Müll durch Kapseln und Becher Umweltsünde Kaffee

Schön heiß, schön stark: So schmeckt uns der Kaffee am besten. Doch 2,8 Milliarden Einwegkaffeebecher pro Jahr und tonnenweise Kapselmüll belasten die Umwelt. Dabei gibt es Alternativen.
Einwegkaffeebecher in einem vollen Mülleimer

Einwegkaffeebecher in einem vollen Mülleimer

Foto: Uwe Zucchi/ dpa

650 Tassen jährlich im Durchschnitt - Kaffee ist das Lieblingsgetränk der Deutschen. 162 Liter trinkt jeder statistisch gesehen pro Jahr. Das Problem: Durch den Genuss der gerösteten Bohnen aus Kapseln oder Einwegbechern entsteht haufenweise Müll. Umweltschützer warnen seit langem vor den Folgen, doch die deutschen Kaffeetrinker stört das wenig. Der Marktanteil von Kapseln wächst beständig.

Im Jahr 2008 wurden in Deutschland etwa 800 Tonnen Kaffeekapseln verkauft. 2014 waren es nach Angaben des Kaffeeverbands dann schon 17.750 Tonnen und im vergangenen Jahr 20.600 Tonnen. 2015 hatten Kapseln einen Marktanteil von 5,5 Prozent - Tendenz steigend. "Nahezu jeder große Kaffeeanbieter macht inzwischen auch in Kapseln", sagt Thomas Fischer von der Deutschen Umwelthilfe.

Neben den bekannten Herstellern wie Nespresso bieten Discounter wie Aldi und Lidl eigene Kapseln an. Und der Verbrauch dürfte, so sagt es Fischer, weiter steigen: "Die Kapseln sind eine Lizenz zum Gelddrucken." Daher würden die Unternehmen sie massiv bewerben und versuchten, ihnen ein positives Image zu verschaffen.

Dabei bestehe eine durchschnittliche Kapsel aus zwei bis drei Gramm Verpackung und sechs bis sieben Gramm Kaffee, sagt Fischer. "Das ist ein unglaublich schlechtes Verhältnis." Zum Vergleich: Bei einer 500-Gramm-Packung Kaffee mache die Verpackung rund 15 Gramm aus.

Gebrauchte Kaffee-Kapseln

Gebrauchte Kaffee-Kapseln

Foto: David Ebener/ dpa

Auch beim Kaffee für unterwegs fällt die Bilanz ernüchternd aus: Der Kaffeeverband geht davon aus, dass jeder Deutsche im Schnitt 5,8 Liter Kaffee to go pro Jahr konsumiert.

Nach Angaben der Umwelthilfe werden so jährlich bundesweit 2,8 Milliarden Einwegkaffeebecher verbraucht. Diese werden nur selten wiederverwertet, denn meistens landen sie in einer öffentlichen Mülltonne und werden dann verbrannt.

Kaffeekapseln wiederum sind rein rechtlich gesehen keine Verpackung und dürfen daher nicht im Gelben Sack entsorgt werden. Einige Hersteller haben jedoch inzwischen Lizenzen erworben - das heißt, sie zahlen dafür, dass ihre Kapseln im Dualen System recycelt werden.

"In die Biotonne oder in den Restmüll"

In einem Imagefilm im Internet illustrieren Grüner Punkt und Nespresso gemeinsam, wie die Alu-Kapseln wiederverwertet werden. Dass man sie recyceln kann, sei freilich kein Argument dafür, überhaupt Alu-Kapseln zu nutzen, sagen Experten. Ihre Herstellung ist extrem aufwendig, benötigt Unmengen an Wasser und Energie.

Und wie viele Kapseln landen am Ende überhaupt im Gelben Sack? Zahlen dazu gibt es nicht, wie Günter Dehoust vom Öko-Institut in Berlin sagt. "Jemand, der sich für Kapseln entscheidet, hat meist kein so hohes Öko-Bewusstsein, dass er sich darüber informiert, wie er die Kapseln entsorgen muss." Bei Tests herrsche unter Kaffeetrinkern meist großes Rätselraten um die Entsorgung. "Viele schmeißen die Kapseln auch in die Biotonne oder in den Restmüll."

Die Stadt Hamburg hat ihren Mitarbeitern inzwischen verboten, Nespresso-Kapseln zu kaufen - zumindest auf Staatskosten. Das steht, mit Verweis auf die Umweltbelastungen, in ihrem "Leitfaden zur umweltverträglichen Beschaffung". Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) hatte mit diesem Vorstoß weltweit für Schlagzeilen gesorgt.

Kaum besser als Alukapseln sind aus Sicht der Umwelthilfe übrigens solche aus abbaubarem Kunststoff. "Bei Konsumgütern stehen wir biologisch abbaubaren Kunststoffen kritisch gegenüber", sagt auch Gerhard Kotschik, Verpackungsexperte beim Umweltbundesamt: "Sie haben aus unserer Sicht in der Regel keine Vorteile."

Der Abbau führe nur zu Kohlendioxid und Wasser; es entstünden keine wertvollen Bodenbestandteile. Und in der Umwelt sei nicht sichergestellt, dass sie abgebaut werden. In Kompostieranlagen würden sie meist aussortiert und verbrannt.

Damit sich etwas ändert, fordert die Umwelthilfe, dass Hersteller für ressourcenintensive Verpackungen mehr zahlen müssen. Bei den Kaffeebechern solle es ein Mehrwegsystem geben, wie es in einigen Städten bereits getestet wird. Von einem Pfand auf Einwegbecher halte man dagegen nichts - attraktive Mehrwegbecher seien interessant. Und eine Strafabgabe von 20 Cent für Einwegbecher.

Was aber können Kaffeeliebhaber selbst für ein besseres Umweltgewissen tun? Eine Alternative zu Alu oder Plastik sind Mehrwegkapseln etwa aus Edelstahl, die um die 45 Euro kosten. Bisher seien diese kaum verbreitet, sagt Fischer. "Dafür macht keiner Werbung, denn damit kann man kein Geld verdienen."

Die umweltfreundlichste Art des Kaffeetrinkens überhaupt bleibt freilich das ganz normale Aufbrühen mit Filter. Mit Muße zu Hause - oder im schönen Café.

chs/dpa, Catherine Simon

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