Internisten fordern Nur Spendewillige sollen selbst Organe bekommen

Wer keine Organe spenden will, soll nach Meinung des Ärztefunktionärs Manfred Weber im Notfall auch selbst keine bekommen. Der Mangel an Spenderorganen kostet in Deutschland täglich zwei Menschenleben.


Nierentransplantation: 9.500 Patienten warten auf Spenderorgan
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Nierentransplantation: 9.500 Patienten warten auf Spenderorgan

Wiesbaden - Um den Mangel an Spendeorganen zu lindern, schlägt der Internist Manfred Weber radikale Lösungen vor: Die Haltung zur Organspende sollte regelmäßig verpflichtend bei der Verlängerung des Personalausweises abgefragt werden, forderte der Vorsitzende der Gesellschaft für Innere Medizin heute in Wiesbaden. "Wer dabei Nein sagt, bekommt auch nichts."

In Nordrhein-Westfalen würden jährlich auf eine Million Einwohner nur von neun Menschen Organe gespendet. "Die Situation ist katastrophal", sagte Weber. Benötigt werden jedoch 60 Transplantationen je eine Million Einwohner pro Jahr. Menschen, die ihren Beitrag verweigerten, sollten auch Nachteile bei den Leistungen haben, erklärte der Internist. Organspenden sind ein wichtiges Thema beim 111. Deutschen Internistenkongress vom 2. bis zum 6. April in Wiesbaden.

Derzeit stehen in Deutschland rund 12.000 Menschen auf der Warteliste für eine Transplantation, allein 9500 Patienten warten auf eine neue Niere. Im vergangenen Jahr wurden jedoch bundesweit nur 3500 Organe gespendet, darunter 2000 Nieren. Die Erfolgsaussichten des Eingriffs sind nach Angaben des Internistenverbandes gut: Nach einem Jahr funktionierten noch fast 90 Prozent der transplantierten Nieren.

Innerhalb Deutschlands bestehen große Unterschiede in der Spendenbereitschaft. Spitzenreiter im Jahr 2004 war Mecklenburg-Vorpommern mit mehr als 36 Organenspenden je eine Million Einwohner, fast vier Mal so viel wie in Nordrhein-Westfalen.

Über die Gründe des Organmangels wird immer wieder heftig gestritten. Die Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO) macht vor allem Krankenhäuser dafür verantwortlich, die eine Zusammenarbeit mit den Transplanteuren verweigerten. 40 Prozent der 1400 deutschen Klinken mit Intensivstationen, klagt DSO-Vorsitzender Günter Kirste, "machen bei der Rekrutierung von Organspendern nicht mit. Da wird teilweise richtig gemauert".

Die Klinikärzte weisen den Vorwurf mangelnder Kooperation jedoch zurück. In ihren Augen sind die Transplanteure selbst nicht unschuldig an der Notlage. Eine lange "Liste von Ungereimtheiten" etwa legt Hans Fred Weiser, Präsident des Verbandes der Leitenden Krankenhausärzte (VLK), der DSO zur Last. Wenn die Stiftung ihre Politik nicht merklich ändere, rechne er sogar mit einem weiteren "Rückgang der realisierten Organspende um 20 bis 30 Prozent".

So moniert Weiser, dass die DSO keine mobilen Teams mehr zur Verfügung stelle, die rund um die Uhr rufbereit sind, um bei einem Patienten den Hirntod zu diagnostizieren. Zudem kritisiert der VLK-Präsident, die DSO-Spitze setze sich nicht hinlänglich mit den ethischen Fragen auseinander, die mit der Transplantation einhergehen.



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