Kranker US-Senator Wie gefährlich ist der Krebs von John McCain?

Der US-Senator John McCain ist an einem Glioblastom erkrankt. Was ist das? Außerdem in den Wissenschaftsnachrichten aus den USA: Weltuntergangsstimmung und ein wohltätiger Drogenbaron.

McCain im Februar 2017 bei einer Sicherheitskonferenz in München
AFP

McCain im Februar 2017 bei einer Sicherheitskonferenz in München

Aus Boston berichtet


  • DER SPIEGEL/ Rick Friedman
    Johann Grolle berichtet als Korrespondent für den SPIEGEL aus Boston. "Das ist die Welthauptstadt der Wissenschaft", sagt der langjährige Leiter des SPIEGEL-Ressorts Wissenschaft/Technik. An dieser Stelle schreibt er, was Forscher am MIT, der Harvard University und anderswo in den USA bewegt.

+++ Der Kampf gegen Glioblastome +++

Was, bitte, ist ein Glioblastom? Vor kurzem noch wussten das nur wenige, jetzt ist allerorten davon die Rede. Unvermittelt ist diese Form des Krebses zur Bewährungsprobe für die moderne Biomedizin geworden. Acht Jahre ist es her, dass der populäre Senator Edward Kennedy an diesem aggressiven Hirntumor gestorben ist. Jetzt bangt das Land um den nicht weniger populären Senator John McCain, der für die republikanische Partei eine ähnlich zentrale Rolle spielt wie Kennedy einst bei den Demokraten. Und wieder lautet die Diagnose: Glioblastom.

Dieser Tumor ist gefürchtet: Verschanzt hinter der Blut-Hirn-Schranke ist er medikamentös schwer erreichbar; seine wuchernden Ärmchen kann ein Chirurg selbst unter dem Mikroskop kaum erkennen; obendrein entwickeln Glioblastome schnell Resistenzen. Kennedy starb 15 Monate nachdem der Krebs bei ihm festgestellt wurde. Und das ist bis heute die durchschnittliche Überlebenszeit nach Diagnosestellung.

Erst Operation, dann Bestrahlung, gefolgt von Chemotherapie: Die Standardbehandlung hat sich seither nicht verändert. Trotzdem fühlen sich die Ärzte heute besser gewappnet: Sagenhafte 87 experimentelle Behandlungsversuche gegen das Glioblastom werden derzeit unternommen. Impfungen, Antikörper, Immun- und Gentherapie: Das gesamte Arsenal der modernen Biotechnik bringen Forscher in Stellung, um den Tumor niederzuzwingen.

Durchschlagenden Erfolg kann bisher kein Verfahren vermelden, doch immerhin Zeichen, die Hoffnung nähren. Kein Zweifel: Die Biotechnologen werden all ihr Können aufbieten im Bemühen, das Leben von John McCain zu retten - schon, weil es keinen öffentlichkeitswirksameren Triumph für die in den Labors heranreifende Generation neuer Krebsmedizin geben könnte.

+++ Drogenbarone und Wohltäter +++

Raymond Sackler ist tot. In den Nachrufen wird er gewürdigt als Förderer der Künste und der Wissenschaften. Mit gleichem Recht ließe sich auch sagen, dass mit ihm der letzte aus einer einflussreichen Familie von Drogenbaronen gestorben ist.

Die Sackler-Brüder, drei Söhne eines Krämers aus Brooklyn, gehörten zu den reichsten Männern Amerikas. Raymond nutzte sein Vermögen, um sich in der Welt von Kunst und Wissenschaft ein Denkmal zu setzen: So stiftete er einen Flügel des Metropolitan Museums in New York. Um seine großzügige Förderung der Astronomie zu würdigen, ist ein Zwergplanet nach ihm benannt.

Dem Vermögen jedoch, aus dem die Sacklers ihre Wohltaten finanzierten, haftet ein Makel an. Es beruht zu einem großen Teil auf dem Verkauf des Schmerzmittels Oxycontin. Und dieses mit Heroin verwandte Opioid gilt als Auslöser einer Drogenkrise, die in den USA inzwischen mehr Todesopfer fordert als der Straßenverkehr.

Oxycontin-Tabletten
REUTERS

Oxycontin-Tabletten

Vermarktet wurde Oxycontin mit den Methoden, die Raymonds Bruder Arthur entwickelt hat. Er revolutionierte den amerikanischen Pharmamarkt, als er entdeckte, dass sich Arzneimittel mit ähnlichen Methoden bewerben lassen wie Waschpulver oder Fertigsuppen.

+++ Keine Hoffnung für die Menschen, aber für die Erde +++

Wie katastrophenfest ist das Leben? Der Harvard-Astronom Avi Loeb wollte es wissen und hat es, zusammen mit zwei Kollegen von der britischen Oxford-Universität, ausgerechnet. Das tröstliche Ergebnis: Zwar droht mancherlei Ungemach aus dem All, die Widerstandskraft der Robustesten aber wird es nicht brechen können.

Vor allem drei kosmische Phänomene könnten die Existenz des irdischen Lebens bedrohen, meint das Forschertrio: der Einschlag eines Asteroiden, die Explosion einer sonnennahen Supernova, oder ein Gammablitz, in dessen Strahlenkegel die Erde gerät.

In allen drei Fällen haben die Autoren die Folgen abgeschätzt. Dem Menschen machen sie wenig Hoffnung. Er werde das befürchtete Armageddon kaum überstehen können. Doch für den Planeten als Ganzes ist der Mensch nur Nebensache. Was, fragten sich Loeb und seine Kollegen, passiert mit den anderen Organismen? Um zu erfahren, ob alles Lebendige auf Erden ausgelöscht würde, betrachteten sie jene Lebewesen, die im Rufe stehen, die härtesten im Nehmen zu sein: die Bärtierchen.

Bärtierchen
Getty Images

Bärtierchen

Diese 0,5 Millimeter kleinen Achtbeiner sind wahre Überlebenswunder. Sie können 30 Jahre ohne Nahrung leben und widerstehen radioaktiver Strahlung einer Dosis, die tausendfach stärker als die für Menschen tödliche ist. Bärtierchen halten es in der Schwerelosigkeit des Weltalls ebenso aus wie unter dem 1000-fachen Atmosphärendruck der Tiefseegräben. Kurzum: Sie sind nicht totzukriegen. Loebs Fazit: Bärtierchen werden alle kosmischen Katastrophen überstehen. Folglich werde es auf Erden sogar in drei Milliarden Jahren noch Leben geben.



insgesamt 5 Beiträge
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permissiveactionlink 24.07.2017
1. Glioblastom
Ist das nicht der Krebstyp, bei dem unlängst gute Erfolge erzielt wurden, wenn die Chemotherapie durch orale Gabe niedriger Dosen des Schmerzmittels und Heroin-Ersatzpräparates Methadon ergänzt wurde ?
protonendichte 24.07.2017
2. Tödlich
GBM = Glioblastoma multiforme und auch Gliom Grad IV sind äußerst schwerwiegende Erkrankungen. Die Aussichten auf Heilung sind auch unter modernster Therapie als eher gering einzustufen, da auch bei großzügiger Resektion zumeist neue Herde entstehen. Die medikamentöse Therapie führt (bislang) auch nicht zur Heilung. Ich konnte in 25 Jahren nur EINEN Patienten beobachten, der (bislang = 5 Jahre) scheinbar Glück hatte. Daher darf man McCain von Herzen alles Gute und viel Glück wünschen.
1bc 25.07.2017
3. Drogenbaron??????
Oxycontin ist und war immer ein legales effektives mittel gegen schwerste Schmerzen. So sind auch Fentanyl, Percocet, Vicodin, um nur einig zu nennen, legale, effektive Schmerzmittel, ohne die Narkoseaerzte, Chirurgen, Schmerzspezialisten ihren Beruf fuer ihre leidenden Patienten nicht effektiv ausfuehren koennten. Sind also die Hersteller dieser wichtigen Schmerzmittel auch Drogenbarone? Und wie halten Sie es mit den Herstellern von Beruhigungsmitteln, Schlafmitteln, Antidepressiva, auch Drogenbarone? Bloss weil ein Suchtpotential und Missbrauchpotential vorliegt. Wie halten sie es dann mit Weinbauern und Tabak Produzenten. Auch die koennen zu Sucht und Tod fuehren! Wie reisserisch und irrefuehrend muss ein Titel sein?
SirWolfALot 26.07.2017
4.
Mein Vater ist vor wenigen Monaten an einem Glioblastom gestorben. Das schlimme ist nicht einmal der Tumor an sich, sondern die wesensveränderung. Jeder der sagt das dies doch nicht so schlimm sei, und einen Tag mit meinem Vater verbracht hatte war geschockt und hat meist den Kontakt abgebrochen. Es war die Hölle. Man kann McCain wünschen, dass er nicht schwerstbehindert wird wenn der Tumor wächst.
Hamberliner 21.05.2018
5. Ionenstrahltherapie?
Ich habe 2004 durch ein Glioblastom meinen Bruder verloren. Seitdem hat es doch Fortschritte gegeben. Was ist denn mit Ionen-/ Protonenstrahltherapie? Ich meine damit nicht die konventionelle "Bestrahlung" sondern einen millimetergenau fokussierten Brennpunkt. Die stößt zwar genauso wie Chirurgie auf die Schwierigkeit, dass ein Glioblastom eine sehr verästelte Gestalt hat, aber wenigstens muss man nicht alles freilegen. Es ist eine Frage der Vermessung, Steuerung, Software, rechnergesteuert mit dem Brennpunkt die Verästelungen abzufahren. Schade, dass darüber nicht berichtet wird. Ich als medizinischer Laie kenne nur ein Gegenargument, nämlich die hohen Kosten (AFAIK 20000 EUR), aber die dürften für McCain doch kein Problem sein, warum also versucht man es bei ihm nicht? Übrigens, @SirWolfALot , das mit Deinem Vater tut mir sehr leid, aber es ist nicht verallgemeinerbar. Mein Bruder war bis zuletzt, auch als er schon nicht mehr sprechen konnte, gut drauf. Ich gab noch einmal eine Blödelei aus besseren Zeiten von mir und konnte ihn zum Lachen bringen. Ich wünsche Deinem Vater und ihm Frieden.
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