Junge Briten Trinkgelage fördern gefährlichen Sex

Alkohol- und Drogenkonsum ist unter jungen Briten dermaßen ausgeprägt, dass Mediziner inzwischen vor einer veritablen Gesundheitskrise warnen: Der Hang zu riskantem Sex infolge Trinkens führe zu einem drastischen Anstieg von Infektionen mit gefährlichen Krankheiten.


London - Nirgendwo steigt die Zahl der Menschen mit Geschlechtskrankheiten so schnell wie in Großbritannien. Und auch der Anteil von Teenager-Schwangerschaften ist hier höher als im Rest der EU. Den Grund dafür sieht eine unabhängige Beratergruppe der britischen Regierung in einer Disziplin, in der junge Briten ebenfalls als führend gelten: dem Alkoholkonsum.

Britische Jugendliche: Alkohol und Drogen gegen das Risikobewusstsein - "sie wollten einfach eine gute Zeit haben"
REUTERS

Britische Jugendliche: Alkohol und Drogen gegen das Risikobewusstsein - "sie wollten einfach eine gute Zeit haben"

"Alkohol ist ein Schlüsselproblem, wenn es um sexuelle Gesundheit geht", warnt Mark Bellis von der Liverpool University im Bericht der Independent Advisory Group on Sexual Health and HIV, der online als PDF-Dokument verfügbar ist. In Ihrer Zusammenfassung schreiben die Regierungsberater: "Junge Leute, die getrunken haben, praktizieren mit drei Mal höherer Wahrscheinlichkeit ungeschützten Sex."

Was trivial klingen mag, unterfüttern die Mediziner mit erschreckenden Zahlen zur Zunahme sexuell übertragbarer Krankheiten:

  • Chlamydien-Infektionen haben in den letzten zwölf Jahren um 300 Prozent zugenommen, ebenso Ansteckungen mit dem Aids-Erreger HIV.
  • Tripper (auch Gonorrhoe genannt) nahm im selben Zeitraum immerhin um 200 Prozent zu.
  • Die Rate der Syphilis-Infektionen ist gar um 2000 Prozent gestiegen.

Neben der alkoholbedingten Sorglosigkeit im Umgang mit solchen Risiken verschlimmert noch ein weiteres Konsummuster die Lage: Viele junge Briten benutzten Ecstasy, Cannabis und Amphetamine als Aphrodisiaka, sagte Bellis. Aus der Studie eines Syphilis-Ausbruchs in Manchester wisse man, dass Drogennutzung und Infektionsgefahr eng verbunden seien. "Wir fanden heraus, dass die Leute sogar wussten, dass ihr Sexualverhalten unsicher war - aber dass sie Drogen nahmen, um die Gesundheitsrisiken zu vergessen", sagte Bellis. "Sie wollten einfach eine gute Zeit haben."

Das aber könne für die individuelle und die gesellschaftliche Gesundheit fatal sein. Die Mediziner appellierten an die britische Regierung, Maßnahmen zu ergreifen, um Alkohol- und Drogenmissbrauch bei jungen Menschen einzuschränken.

Dass solche Maßnahmen dringend nötig ist, machte unlängst das britischen Office for National Statistics (ONS) in Newport deutlich. Eine Analyse der Statistiken zeigte, dass sich der Alkoholkonsum von Jugendlichen im zarten Alter von 11 bis 15 Jahren zwischen 1990 und 2004 verdoppelt hatte. Besonders britische Mädchen seien die Kampftrinker der Zukunft.

In ihrer Studie machten die Forscher eine ebenso kühle wie beunruhigende Rechnung auf: Bei einem einzigen ungeschützten Geschlechtsverkehr mit einem infizierten Partner habe eine junge Frau ein Risiko von rund einem Prozent, sich mit HIV anzustecken. Das Risiko einer Infektion mit Genitalherpes betrage 30, bei Tripper 50 Prozent. Alkohol und Drogen seien angesichts solcher Zahlen "der Treibsatz für eine Krise der sexuellen Gesundheit".

Mitte März hatte eine Studie der europäischen Union gezeigt, dass in vielen Ländern Europas problematisches Trinkverhalten weit verbreitet ist: Jeder Zehnte, der trinkt, sucht den Vollrausch. Unter Jugendlichen, so das Ergebnis der Befragung von 25.000 Menschen, ist der Anteil gar doppelt so hoch.

Welche gravierenden Folgen ungesundes Trinkverhalten im Erwachsenenalter haben kann, zeigten Mediziner gerade am Beispiel einer russischen Industriestadt im Ural. In der medizinischen Fachzeitschrift "The Lancet" berichteten die Wissenschaftler aus London: Russische Männer trinken sich regelrecht in den Tod - mit billigem Alkohol aus Parfüms, Reinigungsmittel und Tinkturen. Demnach ist unter 22- bis 54-Jährigen Russen der Alkohol inzwischen Todesursache Nummer eins.

stx/rtr



insgesamt 1595 Beiträge
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Seite 1
inci 10.03.2007
1.
---Zitat von sysop--- Saufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot? ---Zitatende--- das ist eher ein ganz "alter" trend, auch ich und meine freunde haben in teeniezeiten dem alkohol gelegentlich recht heftig zugesprochen, und das nicht nur während des karnevals. die in den letzten tagen und wochen hochgekochte dringlichkeit ist lediglich phase I in der strategie von herrn kyprianou, europas bürger dank gesundheitskontrolle unsterblich zu machen. und wie man sieht, haben wir schon die diskussion zu dem thema.
Roller, 10.03.2007
2.
---Zitat von sysop--- Saufen bis der Arzt kommt - der Trend nimmt unter Jugendlichen in ganz Deutschland zu. Hilft nur ein Alkoholverbot? ---Zitatende--- Wie man aus der Vergangenheit weiss, sind Verbote nicht sehr effektiv. Warum stellt man nicht erstmal die Alkohol Werbung ein und verhindert gesetzlich, dass Jugendliche ab 16 sich legal mit Bier besaufen koennen? Es kann doch auch nicht sein, dass nachmittags das Kinderprogramm mit Alkoholwerbung zugepflastert wird. An Hand der Gesetze kann man doch schon sehen, wer in Deutschland das Sagen hat: Autoindustrie,Pharmaindustrie und Jägermeister + Co. Gruss Roller
GeneralPatton, 10.03.2007
3.
Sowas gabs doch schonmal in den 30ern. Da hatte es auch nicht geholfen, ja sogar einige ziemlich üble Nebeneffekte. Verbote helfen da gar nichts. Ich trink ja selber auch hin und wieder gerne einen über den Durst, aber dann gehts mir am nächsten Tag beschissen und ich halt mich für die nächste Zeit davon fern. Scheint fast so als sei manchen Menschen in dieser Hinsicht der gesunde Menschenverstand abhanden gekommen.
vaikl 10.03.2007
4.
Es gibt 2 Alternativen zum Alkoholverbot: 1.) Man überlässt diese vollhorstigen Komasäufer sich selbst, leistet weder Erste Hilfe noch Therapie und bittet die Eltern/Angehörigen wg. der Sekundärschäden zur Kasse oder 2.) Man bürdet *alle* primären und sekundären Kosten, die der Gesellschaft aufgrund von ärtzlicher Notfallversorgung, Blockierung von Notfallaufnahmeplätzen, Krankenhausbetten und Therapieplätzen, Unfallschäden, Versorgung von Verkehrsopfern, polizeilichen Ermittlungen und Gerichtskosten entstehen, den Komasäufern *allein* auf, weil man in solchen Fällen nicht mehr auf Unzurechnungsfähigkeit plädieren darf.
JoergB, 10.03.2007
5.
Ja genau, sofort alles verbieten was einem irgendwie Kopfzerbrechen bereitet. Das ist am einfachsten...
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