Kaffeekonsum Koffein schützt die Neuronen

Moderate Kaffeetrinker dürfen womöglich aufatmen. Koffein, bislang als schädlicher Bestandteil von Kaffee verschrien, könnte das Gehirn schützen - und das nicht nur in pharmazeutisch-kleinen Dosen.


Kaffee auf Rezept: Koffein könnte vor Parkinson schützen
GMS

Kaffee auf Rezept: Koffein könnte vor Parkinson schützen

Dass Koffein durchaus auch positive Auswirkungen auf die menschliche Schaltzentrale haben kann, wird unter Parkinson-Forschern bereits seit längerem diskutiert. Welche Effekte das Nervengift aber genau auslöst, das wollen nun US-amerikanische Wissenschaftler herausgefunden haben.

Michael Schwarzschild und Jiang-Fan Chen vom Massachusetts General Hospital in Boston haben Mäusen ein Nervengift injiziert, das in den Nagern Parkinson-ähnliche Symptome provozierte. Wie bei Menschen, die von der Parkinson-Krankheit befallen werden, war auch bei den Mäusen der Botenstoff Dopamin gestört.

Wie das US-Wissenschaftsmagazin "Science" in seiner Online-Ausgabe berichtet, ging der Dopamin-Gehalt in den betroffenen Regionen des Gehirns innerhalb einer Woche um 85 Prozent zurück. Wurden den Mäuse dagegen zuvor kleine Dosen von Koffein - vergleichbar mit ein bis zwei Tassen beim Menschen - gespritzt, sank der Dopamin-Anteil lediglich um 60 Prozent. Noch höhere Dosen konnten, so berichten die Forscher in der kommenden Ausgabe der Fachzeitschrift "Journal of Neuroscience", die schädigende Wirkung des Parkinson-Nervengifts unter bestimmten Umständen sogar ganz aufheben.

Offensichtlich blockiert das Koffein einen bestimmten Rezeptor des Neurotransmitters Adenosin, der fast ausschließlich in dem Teil des Gehirns vorkommt, der von der Krankheit befallen wird. Warum dadurch allerdings die Neuronen geschützt werden, ist noch weitgehend unklar.

Hinweise ja, Beweise nein

Eine Verbindung zwischen Parkinson und Koffein, einem Nervengift, das Herzrasen, Zittern und in sehr hohen Dosen sogar Todesfälle verursachen kann, ist seit langem bekannt - einen echten kausalen Zusammenhang konnte bislang aber noch niemand nachweisen. Erst im vergangenen Jahr hatte, so "Science Now", eine groß angelegte Studie eine negative Korrelation zwischen Kaffeegenuss und Parkinson festgestellt. Von 8000 untersuchten Männern hatten die Koffein-Konsumenten ein deutlich geringeres Risiko, an Alzheimer zu erkranken. Hinweise sind also vorhanden, nur die Beweise fehlen noch.

Daher ist auch Schwarzschild vorsichtig mit vorschnellen Schlüssen. Zwar könnten neue, in der Entwicklung befindliche Medikamente, die denselben Adenosin-Rezeptor attackieren, das Voranschreiten der Parkinsonschen Krankheit stoppen. Eine rationale Basis, den eigenen Kaffeekonsum zu steigern, biete die aktuelle Studie, so Schwarzschild, allerdings nicht.



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