Instinkt und Gefühl Wie der Bauch Entscheidungen trifft

Wer eine Entscheidung "aus dem Bauch heraus" trifft, liegt nicht selten goldrichtig. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, wie der Instinkt in die Magengegend gelangt: Der Gehirnbotenstoff Dopamin steuert, welche Lehren das Denkorgan aus seinen Erlebnissen zieht.

Weisheit, heißt es, sei die Summe der schlechten Erfahrungen. Hirnforscher wissen, dass sowohl negative als auch positive Erlebnisse den Menschen prägen: Positive Folgen einer Entscheidung verstärken den Lerneffekt, während negative Auswirkungen dazu führen, dass eine Erfahrung mit dem Etikett "in Zukunft möglichst vermeiden" abgespeichert wird.

Schon Tierversuche haben ergeben, dass der Neurotransmitter Dopamin - der beispielsweise die positiven Gefühle im Belohnungszentrum vermittelt - eine Schlüsselrolle in diesem Verstärkungssystem spielt. Je nach Art der Erfahrung schüttet das Gehirn größere oder kleinere Mengen des Botenstoffs aus, so dass auf Basis dieses Erfahrungsschatzes - so die bisherige Vermutung - irgendwann auch instinktive Entscheidungen möglich werden. Welche Abläufe genau dahinter stehen, war jedoch bisher nicht im Detail bekannt.

Nun kamen US-Forscher dem "Bauchgefühl" bei der Untersuchung von Parkinsonpatienten auf die Schliche, deren Dopaminspiegel entweder krankheitsbedingt abgesenkt oder durch Medikamente erhöht war. Ein Team um Michael Frank von der University of Colorado in Boulder entwickelte ein Computermodell, das die Wirkung von Dopamin simulierte. Anschließend verglichen die Forscher das Ergebnis der Simulation mit dem Abschneiden von 30 Parkinson-Patienten und 19 gesunden Kontrollprobanden in verschiedenen Lerntests.

Genau wie von der Simulation vorhergesagt, wurden die Probanden mit erhöhtem Dopaminspiegel überdurchschnittlich stark von positiven Erfahrungen beeinflusst. Bei den nicht medikamentös behandelten Parkinson-Patienten, deren Dopaminspiegel sehr niedrig war, hatten dagegen negative Erfahrungen den größten Lerneffekt, schreiben Frank und seine Kollegen im Wissenschaftsmagazin "Science" (Bd. 306, S. 1033). Die Kontrollgruppe nutzte sowohl die positive als auch die negative Verstärkung, um daraus zu lernen.

Die Ergebnisse könnten nach Ansicht der Forscher helfen, auch andere Krankheiten mit gestörter Dopaminregulation wie Schizophrenie oder Suchterkrankungen besser zu verstehen. Nur wenn die Wirkung des Botenstoffs in verschiedenen Bereichen des Gehirns genau bekannt sei, könnten auch Medikamente entwickelt werden, die ganz speziell einzelne dieser Wirkungen nachahmen, schreiben die Wissenschaftler. Dadurch könnten viele der Nebenwirkungen heutiger Wirkstoffe vermieden werden.