Immunschwäche Auch Schimpansen zeigen Aids-Symptome

Ein Vorläufer des Aids-Erregers kann Schimpansen ähnlich krank machen wie das HI-Virus Menschen. Das haben Forscher bei wildlebenden Tieren in Tansania beobachtet. Infizierte Affen zeigen demnach einen ähnlichen Krankheitsverlauf wie Aids-Patienten.


Der Ursprung des gefährlichen Aids-Erregers liegt bei den Affen, glauben Mediziner. Viele afrikanische Primaten sind natürlicherweise mit über 40 verschiedenen Typen des SI-Virus infiziert, dem HIV-Vorläufer. Im Gegensatz zum HI-Virus führt das SI-Virus bei Primaten aber nicht zwingend zum Ausbruch einer Krankheit, nahmen Wissenschaftler bisher an. Das Virus galt für Primaten bisher als weitgehend ungefährlich.

Schimpanse (Archivbild): Ähnlicher Krankheitsverlauf wie bei Aids
AP

Schimpanse (Archivbild): Ähnlicher Krankheitsverlauf wie bei Aids

Doch diese Annahme ist offensichtlich falsch. Schimpansen können sehr wohl nach einer Infektion mit dem Erreger Symptome von Aids zeigen, berichten die Wissenschaftler um Brandon Keele von der University of Alabama im Fachmagazin "Nature".

Seit neun Jahren verfolgt ein internationales Forscherteam die SIV-Infektionsrate von 94 freilebenden Schimpansen aus dem Gombe-National-Park in Tansania. Aus Kotproben konnten die Wissenschaftler bestimmen, welche Tiere schon zu Beginn der Studie infiziert waren, und welche das Virus im Verlauf der Studie erworben hatten. Zu jedem Zeitpunkt der Studie trugen 10 bis 20 Prozent der Schimpansen das Virus in sich, schreiben die Forscher. Infizierte Tiere zeigten jedoch ein 10 bis 16 Mal höheres Risiko, frühzeitig zu sterben, ergab die statistische Auswertung.

Außerdem weisen infizierte Weibchen eine niedrigere Geburtenrate auf und ihre Jungen haben ein höheres Risiko, im Kindesalter zu sterben. Auch scheinen infizierte Tiere häufiger unter Schwächen des Abwehrsystems zu leiden, wie sie für den Verlauf der Aids-Erkrankung charakteristisch sind.

Laboruntersuchungen von Forschern der University of Illinois bestätigten denn auch die Ähnlichkeit des Krankheitsverlaufs zur Aids-Erkrankung beim Menschen. Gewebeproben eines Schimpansenweibchens, das bereits drei Jahre nach der Übertragung des Virus gestorben war, sahen genauso aus wie diejenigen von Patienten, die an Aids gestorben waren, beschreibt eine Forscherin ihre Beobachtungen. So sei das Lymphgewebe stark zerstört gewesen.

Auch hatten Primaten, die das Virus in sich trugen, deutlich weniger von den sogenannten CD4-Zellen, einer Form der weißen Blutkörperchen, die durch HIV infiziert und in der Folge reduziert werden. Der Verlust dieser Zellen beim Menschen ist Kennzeichen einer HIV-Infektion. SIV scheint wie das menschliche HI-Virus nach Ausbruch der Krankheit mit einem starken Verlust an CD4-Zellen, einer Zerstörung des Lymphgewebes und vorzeitigem Tod einherzugehen, folgern die Wissenschaftler.

Obwohl die Anzahl der untersuchten Schimpansen in dieser Studie limitiert war, lassen die Resultate darauf schließen, dass SIV ähnlich dem HI-Virus des Menschen erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit, die Fortpflanzung und die Dauer der Lebensspanne von Schimpansen hat. Nun wollen die Forscher untersuchen, ob das Virus nur für diese in dem Nationalpark lebende Unterart gefährlich ist und ob sich daraus mögliche Konsequenzen für den Schutz dieser Tiere ergeben.

hda/ddp

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