Immunschwäche-Krankheit Mehr als 40 Millionen HIV-Infizierte weltweit

Auf dramatische Weise breitet sich das HI-Virus immer weiter aus: Schätzungsweise 40,3 Millionen Menschen sind nach Uno-Angaben weltweit mit HIV infiziert, so viele wie nie zuvor.


New York - Für 2005 verzeichnet der Weltaidsbericht der Uno 4,9 Millionen neue Infektionen. Mehr als drei Millionen Menschen sind seit Januar an der Immunschwächekrankheit gestorben, mehr als 500.000 von ihnen waren Kinder. Täglich stecken sich 14.000 Menschen neu an, etwa alle sechs Sekunden einer - alarmierende Zahlen im aktuellen Bericht des Uno-Aidsbekämpfungsprogramms UNAIDS. Danach sind seit der Entdeckung des HI-Virus im Jahr 1981 mehr als 25 Millionen Menschen an den Folgen der Infektion gestorben. Nach wie vor ist Aids unheilbar, und eine Möglichkeit sich gegen die Immunschwäche-Krankheit etwa impfen zu lassen, ist derzeit nicht in Sicht. Im Gegenteil - die Aids-Epidemie breitet sich immer weiter aus.

Besonders drastisch ist der Anstieg der neuen HIV-Fälle mit rund 1,6 Millionen in den Staaten Osteuropas sowie in Zentral- und Ostasien. Neue Datenerhebungen zeigen laut dem Uno-Bericht, dass die Kombination von Drogenspritzen und Prostitution die Ausbreitung der Epidemie in Lateinamerika, Osteuropa und besonders in Ostasien weiter vorantreibt.

In Deutschland wurde im ersten Halbjahr 2005 ein Anstieg der Neuinfektionen um 20 Prozent registriert. Als Ursache gilt wachsende Sorglosigkeit beim Sex. Im Zentrum der Aids-Krise stehen aber weiterhin die afrikanischen Länder südlich der Sahara. Hier sind fast 26 Millionen Menschen infiziert, 3,2 Millionen kamen 2005 hinzu.

Weltweit zugenommen hat der Anteil der infizierten Frauen. Ende 2005 werden den Ergebnissen des Berichts zufolge 17,5 Millionen Frauen das Virus in sich tragen, eine Million mehr als 2003. Als eine Ursache für diesen dramatischen Anstieg gilt der niedrige soziale Status von Frauen in vielen afrikanischen Ländern. Ungeschütztem Geschlechtsverkehr könnten sie sich deshalb häufig nicht verweigern. Die Immunschwäche-Krankheit trifft auch Kinder hart: In diesem Jahr haben sich dem Uno-Bericht zufolge 2,3 Millionen Kinder mit dem Aids-Virus infiziert.

Aufklärung führt zum Erfolg

Angesichts der verheerenden Zahlen zur Ausbreitung der Aids-Epidemie gibt der Uno-Bericht aber auch Anlass zur Hoffnung: Es gebe beim Kampf gegen die Aids-Ausbreitung durchaus ermutigende Zeichen, betonte der Geschäftsführer des UNAIDS-Programms, Peter Piot bei der Vorstellung des Uno-Berichts. Der Bericht zeigt: Aufklärung und Prävention lohnen sich. So seien unter anderem durch eine verbesserte Sexualaufklärung und den vermehrten Gebrauch von Kondomen in einigen stark betroffenen Ländern wie Kenia, Zimbabwe oder der Karibikregion die durchschnittlichen Infektionsraten in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren gesunken.

"Wir sind ermutigt durch die Fortschritte, die in manchen Ländern erzielt wurden und durch die Tatsache, dass nachhaltige Aids-Präventionsprogramme eine Schlüsselrolle bei der Eindämmung der Infektionen spielen", sagte Piot. "Die Realität ist jedoch, dass die Aids-Epidemie weiterhin die globalen und nationalen Anstrengungen zu ihrer Eindämmung weit übertrifft." Wichtig sei, die grundlegenden Ursachen zu bekämpfen: Ungerechtigkeit und soziale Ungleichheit.

Der Generaldirektor der Weltgesundheitsorganisation (WHO) Lee Jong-Wook verwies darauf, dass die Behandlung mit antiretroviralen Aids-Medikamenten inzwischen auch in ärmeren Ländern Erfolge zeige. "Wir können jetzt deutlich den Nutzen einer koordinierten Ausweitung der HIV-Behandlung und -Prävention gegenüber isolierten Maßnahmen erkennen." Dem Uno-Bericht zufolge ermöglichen die neuen Medikamente mittlerweile über einer Million Infizierten in ärmeren Ländern ein längeres und besseres Leben. 250.000 bis 350.000 zusätzliche Todesfälle seien auf diese Weise vermieden worden.

Um im Kampf gegen die Aids-Epidemie weiter erfolgreich zu sein, sind nach Ansicht von UNAIDS in den Jahren 2006 bis 2008 rund 55 Milliarden Dollar (etwa 46 Milliarden Euro) nötig. Obwohl die Hilfe in den vergangenen beiden Jahren zugenommen habe, reiche sie nicht aus, heißt es in dem Bericht. "Die Forderung, dass wir Milliarden für Kondome brauchen, hat die Fantasie des US-Kongresses bisher nicht beflügelt", sagte Jim Kim, der Direktor der Aids-Abteilung der WHO. "Das lässt sich einfach nur schwer verkaufen."



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