Internationale Forscher Menschenaffen sterben bald aus

Innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre werden Gorillas, Orang-Utans und Schimpansen aussterben, meint eine internationale Expertengruppe. Sie sieht den Lebensraum der intelligenten Tiere verschwinden.


Orang-Utan: Nur noch auf Borneo und Sumatra
DPA

Orang-Utan: Nur noch auf Borneo und Sumatra

London - Das Abholzen von Wäldern, Bürgerkriege und eine wachsende Vorliebe für Affenfleisch seien die Hauptgründe der drohenden Ausrottung, erklärten Wissenschaftler von 34 Organisationen aus aller Welt in London. "Vor 100 Jahren gab es im äquatorialen Waldgürtel zwischen ein und zwei Millionen Schimpansen. Heute gibt es diesen Waldgürtel nicht mehr, es existieren nur ein paar Stücke Wald - und höchstens noch 200.000 Schimpansen", berichtet Schimpansenforscherin Jane Goodall im "Guardian".

Für wild lebende Gorillas und Orang-Utans sehe es noch schlechter aus. Orang-Utans, die heute ausschließlich auf Borneo und Sumatra leben, werden nach Angaben der Anthropologin Birute Galdikas in fünf bis zehn Jahren durch illegale Rodungen in indonesischen Nationalparks ausgestorben sein.

Johannisburger Zoo: Ist der Gorilla bald nur noch hinter Gittern zu beobachten?
AP

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Gorillas, deren Artbestand nur noch einige tausend Tiere zählt, würden im Kongo und in Uganda durch rivalisierende Milizen bedroht. Indem diese nämlich Wächter von Nationalparks erschießen, schwindet der Schutz für die bedrohten Tiere. Hinzu komme der wachsende Appetit reicher Afrikaner auf "Buschfleisch" von Elefanten, seltenen Vögeln - und vor allem Affen. Das Fleisch werde zum Teil sogar illegal nach Europa importiert und dort verkauft.

Ian Redmond, Gorilla-Experte und Vorsitzender des Kooperationsverbandes "Ape Alliance", betont, die meisten Afrikaner lehnten den Verzehr von Affenfleisch ab. Dennoch werden die Umsätze des Handels mit dem "Buschfleisch" auf bis zu drei Milliarden Mark im Jahr geschätzt.

Schimpansen: 98,4 Prozent Übereinstimmung mit menschlichen Genen
AP

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"Schimpansen teilen 98,4 Prozent des Erbmaterials mit uns, Gorillas 97,7 Prozent und Orang-Utans 96,4 Prozent", sagt Redmond. "Sie zeichnen sich durch ein Bewusstsein, erstaunliche Intelligenz und die Fähigkeit zur Kommunikation mit Zeichen und Symbolen aus." Das Essen von Affen könne fast als Kannibalismus bezeichnet werden.

Die Forscher forderten westliche Regierungen auf, Hilfsprogramme stärker zu unterstützen und den Import von Tropenholz aus bedrohten Wäldern nach und nach zu verbieten. Entwicklungsgelder dürften nur noch verteilt werden, wenn die Umweltverträglichkeit der damit finanzierten Projekte sichergestellt sei.



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