Joint Strike Fighter Neuer US-Kampfjet sorgt für Ärger

Das derzeit teuerste Rüstungsprojekt der USA droht zum Flop zu werden: Der Kampfjet F-35 wird wahrscheinlich leichter vom Radar zu entdecken sein als versprochen. Schon droht Großbritannien mit dem Rückzug aus dem Projekt. Auch Australien meldet Zweifel an.


Der "Joint Strike Fighter" gehört zu den Lieblingsprojekten der Regierung von US-Präsident George W. Bush: Bis zu 256 Milliarden Dollar soll der Überschall-Kampfjet mit dem Kürzel F-35 kosten. Er soll nicht nur in den USA, sondern auch in Großbritannien, Italien, den Niederlanden, der Türkei, Kanada, Australien, Dänemark und Norwegen das künftige Rückgrat der Luftstreitkräfte sein.

Joint Strike Fighter: Streit zwischen Washington und London
AP

Joint Strike Fighter: Streit zwischen Washington und London

Doch derzeit produziert die Hightech-Waffe vor allem Ärger. Das US-Verteidigungsministerium hatte kürzlich aus seiner Internetseite eher beiläufig die Fähigkeit des Kampfjets, für feindliches Radar nahezu unsichtbar zu erscheinen, relativiert: Der "Joint Strike Fighter" werde nicht mehr "extrem schwach sichtbar", sondern nur "sehr schwach sichtbar" sein.

Auf den ersten Blick erscheint das kaum der Rede wert. Experten aber sehen das anders: Die F-35 werde auf den Radarschirmen "wie ein Strandball statt wie eine Murmel erscheinen", sagte etwa Peter Goon, ehemaliger Ingenieur der australischen Luftwaffe, dem "Sydney Morning Herald".

Auch andere Fachleute zweifeln an den angeblich überlegenen Fähigkeiten des neuen US-Kampfjets. Dennis Jensen, australisches Regierungsmitglied und Verteidigungsexperte, sagte kürzlich, der Joint Strike Fighter werde mit den künftigen Kampfflugzeugen des russischen Herstellers Sukhoi nicht mithalten können. Neben Russland dürften insbesondere Indien sowie asiatische Staaten wie China, Indonesien und Malaysia die nächste Generation von Sukhoi-Jets benutzen.

Entsprechend ernst nehmen australische Politiker die Probleme der F-35. Verteidigungsminister Brendan Nelson bestätigte die Änderung bei der sogenannten Stealth-Fähigkeit des Joint Strike Fighters. Er habe sich bereits mit Vertretern des Pentagons und dem F-35-Hersteller Lockheed Martin getroffen, um die neu aufgetauchte Schwäche des Fliegers zu erörtern. "Wir werden sehr detailliert untersuchen, was das nicht nur für uns, sondern auch für die anderen Partner bedeutet, die den Joint Strike Fighter mitentwickeln und kaufen sollen."

Briten drohen mit Ausstieg

Dennoch gab sich Nelson zunächst diplomatisch: Seine Regierung plane derzeit nicht den Ausstieg aus dem Programm. Immerhin hat Australien vor, ab 2015 rund 11 Milliarden US-Dollar für bis zu 100 Exemplare der F-35 auszugeben. Es ist das teuerste Rüstungsprojekt in der Geschichte des Landes.

Die Briten wählen bereits deutlichere Worte. Der für Rüstungseinkäufe zuständige Minister Lord Drayson droht inzwischen unverhohlen damit, aus der Entwicklung der F-35 auszusteigen. London hatte dafür rund zwei Milliarden US-Dollar zugesagt.

Der Zankapfel ist die Geheimnistuerei der Amerikaner hinsichtlich der technischen Details des Joint Strike Fighters. "Ohne den Technologietransfer, der uns darauf vertrauen lässt, ein Flugzeug nach unseren Bedürfnissen zu bekommen, können wir diese Flugzeuge nicht kaufen", sagte Drayson dem Militärausschuss des US-Senats. Er sprach für diesen Fall bereits von einem "Plan B", ohne näher darauf einzugehen.

Zur Frustration der Briten hat zuletzt die Entscheidung der Bush-Regierung beigetragen, einen 2,4 Milliarden Dollar schweren Vertrag über die Produktion eines alternativen Triebwerks für die F-35 aufzulösen - nur Monate nach der Zusage an die britische Firma Rolls Royce. Damit wäre das US-Unternehmen Pratt & Witney der einzige Hersteller von F-35-Triebwerken.

mbe/rtr/AFP



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