einem unrealistischen Plan. Derzeit hungern etwa eine Milliarde Menschen. Gleichzeitig belastet die Landwirtschaft die Umwelt stark; Nutzpflanzen brauchen Wasser, Dünger und Platz.
Künftig wird sich das Problem noch verschärfen. Laut Hochrechnungen sollen bis spätestens 2050 drei Milliarden mehr Menschen auf der Erde leben als heute, insgesamt 10 Milliarden. Eine von Bonner Wissenschaftlern erstellte Weltkarte zeigt nun, wie man die Weltbevölkerung mit Nahrung versorgen könnte und welche konkreten Maßnahmen in welchen Regionen den größten Zuwachs an Nahrungmitteln bringen würden.
Drei Punkte sind demnach entscheidend: Mehr Nutzpflanzen müssten auf bereits existierenden Äckern gepflanzt werden, die Pflanzen effektiver gedüngt und gezüchtet und die Ernte sinnvoller genutzt werden. "Wir haben die Strategien identifiziert, mit denen wir je nach Region die größtmögliche Wirkung erzielen können", sagt Stefan Siebert von der Universität Bonn.
Die Forscher hatten Geodaten aus der Landwirtschaft ausgewertet. Etwa die Größe von Feldern und den Ertrag, den Verbrauch von Wasser und Dünger. Ihr Schwerpunkt lag auf den 17 bedeutendsten Nutzpflanzen, die 86 Prozent der aus Saatgut gewonnenen Kalorien liefern. Darunter Reis, Mais, Weizen, Zuckerrohr und Baumwolle.
Hauptschauplatz der ungenutzten Möglichkeiten sind demnach China, Indien, Brasilien, die USA, Indonesien und Pakistan zusammen mit Europa, berichten die Forscher im Fachmagazin "Science". Auch in Deutschland gebe es Potenzial für Verbesserungen. Allerdings würden diese für viele Menschen Opfer bedeuten: Ernten müssten stärker genutzt werden, um aus ihnen direkt Nahrung herzustellen, statt Tiere für die Fleischproduktion zu füttern, schreiben die Forscher. Weltweit umgesetzt ließen sich laut der Studie so vier Milliarden Menschen zusätzlich ernähren.
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Würde man die Ernteerträge in den entscheidenden Regionen auf 50 Prozent des Möglichen erhöhen, könnte die Erde zusätzlich 850 Millionen Menschen ernähren. Nachholbedarf besteht hier vor allem in Afrika, Teilen Asiens und Osteuropa.
Siebert und Kollegen haben ausgewertet, in welchen Regionen der Welt Maßnahmen zum Schutz der Umwelt besonders sinnvoll sind. Brasilien zum Beispiel ist Spitzenreiter bei der Abholzung der Regenwälder. Ironischerweise liefern die dadurch gewonnenen Anbauflächen meist nur geringe Erträge. Die Auswirkungen auf das Weltklima sowie die Tier- und Pflanzenwelt sind aber gewaltig.
Geringe Effizienz in der Nahrungsmittelkette: Die rot eingefärbten Regionen gehen besonders verschwenderisch mit pflanzlichen Kalorien um - entweder, weil sie diese in die Tierernährung stecken oder in die Produktion von Bioenergie. Auch Deutschland steckt viele Kalorien in Biokraftstoffe.
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