Hypnose in der Medizin Entspann dich, jetzt kommt das Skalpell

Von Ute Eberle

3. Teil: Hypnose ist das Gegenteil des Phantomschmerzes


Wie nützlich der mentale Ausnahmezustand für medizinische Zwecke ist, wussten bereits Heiler der Antike, etwa im alten Ägypten. Doch erst dank moderner Technik können Wissenschaftler verfolgen, was genau dabei im Kopf vor sich geht.

Patient beim Zahnarzt: "Dein Mund ist wie eine Wohnung, die renoviert wird"
DPA

Patient beim Zahnarzt: "Dein Mund ist wie eine Wohnung, die renoviert wird"

Forscher am Krankenhaus Lüttich haben die Hirnscans von Personen untersucht, die in einem funktionellen Magnetresonanztomografen (fMRT) lagen, während ein Radiologe einen schmerzhaft heißen Laserstrahl auf eine Hautstelle richtete. In der Hand hielten die Freiwilligen einen Knopf – sobald sie ihn drückten, schaltete der Forscher den Laser ab.

Neurologen wissen, welche Prozesse unter solchen Umständen im Körper ablaufen: Die Rezeptoren der Haut registrieren die Hitze und senden entsprechende Signale über die Wirbelsäule zum Gehirn. Elektrische Impulse und chemische Botenstoffe verteilen diese dort in verschiedene Hirnareale. Auf dem MRT-Monitor in Lüttich ließ sich all das auch gut verfolgen. Großflächig leuchteten Gehirnzentren auf, es entstand ein "Netzwerk des Schmerzes". Erst diese Hirnaktivität macht einem bewusst, dass etwas wehtut.

Ein anderes Bild aber bot sich, sobald die Freiwilligen hypnotisiert waren. Dann blieben die Zentren im Gehirn lange ruhig, das Schmerznetzwerk baute sich allenfalls langsam auf, und die Probanden drückten den Stoppknopf erst bei deutlich stärkeren Hitzereizen.

In gewisser Weise ist eine Hypnose damit das Gegenteil des Phantomschmerzes, den Amputierte in verlorenen Gliedern zu spüren glauben. In solchen Fällen reagiert das Gehirn, als ob es Signale von Rezeptoren empfängt, die in Wirklichkeit nicht mehr existieren, und interpretiert sie als Pein. In der Hypnose dagegen sind die Signale echt, und sie kommen auch an. Doch vermag es das Gehirn nicht, diese als Schmerz zu identifizieren.

Dafür spielen wahrscheinlich zwei Hirnareale eine wichtige Rolle, die zum Gyrus cinguli gehören, einer Struktur des limbischen Systems: Eines sorgt für eine Ausschüttung körpereigener Opiate, das andere verändert die Bewertung des Schmerzreizes.

Um den Effekt noch zu verstärken, versichern Hypnotiseure ihren Patienten gern, sie trügen einen "schützenden Handschuh" oder fühlten sich "taub". Denn die Erfahrung zeigt, dass Menschen in Trance empfänglich sind für Suggestion, selbst wenn diese unlogisch ist.

Wie sehr das Gehirn bereit ist, sich auf vorgegaukelte Realitäten einzulassen, hat ein Experiment an der Harvard University bewiesen. Der Psychologe Stephen Kosslyn zeigte Probanden, die in einem Positronen-Emissions-Tomografen (PET) lagen, Schwarz-Weiß- und Farbfotos. Bei den Schwarz-Weiß-Bildern wurden die Probanden aufgefordert, sich eine Farbe vorzustellen. Die Imagination führte zu deutlich weniger Aktivität in den Farberkennungszentren des Gehirns als das Betrachten einer realen Farbe.

Dann wurden die Personen hypnotisiert und der Versuch wiederholt. Mit einem Unterschied: Statt sich eine Farbe vorzustellen, wurde ihnen vom Hypnotiseur eine Farbe eingeflüstert. Nun feuerten beim Anblick des Schwarz-Weiß-Fotos exakt die gleichen Hirnregionen wie zuvor bei dem farbigen Bild.

Mit anderen Worten: Wurde dem Gehirn unter Hypnose eine Farbe eingeredet, dann sah es sie – und konnte, anders als bei der Imagination, nicht zwischen Realität und Suggestion unterscheiden. Wie Hypnose das bewirkt, weiß bisher niemand genau. Womöglich wird durch eine Versenkung die rechte Gehirnhälfte stärker angesprochen, die für Suggestionen empfänglicher ist. Was sich dabei im Kopf abspielt, beeinflusst offenbar weit mehr als nur das Schmerzempfinden.



insgesamt 15 Beiträge
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Dörte Leyser 07.03.2009
1. Hypnose
Mich freut es ungemein, zu sehen, dass in letzter Zeit immer häufiger über Hypnose berichtet wird - und die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung dieser Thematik gegenüber wächst. Ich arbeite selbst als Hypnotherapeutin und kann die im Artikel beschriebenen Vorgehensweisen und vor allem die positiven Auswirkungen der Hypnose täglich in meiner Praxis beobachten. Aus meiner Sicht gibt es kaum eine "sanftere" und effektivere Form der Therapie als diese - was viele Klienten auch bestätigen. Und das ist das Wichtigste! Es geht schließlich in erster Linie um den Klienten, der sich einem Therapeuten anvertraut oder sich eben in die Hände eines Hypnotiseurs begibt, um einen operativen Eingriff bestmöglich zu überstehen. Großes Lob aus Köln für diesen fundierten Artikel !
DieterSalomon, 07.03.2009
2. Seit kurzem?
Seit 15 Jahren findet Hypnose in Zahnarztpraxen Verwendung.
adsum 08.03.2009
3. Hypnose niemals ohne Zeugen durchführen!!!
Zitat von sysopDer wahnsinnige Doktor Mabuse, Bühnenmagier, Spiritisten: Lange Zeit galt Hypnose als anrüchig oder esoterische Spinnerei. Doch seit kurzem dient sie als medizinisches Hilfsmittel: bei Operationen, Flugangst, Depressionen - sogar beim Zahnarzt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,593655,00.html
In den 50ern wurde Hypnose auf Jahrmärkten zur Volksbelustigung durchgeführt. Heute kaum mehr vorstellbar. Die Würde des Menschen wurde hier auf schlimmste verletzt! Aber damals begeisterte mich als 18jähriger diese unheimlich Hypnose, bei der Erwachsen, wie Hühner gackerten, Ziebel aßen, weil der Hypnotiseur ihnen eintrichterte, sie hätten einen saftigen Apfel in der Hand usw. usf. Das wollte ich auch können. Ich las alles, was ich auf dem Büchermarkt über Hypnos ergattern konnte. Schließlich beherrschte ich diese Technik aus dem ff. Damit mir keiner etwas vormachen konnte, musste sich die in Tiefschlaf befindlich Person über drei Stühle legen. Ich sagte, dass ich jetzt den mittleren Stuhl herausziehen würde. Sie brauche keine Angst zu haben. Sie fühle sich sehr wohl und ich setzte mich zusätzlich auf den Bauch. Keine Person hält im normalen Zustand dies aus. Die hypnotisierte Person lächelte dabei sogar. Der Körper war steif und starr, wie ein Brett. Aus der Hpnose erwacht hatte die Person weder einen Muskelkater noch sonst irgend welche Schmerzen an den Druckstellen. Ich habe an einer anderen Stelle im Thread, da ging es um den "freien Willen" ausfürlicher berichtet, deshalb erspare ich mir weitere Details. Aber das gefährliche bei einer Hypnose im Tiefschlaf ist die Posthypnose!!! Ich habe damals in 50ern einer Person im hypnotischen Tiefschlaf einsuggeriert, sie solle mich nach einigen Tagen in der Mittagszeit auf der Arbeitsstelle besuchen, sie werde fürchterliche Zahnschmerzen haben, dann sage ich ein bestimmtes Wort, ich glaube "Pfingsten" oder "Ostern", dann verschwinden mit einem Schlag die Schmerzen. Tatsächlich kam diese Person, klagt über Zahnschmerzen als ich nebenbei erwähnte, was sie "Ostern" oder "Pfingsten" vorhabe, waren plötzlich die Schmerzen vorbei. Ich bin selbst ein sehr großer Skeptiker, was Hokuspokus, Zauberei, Wunderglaube usw.angelangt. Aber Hypnose ist kein Hokuspokus. Es kann sicher in der Medizin bei der Schmerzbekämpfung helfen. Aber es gibt auch eine andere Seite der Münze. Es muss ein Missbrauch dieser Technik unter allen Umständen vermieden werden. Kein Schabernak und keine Posthypnose, deshalb müssen immer Zeugen anwesend sein. Man kann im Tiefschlaf einer Person einsuggerieren, dass sie sich nach dem Erwachen an nichts mehr erinnert. Man kann auch einsuggerieren, das sie selbst alles energisch bestreitet, falls es ein Anschuldigung gegen den Hypnotiseur gibt.
Hypnoticus 08.03.2009
4. Hypnosetherapie: Ausbildung ist wichtig - Titel nicht!
Zitat von sysopDer wahnsinnige Doktor Mabuse, Bühnenmagier, Spiritisten: Lange Zeit galt Hypnose als anrüchig oder esoterische Spinnerei. Doch seit kurzem dient sie als medizinisches Hilfsmittel: bei Operationen, Flugangst, Depressionen - sogar beim Zahnarzt. http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,593655,00.html
Super! Endlich ein Artikel zum Thema Hypnose welcher einigermassen korrekt das Potential wiederspiegelt. Es geht noch viel weiter als das Geschilderte, jedoch kommt es sehr auf die Ausbildung an, die man erhält. Entweder man hat Glück und stösst gleich auf die modernsten und effizientesten Methoden oder aber lernt viel Unnützes, Unwirksames und Überflüssiges und dies oft erst noch für viel Geld. Natürlich braucht es einmal mehr den mahnenden Finger von irgendwelchen "Spezialisten" mit Titel. Diese melden sich doch immer zu Wort - 90% von Ihnen haben aber kaum eine Ahnung zu den wirklich effizienten Methoden und sind fast ausschliesslich auf Milton Erikson Methoden fixiert. Mal ehrlich: Sind Titel aussagekräftiger als Resultate? Sicher nicht. Man muss kein Dr. oder Prof. Titel haben um ein exzellenter Hypnosetherapeut zu sein. Am OMNI Hypnosis Training Center of Zürich (Switzerland) werden die effizientesten und modernsten Methoden welche heute bekannt sind unterrichtet - auch Fachpersonen mit Dr. oder Prof. Titel haben erkannt, dass diese dort unterrichteten Methoden viel wirksamer und direkter sind, als die langweiligen und oft unwirtschaftlichen Eriksonschen Methoden (vorallem aus Sicht des Klienten!) die weit verbreitet sind. Es braucht keine 10 oder gar mehr Therapien bis ein Problem gelöst ist - es hat sich einfach noch nicht so herumgesprochen. Wenn Ihr Therapeut also mehr als 3 Sitzungen benötigt um Ihr Problem zu lösen, dürfen Sie seine Kompetenz und/oder sein Absichten ruhig in Frage stellen! Vorallem professionelle Therapeuten wie Psychiater und Psychologen sollten sich diese neuen Methoden aneignen - Sie müssen einfach über Ihren Schatten springen und auf dutzende, wenn nicht hunderte von Gesprächstherapiestunden verzichten - die Resultate werden Sie begeistern und sie haben erst noch Ihrem Klienten geholfen. Also, Titel können höchstens ein Indikator sein, aber sicher kein Garant für das die Person auch die modernsten und effizientesten Methoden kennt. Wann wissen Sie, dass Sie ev. veraltete und nicht so effiziente Methoden anwenden? Wenn Sie folgende Fragen nicht oder nur teils beantworten können oder aber unsicher sind: - Dauert Ihre Hypnoseeinleitung länger als 4 Minuten? Wenn ja, warum? - Beherrschen Sie die Blitz- und Soforthypnose? - Sagt Ihnen Dave Elman etwas? - Nennen Sie mind. 3 Methoden um die Tiefe der Hypnose zu testen - Was ist das Hypnotische Coma (Esdaile State)? - Wie erzielt man das Hypnotische Coma und für was ist es zu gebrauchen? - Beschreiben Sie den Zustand des Ultra-Height und wie man es erzielt - Beschreiben Sie das Mind Model und wie die Hypnose funktioniert - Welches sind die 4 mentalen Einstellungen die ein Klient haben kann gegenüber einer gegebenen Suggestion? - Welches ist die einzige Einstellung gegenüber einer Suggestion die auch zum Erfolg führt? - Kennen Sie die Abreaktionstherapie? Ist dies gut oder schlecht wenn ein Klient eine Abreaktion hat? Es gibt noch soviel zum Lernen! Keep an open Mind!
adsum 08.03.2009
5. Hypnose scheint nur ein Randthema in der wissenschaftlichen Ausbildung zu sein!
Zitat von HypnoticusSuper! Endlich ein Artikel zum Thema Hypnose welcher einigermassen korrekt das Potential wiederspiegelt. Es geht noch viel weiter als das Geschilderte, jedoch kommt es sehr auf die Ausbildung an, die man erhält. Entweder man hat Glück und stösst gleich auf die modernsten und effizientesten Methoden oder aber lernt viel Unnützes, Unwirksames und Überflüssiges und dies oft erst noch für viel Geld. Natürlich braucht es einmal mehr den mahnenden Finger von irgendwelchen "Spezialisten" mit Titel. Diese melden sich doch immer zu Wort - 90% von Ihnen haben aber kaum eine Ahnung zu den wirklich effizienten Methoden und sind fast ausschliesslich auf Milton Erikson Methoden fixiert. Mal ehrlich: Sind Titel aussagekräftiger als Resultate? Sicher nicht. Man muss kein Dr. oder Prof. Titel haben um ein exzellenter Hypnosetherapeut zu sein. Am OMNI Hypnosis Training Center of Zürich (Switzerland) werden die effizientesten und modernsten Methoden welche heute bekannt sind unterrichtet - auch Fachpersonen mit Dr. oder Prof. Titel haben erkannt, dass diese dort unterrichteten Methoden viel wirksamer und direkter sind, als die langweiligen und oft unwirtschaftlichen Eriksonschen Methoden (vorallem aus Sicht des Klienten!) die weit verbreitet sind. Es braucht keine 10 oder gar mehr Therapien bis ein Problem gelöst ist - es hat sich einfach noch nicht so herumgesprochen. Wenn Ihr Therapeut also mehr als 3 Sitzungen benötigt um Ihr Problem zu lösen, dürfen Sie seine Kompetenz und/oder sein Absichten ruhig in Frage stellen! Vorallem professionelle Therapeuten wie Psychiater und Psychologen sollten sich diese neuen Methoden aneignen - Sie müssen einfach über Ihren Schatten springen und auf dutzende, wenn nicht hunderte von Gesprächstherapiestunden verzichten - die Resultate werden Sie begeistern und sie haben erst noch Ihrem Klienten geholfen. Also, Titel können höchstens ein Indikator sein, aber sicher kein Garant für das die Person auch die modernsten und effizientesten Methoden kennt. Wann wissen Sie, dass Sie ev. veraltete und nicht so effiziente Methoden anwenden? Wenn Sie folgende Fragen nicht oder nur teils beantworten können oder aber unsicher sind: - Dauert Ihre Hypnoseeinleitung länger als 4 Minuten? Wenn ja, warum? - Beherrschen Sie die Blitz- und Soforthypnose? - Sagt Ihnen Dave Elman etwas? - Nennen Sie mind. 3 Methoden um die Tiefe der Hypnose zu testen - Was ist das Hypnotische Coma (Esdaile State)? - Wie erzielt man das Hypnotische Coma und für was ist es zu gebrauchen? - Beschreiben Sie den Zustand des Ultra-Height und wie man es erzielt - Beschreiben Sie das Mind Model und wie die Hypnose funktioniert - Welches sind die 4 mentalen Einstellungen die ein Klient haben kann gegenüber einer gegebenen Suggestion? - Welches ist die einzige Einstellung gegenüber einer Suggestion die auch zum Erfolg führt? - Kennen Sie die Abreaktionstherapie? Ist dies gut oder schlecht wenn ein Klient eine Abreaktion hat? Es gibt noch soviel zum Lernen! Keep an open Mind!
Hallo Hypnoticus, als ich aus meinem Bekanntenkreis einen promovierten Wissenschaftler der Psychologie von meinen Experimenten in den 50er Jahren erzählte, hörte dieser meine Geschichten mit ungläubiger Mine zu, dabei dachte ich, dass das, was ich sagte, für ihn nichts neues ist. Ja, habt ihr denn während euerer Ausbildung nichts über Hypnose erfahren. Er meinte, dass dieses Thema nur am Rande behandelt wurde.
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