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Ig-Nobelpreise 2013: Mäuse, Kühe, Mistkäfer

Foto: BRIAN SNYDER/ REUTERS

Ig-Nobelpreise Was von der Spitzmaus übrig blieb

Welche Teile einer gekochten Spitzmaus verdaut ein Archäologe? Wie lange liegt eine Kuh? Und, noch wichtiger: Ist es Menschen physikalisch möglich, übers Wasser zu gehen? Forscher haben eine Antwort auf jede dieser Fragen gefunden - und dafür jetzt den Ig-Nobelpreis bekommen.

Opern-liebende Mäuse, liegende Kühe und nach dem Sternenhimmel schauende Mistkäfer: Zehn bizarre Forschungsergebnisse, die "erst zum Lachen und dann zum Denken" anregen, sind an der US-Eliteuniversität Harvard mit den Ig-Nobelpreisen ausgezeichnet worden. Zu der traditionell schrillen Gala mit mehr als 1000 Zuschauern, die bereits zum 23. Mal stattfand, reisten wie in jedem Jahr auch richtige Nobelpreisträger an.

Ausgezeichnet wurde in der Kategorie Wahrscheinlichkeit unter anderem diese Erkenntnis: Je länger eine Kuh liegt, desto größer wird die Chance, dass sie wieder aufsteht. Wenn sie dann aber erstmal aufgestanden ist, ist es der Studie  zufolge nicht so leicht vorherzusagen, wann sie sich wieder hinlegen wird. Die Feldforschung dazu sei ungefähr so spannend gewesen, wie es sich anhöre, sagte Wissenschaftler Bert Tolkamp. "Kühe können wirklich langweilig sein."

Ein anderes Forscherteam bekam den Ig-Nobelpreis - der Name kommt durch ein Wortspiel mit "ignoble" zustande, was in etwa unwürdig oder schmachvoll bedeutet - im Bereich Medizin, weil es herausgefunden hatte, dass am Herzen operierte Mäuse  länger leben, wenn sie Opernmusik hören. Auch die Entdeckung, dass Mistkäfer ihren Weg nach Hause finden, indem sie sich an der Milchstraße orientieren, bekam einen Ig-Nobelpreis - und zwar den gemeinsamen für Biologie und Astronomie. Die Ehrung im Bereich Psychologie gab es für eine Arbeit, die einen Zusammenhang belegt, den vielleicht der eine oder andere aus dem eigenen Leben kennt: Menschen, die sich für betrunken halten , halten sich auch für attraktiver.

Die Friedens-Auszeichnung gab es für die autoritäre Staatsführung Weißrusslands - weil die zuerst Klatschen in der Öffentlichkeit für illegal erklärt hatte ("eigenmächtiges Applaudieren") - und dann einen Einarmigen genau deswegen festnehmen ließ. Der Preis für öffentliche Gesundheit ging an ein Team, das sich unter anderem mit Penis-Verletzungen nach Entenbissen  befasst hatte. Die betreffende Veröffentlichung erschien bereits 1983 - aber auch beim echten Nobelpreis dauert es ja oft lange, bis wichtige Erkenntnisse berücksichtigt werden.

Zwei Forscher wurden in der Kategorie Archäologie ausgezeichnet, weil sie für ihr Experiment ganz besonders viel auf sich genommen hatten: Brian Crandall und Peter Stahl hatten eine tote Spitzmaus gekocht , gegessen und dann ihre eigenen Exkremente untersucht, um zu sehen, welche Knochen verdaut werden und welche nicht. Und den Preis für Sicherheitstechnik gab es für ein System, das Flugzeugentführer erst kampfunfähig macht und sie dann als Paket verpackt per Fallschirm zum Boden sendet. Das entsprechende Patent  stammt allerdings schon von 1972 - und hat sich wohl noch nicht so recht durchsetzen können.

Ein Forscher-Team aus China bewies, dass der biochemische Prozess beim Zwiebelschneiden  noch komplizierter ist als bislang gedacht. Und ein Wissenschaftler-Team aus Italien entdeckte, dass einige Menschen physisch in der Lage wären, über einen Teich zu rennen - wenn diese Menschen und das Gewässer auf dem Mond wären . Beide Teams erhielten ebenfalls Ig-Nobelpreise in den Bereichen Chemie beziehungsweise Physik. Im vergangenen Jahr gab es unter anderem Ehrungen für ein Gerät, das Quasselstrippen stoppen kann - und den Nachweis von Hirnaktivität in totem Fisch.

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Ig-Nobelpreise 2012: Harvard feiert die Gaga-Forschung

Foto: JESSICA RINALDI/ Reuters

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Artikels haben wir die Herkunft des Wortes Ig-Nobelpreis falsch erklärt. Wir haben den Artikel korrigiert und bitten, den Fehler zu entschuldigen.

chs/dpa