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23. Mai 2019, 18:07 Uhr

Produktivität am Arbeitsplatz

Frauen sind bei Wärme leistungsfähiger als sonst

Bei steigender Raumtemperatur verbessert sich die Produktivität von Frauen - die der Männer nimmt dagegen ab. Das zeigen Experimente. Aber auch die Männer haben besondere Stärken.

Der Streit zwischen männlichen und weiblichen Kollegen über die richtige Temperatur im Büro dürfte in Zukunft erbitterter geführt werden: Wie eine neue Studie zeigt, beeinflusst sie nicht nur das Wohlbefinden, sondern auch die geistige Leistungsfähigkeit. Dabei ist der Effekt bei Frauen und Männern gegensätzlich.

Forscher haben 543 Studierende in Berlin zu Leistungstests überredet - darunter gut 40 Prozent Frauen - und ihnen finanzielle Belohnungen in Aussicht gestellt, wenn sie die Tests auf drei Gebieten erfolgreich meistern:

Die Forscher erhöhten von einer Runde zur nächsten die Raumtemperatur von 16 auf schließlich 33 Grad. Dabei registrierten sie gegenläufige Entwicklungen bei den durchschnittlichen Leistungen von Männern und Frauen.

Die 21-Grad-Grenze

Bei den Rechenaufgaben und den Worträtseln schnitten Frauen mit zunehmender Wärme stetig besser ab, die Leistungen der Männer aber ließen nach. Bei den Reflexionsaufgaben dagegen blieben die Ergebnisse konstant; Männer waren durchweg erfolgreicher.

Auch bei den Rechentests schnitten Männer besser ab, doch die Leistungen der Frauen näherten sich mit zunehmender Temperatur an. Während die Leistung der Männer schwächer wurde, erzielten die Frauen bei 33 Grad schließlich gleich gute Resultate.

Bei den Worträtseln überholten die Frauen die Männer bereits bei 21 Grad. Mit weiter steigender Raumtemperatur waren die Ergebnisse der Frauen besser - ein Trend, der sich mit zunehmender Wärme fortsetzte, während die Männer abfielen.

Stoffwechselunterschiede

Die Ergebnisse der Untersuchung zeigten, dass die Leistungen von Männern und Frauen gesteigert werden könnten, wenn je nach Mischung der Teams auf eine gute Raumtemperatur geachtet werde, schreiben Agne Kajackait vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und Tom Chang von der Marshall School of Business in Los Angeles in ihrer Studie, die sie im Wissenschaftsmagazin "Plos One" veröffentlicht haben.

Ursache der Unterschiede könnte der Stoffwechsel sein: Bei Männern laufen die biochemischen Vorgänge im Körper im Durchschnitt schneller ab als bei Frauen - sie fühlen sich wohler bei niedrigeren Temperaturen.

Ob das Ergebnis auch außerhalb von Universitäten gültig ist, müsse sich allerdings noch zeigen, schließlich nahmen nur Studenten an den Tests teil. Die Auswahl der Versuchsteilnehmer lässt nicht ohne Weiteres auf Menschen anderen Alters und mit anderer Bildung schließen.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version hieß es in der Überschrift: "Frauen sind bei Wärme leistungsfähiger als Männer". Tatsächlich steigt das Leistungsniveau bei Frauen in der Studie bei höheren Temperaturen. Das Leistungsniveau der Männer nimmt hingegen ab.

boj

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