Richard III. Knochen verraten Lieblingsessen des Königs

Schädel Richards III: Mit einer Isotopenanalyse konnten Forscher Details aus dem Leben des Königs rekonstruieren.

Schädel Richards III: Mit einer Isotopenanalyse konnten Forscher Details aus dem Leben des Königs rekonstruieren.

Foto: DPA/ University of Leicester

Schwanenfleisch und ein guter Tropfen: Die Analyse seiner Knochen offenbart, was der englische König Richard III. im 15. Jahrhundert gegessen und getrunken hat. Sein Speiseplan wurde immer edler und üppiger - ebenso sein Weinkonsum.

Der englische König Richard III., dessen Knochen Archäologen vor zwei Jahren unter einem Parkplatz fanden, ist archäologisch etwas ganz Besonderes. Denn die meisten anderen Skelette, auf die man bei Ausgrabungen so stößt, sind Unbekannte. Sie haben keinen Namen, kein Gesicht, keine Geschichte. Von Richard III. aber wissen wir sehr viel.

Wir wissen, dass er am 2. Oktober 1452 auf Fotheringhay Castle in Northamptonshire geboren wurde. Wir wissen, dass er am 22. August 1485 bei Market Bosworth in Leicestershire unweit des heutigen Parkplatzes starb. Wir wissen, dass er nur die letzten beiden Jahre seines Lebens als König regierte.

DNA-Analysen belegen: Es ist tatsächlich Richard III. und eben nicht ein namenloser Unbekannter. Damit haben die Archäologen nun eine sehr seltene Gelegenheit: Sie können versuchen, mit Isotopenanalysen die bekannten Lebensdaten zu verifizieren. Eine Gruppe von Forschern um Angela Lamb von der University of Lancaster hat genau das versucht. In der aktuellen Ausgabe des "Journal of Archaeological Science" berichtet sie von ihren Ergebnissen .

Richard aß wie ein König

Die Isotopenverhältnisse in verschiedenen Zähnen und Knochen verraten sowohl den Aufenthaltsort einer Person während eines bestimmten Lebensabschnitts als auch Details ihrer Ernährung. Richard, so bestätigen die Isotope in zweien seiner Zähne, einem Oberschenkelknochen und einer Rippe, verbrachte tatsächlich die ersten Lebensjahre in Northamptonshire.

Als er etwa sieben war, zog er weiter westwärts, wahrscheinlich nach Wales. Gegen Ende seines Lebens - etwa zeitgleich mit dem Aufstieg zum König - änderte sich seine Ernährung wieder. In den letzten Lebensmonaten verspeiste Richard III. überwiegend Wildvögel und Fisch, wie es sich für einen König gehörte. Allerdings trank er dazu auch deutlich mehr Wein als zuvor.

Die Zähne, der Oberschenkelknochen und die Rippe bildet der Körper zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Anders als bei den Zähnen, die für immer so bleiben, wie sie gebildet wurden, erneuert der Körper gelegentlich das Material der Knochen. Dabei verwendet er, was an Isotopen - Atome gleicher Protonen-, aber unterschiedlicher Neutronenzahl - gerade zur Verfügung steht.

Das bedeutet: Das jeweilige Isotopenverhältnis in Zahn und Knochen entspricht demjenigen des Gesteins, auf dem der Mensch just in den Monaten lebte, als der Zahn oder der Knochen entstand.

Denn das Wasser, das durch dieses Gestein fließt, nimmt dessen Isotope auf. Trinkt man dieses Wasser, oder isst Tiere, die dieses Wasser getrunken haben, dann gelangen die Isotope in den eigenen Körper. Doch die Isotope verraten auch, was der Mensch in den jeweiligen Lebensabschnitten aß: Fleisch oder Fisch hinterlassen andere Spuren als Getreide oder Gemüse.

Zähne sind älter als Knochen

Von Richards getesteten Überresten sind die Zähne die ältesten. Zähne entstehen in der Kindheit und Jugend und bleiben dann für den Rest des Lebens - oder zumindest, bis sie ausfallen - erhalten. Der Körper braucht relativ lange, um einen Zahn fertigzustellen. Er beginnt mit dem, was später die äußere Schicht ist, im Alter von zweieinhalb bis drei Jahren. Das Innere des Zahns stellt er erst im Alter von viereinhalb bis siebeneinhalb Jahren fertig.

Lamb und ihr Team entnahmen dem König einen zweiten Prämolaren mitsamt Wurzel und die Krone eines zweiten Molaren. Die Isotopenverhältnisse in den äußeren Schichten passen zum Gestein im Osten Englands, in Northamptonshire, wo der spätere König geboren wurde.

Dann jedoch nehmen sie im Inneren der Zähne zu: Im Alter von sieben Jahren lebte Richard also wesentlich weiter westlich. Ein historischer Bericht erwähnt, dass er im Jahr 1459 in Ludlow Castle in Wales untergebracht war - was seine Zähne demnach nur bestätigen können.

Die Bausteine des Oberschenkelknochens setzte Richards Körper etwa 15 Jahre vor seinem Tod zusammen, als er noch ein Teenager war. Doch da lebte er bereits nicht mehr in Wales, wie die eingelagerten Isotope erzählen, sondern war wieder gen Osten gezogen. Außerdem ernährte er sich gut: Mit einem höheren Anteil an Fleisch und Fisch entsprach seine Ernährung nun der eines künftigen Königs.

Auf den Tisch kamen Schwäne, Kraniche, Reiher - und Wein

Jüngster Knochen aus dem Ensemble ist die Rippe. Ihr Zellmaterial ist zum Zeitpunkt des Todes erst etwa zwei bis fünf Jahre alt. Hier erzählen die Isotope von den größten Veränderungen in seinem Leben. Doch wir wissen aus den Chroniken ganz sicher, dass Richard in diesen Jahren nicht mehr umzog. Damit können die veränderten Werte nur eins bedeuten: Er ernährte sich anders als zuvor. Sein Speiseplan enthielt nun noch mehr Fisch und vor allem Wildvögel.

Aus historischen Berichten wissen wir sogar, welches edle Federvieh Richard III. auf dem Teller hatte: Schwäne, Kraniche und Reiher waren feste Bestandteile königlicher Bankette. Besonders verräterisch sind die Sauerstoffisotope aus den letzten Jahren seines Lebens. Da die höheren Werte nicht mit einem Umzug in eine andere Gegend erklärt werden können, bleibt noch eine andere Möglichkeit: Die Verhältnisse der Sauerstoffisotope in der untersuchten Rippe sind charakteristisch für den Konsum großer Mengen von Wein.