Irak-Krieg US-Armee schickt bewaffnete Roboter in den Kampf

Kämpfende Roboter waren bisher eine gruselige Zukunftsvision. Jetzt hat die US-Armee erstmals bewaffnete Maschinen zum Kampfeinsatz in den Irak geschickt - ihre Mission: Aufständische jagen.

Der Begriff Roboter ist vielleicht ein wenig zu hoch gegriffen, auch wenn die Herstellerfirma ihn benutzt - denn automatisch tun die Maschinen nichts, und das aus gutem Grund: Sie sind bewaffnet und sollen auf Menschen schießen. Nach jahrelanger Entwicklungsarbeit hat die US-Armee jetzt die drei ersten "Swords"-Exemplare zum Kampfeinsatz in den Irak geschickt.

Die rollenden Killer sind eine Weiterentwicklung des bereits bekannten "Talon"-Systems der US-Firma Foster-Miller, das seit einiger Zeit bei der Beseitigung von Minen und Sprengfallen sowie für Aufklärungszwecke zum Einsatz kommt. Der martialische Name "Swords" ist eine ziemlich handliche Abkürzung für eine Bezeichnung, die kaum in einen Atemzug passt: "Special Weapons Observation Remote Reconnaissance Direct Action System".

Bewaffnung vom MG bis zum Raketenwerfer

Die kleinen Gefährte sind auf den ersten Blick wenig imposant: Sie ragen wenig mehr als einen Meter auf, sind knapp 60 Zentimeter breit, 90 Zentimeter kurz und je nach Ausrüstung maximal 64 Kilogramm schwer. Schaut man aber genauer hin, wird anderes deutlich: Die drei "Swords", die jetzt im Irak eingesetzt werden, tragen jeweils ein M249. Das leichte Maschinengewehr gehört zur Standardausrüstung der US-Infanterie und feuert mit einer Geschwindigkeit von 750 Schuss pro Minute. Bei Bedarf kann der Wagen auch mit dem schwereren M240-Maschinengewehr, einem großkalibrigen Scharfschützengewehr, einer Batterie 40-Millimeter-Granatwerfer oder sogar mit Panzerabwehrraketen bestückt werden.

Das "Swords"-System ist quasi ein verlängerter Arm seines Piloten: Während der kleine Wagen in die Gefahrenzone - etwa in ein Haus oder auf eine offene Straße - rollt, sitzt der Steuermann in sicherer Entfernung hinter einem Bildschirm. Die "Swords"-Kameras erlauben einen Rundumblick, können versteckte Ziele heranzoomen und funktionieren auch als Zielvorrichtung für das Maschinengewehr.

Neue Sicherheitsvorrichtungen

Bisher haben die "Swords" ihre Waffen noch nicht im Kampf benutzt, berichtet jetzt das Online-Magazin "Wired". "Aber das wird bald geschehen", sagte Michael Zecca, der Manager des "Swords"-Programms. Schon vor zweieinhalb Jahren hieß es, die Roboter seien einsatzbereit. Das "Time"-Magazin erklärte sie gar zu den "erstaunlichsten Erfindungen des Jahres 2004". Dann aber tauchten doch noch Bedenken bezüglich der Sicherheit auf: Immer wieder gerieten die Maschinen außer Kontrolle - keine angenehme Erfahrung, wenn es sich dabei um ein fahrendes Maschinengewehr handelt.

Früher bekamen die Roboter ihre Kommandos bis zu acht Sekunden verspätet, wenn das Funksignal schwach war - was bei Feuergefechten nachteilig und auch gefährlich sein kann. Inzwischen sollen die Maschinen so programmiert sein, dass sie Befehle nur noch unmittelbar umsetzen und ältere ignorieren. Dem Schießbefehl ist nun ein dreiteiliges Procedere mit mechanischen und elektronischen Sicherheitseinrichtungen vorgeschaltet.

Die größte Fortschritt ist laut Zecca eine Art Not-Ausschalter. "Damit können wir das Gerät abschalten, wenn es verrückt spielt." Zwar sollen vorerst nur drei "Swords" in den Irak geschickt werden, doch Zecca kann sich auch eine höhere Zahl vorstellen. "Allerdings haben wir dafür nicht das Geld." Das "Swords"-Projekt genieße in der US-Armee "keine Priorität". Davon aber lässt sich Zecca nicht entmutigen: Wenn die Roboter erst einmal in die Feuergefechte eingreifen, davon ist er überzeugt, werde die Armee ihre Prioritäten ändern.

mbe

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