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25. Juni 2007, 15:57 Uhr

Jugendliche und Drogen

Lust auf Joints geht zurück

Kiffen ist out: Eine aktuelle Bundesstudie berichtet erstmalig von sinkendem Cannabis-Konsum bei deutschen Jugendlichen. Nach jahrelangem Anstieg könnte dies eine Trendwende sein. Die Experten sind noch vorsichtig.

Tüte gefällig? Noch im Jahr 2004 gaben 22 Prozent der Jugendlichen im Alter zwischen 14 und 17 an, schon einmal Cannabis konsumiert zu haben. Drei Jahre später hat sich das Bild offenbar gewandelt: Aktuell berichten lediglich 13 Prozent der Jugendlichen von Cannabis-Konsum. Damit sank diese Quote seit der letzten offiziellen Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung überraschend um fast zehn Prozent.

Weniger am Zug: Der Haschischkonsum ist rückläufig.
REUTERS

Weniger am Zug: Der Haschischkonsum ist rückläufig.

Auch in der Altersgruppe der 18- bis 19-Jährigen sei nach einem jahrelangen Aufwärtstrend nun ein Rückgang des Haschisch-Konsums zu beobachten. Im Vergleich zu 2004 ist laut der Umfrage die Zahl der Jugendlichen, die erstmalig einen Joint rauchten, von 40 auf 31 Prozent gesunken.

Dass die Droge Cannabis unter Jugendlichen an Bedeutung verloren hat, zeigt der Bundeszentrale zufolge auch ein verändertes Konsumverhalten bei den jungen Menschen: So hätten acht Prozent der jüngeren Befragten in der aktuellen Umfrage erklärt, in den letzten zwölf Monaten zum Joint gegriffen zu haben, während im Jahr 2004 die Zahl noch bei 14 Prozent lag. Bei den 18- bis 19-Jährigen sank der Anteil im gleichen Zeitraum von 18 auf 14 Prozent.

Eine Trendwende? Dafür sei es zu früh, sagte die Direktorin der Bundeszentrale, Elisabeth Pott. "Auch wenn die deutlich sinkende Zahl der Jugendlichen, die mit dem Zigarettenrauchen anfängt, erwarten lässt, dass damit auch die Zahl der Jugendlichen, die mit Cannabis-Konsum beginnen, weiter zurückgehen wird." Zigarettenkonsum hänge mit dem Jointrauchen zusammen. "Ob andere Gründe wie eine mögliche Verlagerung zum Alkoholkonsum eine Rolle für den Cannabis-Rückgang spielen, können wir nicht aus dieser Studie ablesen", ergänzte eine Sprecherin im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE.

Eine ebenfalls von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung durchgeführte Befragung hatte Ende Mai ergeben, dass in diesem Jahr weniger Jugendliche rauchen als je zuvor: Der Anteil der 12- bis 17-jährigen Raucher ging laut Studie im Vergleich zum Jahr 2001 von 28 Prozent auf nunmehr 18 Prozent zurück. 2005 griffen noch 20 Prozent der Jugendlichen zur Zigarette.

Auch wenn es der aktuellen Cannabis-Studie zufolge immer weniger Neueinsteiger und Ab-und-zu-Konsumenten unter den Kiffern gibt, so ist die Zahl der Viel-Konsumenten offenbar unverändert geblieben. Die Quote liege konstant bei vier Prozent. Junge Männer hätten fast vier Mal häufiger als Mädchen angegeben, im letzten Jahr mehr als zehn Mal zur Droge gegriffen zu haben.

atr/dpa/AP

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