SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

24. Juli 2017, 13:35 Uhr

Kranker US-Senator

Wie gefährlich ist der Krebs von John McCain?

Aus Boston berichtet

Der US-Senator John McCain ist an einem Glioblastom erkrankt. Was ist das? Außerdem in den Wissenschaftsnachrichten aus den USA: Weltuntergangsstimmung und ein wohltätiger Drogenbaron.

+++ Der Kampf gegen Glioblastome +++

Was, bitte, ist ein Glioblastom? Vor kurzem noch wussten das nur wenige, jetzt ist allerorten davon die Rede. Unvermittelt ist diese Form des Krebses zur Bewährungsprobe für die moderne Biomedizin geworden. Acht Jahre ist es her, dass der populäre Senator Edward Kennedy an diesem aggressiven Hirntumor gestorben ist. Jetzt bangt das Land um den nicht weniger populären Senator John McCain, der für die republikanische Partei eine ähnlich zentrale Rolle spielt wie Kennedy einst bei den Demokraten. Und wieder lautet die Diagnose: Glioblastom.

Dieser Tumor ist gefürchtet: Verschanzt hinter der Blut-Hirn-Schranke ist er medikamentös schwer erreichbar; seine wuchernden Ärmchen kann ein Chirurg selbst unter dem Mikroskop kaum erkennen; obendrein entwickeln Glioblastome schnell Resistenzen. Kennedy starb 15 Monate nachdem der Krebs bei ihm festgestellt wurde. Und das ist bis heute die durchschnittliche Überlebenszeit nach Diagnosestellung.

Erst Operation, dann Bestrahlung, gefolgt von Chemotherapie: Die Standardbehandlung hat sich seither nicht verändert. Trotzdem fühlen sich die Ärzte heute besser gewappnet: Sagenhafte 87 experimentelle Behandlungsversuche gegen das Glioblastom werden derzeit unternommen. Impfungen, Antikörper, Immun- und Gentherapie: Das gesamte Arsenal der modernen Biotechnik bringen Forscher in Stellung, um den Tumor niederzuzwingen.

Durchschlagenden Erfolg kann bisher kein Verfahren vermelden, doch immerhin Zeichen, die Hoffnung nähren. Kein Zweifel: Die Biotechnologen werden all ihr Können aufbieten im Bemühen, das Leben von John McCain zu retten - schon, weil es keinen öffentlichkeitswirksameren Triumph für die in den Labors heranreifende Generation neuer Krebsmedizin geben könnte.

+++ Drogenbarone und Wohltäter +++

Raymond Sackler ist tot. In den Nachrufen wird er gewürdigt als Förderer der Künste und der Wissenschaften. Mit gleichem Recht ließe sich auch sagen, dass mit ihm der letzte aus einer einflussreichen Familie von Drogenbaronen gestorben ist.

Die Sackler-Brüder, drei Söhne eines Krämers aus Brooklyn, gehörten zu den reichsten Männern Amerikas. Raymond nutzte sein Vermögen, um sich in der Welt von Kunst und Wissenschaft ein Denkmal zu setzen: So stiftete er einen Flügel des Metropolitan Museums in New York. Um seine großzügige Förderung der Astronomie zu würdigen, ist ein Zwergplanet nach ihm benannt.

Dem Vermögen jedoch, aus dem die Sacklers ihre Wohltaten finanzierten, haftet ein Makel an. Es beruht zu einem großen Teil auf dem Verkauf des Schmerzmittels Oxycontin. Und dieses mit Heroin verwandte Opioid gilt als Auslöser einer Drogenkrise, die in den USA inzwischen mehr Todesopfer fordert als der Straßenverkehr.

Vermarktet wurde Oxycontin mit den Methoden, die Raymonds Bruder Arthur entwickelt hat. Er revolutionierte den amerikanischen Pharmamarkt, als er entdeckte, dass sich Arzneimittel mit ähnlichen Methoden bewerben lassen wie Waschpulver oder Fertigsuppen.

+++ Keine Hoffnung für die Menschen, aber für die Erde +++

Wie katastrophenfest ist das Leben? Der Harvard-Astronom Avi Loeb wollte es wissen und hat es, zusammen mit zwei Kollegen von der britischen Oxford-Universität, ausgerechnet. Das tröstliche Ergebnis: Zwar droht mancherlei Ungemach aus dem All, die Widerstandskraft der Robustesten aber wird es nicht brechen können.

Vor allem drei kosmische Phänomene könnten die Existenz des irdischen Lebens bedrohen, meint das Forschertrio: der Einschlag eines Asteroiden, die Explosion einer sonnennahen Supernova, oder ein Gammablitz, in dessen Strahlenkegel die Erde gerät.

In allen drei Fällen haben die Autoren die Folgen abgeschätzt. Dem Menschen machen sie wenig Hoffnung. Er werde das befürchtete Armageddon kaum überstehen können. Doch für den Planeten als Ganzes ist der Mensch nur Nebensache. Was, fragten sich Loeb und seine Kollegen, passiert mit den anderen Organismen? Um zu erfahren, ob alles Lebendige auf Erden ausgelöscht würde, betrachteten sie jene Lebewesen, die im Rufe stehen, die härtesten im Nehmen zu sein: die Bärtierchen.

Diese 0,5 Millimeter kleinen Achtbeiner sind wahre Überlebenswunder. Sie können 30 Jahre ohne Nahrung leben und widerstehen radioaktiver Strahlung einer Dosis, die tausendfach stärker als die für Menschen tödliche ist. Bärtierchen halten es in der Schwerelosigkeit des Weltalls ebenso aus wie unter dem 1000-fachen Atmosphärendruck der Tiefseegräben. Kurzum: Sie sind nicht totzukriegen. Loebs Fazit: Bärtierchen werden alle kosmischen Katastrophen überstehen. Folglich werde es auf Erden sogar in drei Milliarden Jahren noch Leben geben.

URL:

Verwandte Artikel:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung