Israel Grabräuber weisen Weg zu geheimnisvoller Ruine

In Israel haben Archäologen die Überreste einer Basilika entdeckt. Unter dem Gebäude befand sich ein riesiges Tunnelsystem, das jüdischen Rebellen gegen die Römer Unterschlupf bot. Experten vermuten dort sogar das Grab eines biblischen Propheten.

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Reich verzierte Mosaiken bedecken den Boden der Basilika, deren Überreste israelische Archäologen freigelegt haben. Unter der Kirche, die vor rund 1300 Jahren durch ein Erdbeben zerstört wurde, vermuten Experten einen weiteren Fund: das Grab des biblischen Propheten Sacharja.

Wie die israelische Altertumsbehörde mitteilte, wurde ein erstes Anzeichen der Ruine bei der Verfolgung von Grabräubern entdeckt. Mitarbeitern des Amtes fiel eine aus dem Boden ragende Struktur an der rund 40 Kilometer südlich von Jerusalem gelegenen Stätte auf. Die Grabräuber entkamen erst einmal, sie wurden nach Behördenangaben einige Monate später gestellt. An dem Fundort legten Archäologen die Überreste der Basilika frei, darunter die gut erhaltenen Mosaiken. Auf ihnen sind Blumen, Tiere und geometrische Formen zu sehen.

Versteck für Aufständische

Unter dem gesamten Gebäude befindet sich ein System von Höhlen und Tunneln, das in der sogenannten Zeit des Zweiten Tempels entstand, die von 515 vor Christus bis 70 nach Christus dauerte. Dort entdecken die Archäologen unter anderem Münzen aus der Zeit des ersten Jüdischen Kriegs (66 bis 73 nach Christus) und des Bar-Kochba-Aufstands (132 bis 135) - zwei Phasen der Auseinandersetzungen zwischen jüdischer Bevölkerung und römischen Besatzern. Auch Ton- und Stein-Gefäße sowie Lampen wurden in den Räumen gefunden. Wahrscheinlich,so die Forscher, haben sich jüdische Rebellen während der Aufstände in den Höhlen versteckt.

Die Ausgrabungsstätte befindet sich Experten zufolge auf dem Gebiet einer größeren Siedlung, die während des Bar-Kochba-Aufstands zerstört wurde. Und die unter der Basilika entdeckten, älteren Räume könnten in ihrer Frühzeit den biblischen Propheten Sacharja beherbergt haben. Das würden zumindest Archäologen vor Ort vermuten, erklärte die Altertumsbehörde. Diese Hypothese werde man nun überprüfen. Der Prophet soll um 515 vor Christus gelebt haben.

Die später erbaute Basilika könnte demnach auch in Gedenken an ihn entstanden sein. Das Gebäude zierten nicht nur die Mosaiken: Nach Angaben der Altertumsbehörde wurde das Kirchenschiff von acht Marmorsäulen getragen, deren Abschlüsse extra aus der Türkei importiert wurden. Die Kirche wurde wahrscheinlich vom fünften bis zum sieben Jahrhundert als Gotteshaus genutzt, bis sie durch ein Erdbeben zerstört wurde.

wbr/Reuters



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