Kampf der Viren Hepatitis hält Aids in Schach

Die Infektion mit einer ungefährlichen Hepatitis-Variante lässt HIV-Infizierte offensichtlich länger leben. Forscher warnen allerdings davor, Patienten gezielt mit dem Erreger anzustecken.


HI-Virus (auf infizierter Lymphozyte): Gebremst durch Hepatitis G?

HI-Virus (auf infizierter Lymphozyte): Gebremst durch Hepatitis G?

Es klingt, als würde man den Teufel mit dem Beelzebub austreiben. In zwei unabhängigen Studien haben Wissenschaftler herausgefunden, dass das offenbar ungefährliche Hepatitis-G-Virus die Vermehrung des Aids-Erregers HIV behindert. Die Entdeckung könnte, so schreiben die Forscherteams im "New England Journal of Medicine", dem Kampf gegen Aids eine ganz neue Richtung geben.

Die vierjährige Studie amerikanischer Wissenschaftler von der University of Iowa hatte ergeben, dass HIV-Patienten ohne gleichzeitige Hepatitis-G-Infektion ein vierfach höheres Risiko hatten, an der Krankheit Aids zu sterben. In Labortests fand das Team heraus, dass sich die HI-Viren erheblich langsamer vermehrten, wenn Hepatitis-G-Viren anwesend waren.

Den gleichen Zusammenhang stellten auch Forscher der Medizinischen Hochschule in Hannover fest. Sie hatten eine Gruppe von 200 HIV-Infizierten im Zeitraum von 1993 und 1994 beobachtet. Auch hier verzögerte eine Doppelinfektion den Ausbruch der Aids-Krankheit. Das galt auch für Patienten, die mit dem inzwischen üblichen Cocktail aus verschiedenen Aids-Medikamenten behandelt wurden.

Gefährliche Folgeerkrankungen durch Hepatitis G

Das Hepatitis-G-Virus wurde erst Mitte der neunziger Jahre identifiziert. Es ist eng mit dem gefährlichem Hepatitis-C-Virus verwandt, ruft allerdings keine lebensbedrohenden Erkrankungen der Leber hervor. In den beiden Studien hatten bis zu 40 Prozent der HIV-Infizierten auch Hepatitis G. In der Gesamtbevölkerung liegt die Infektionsrate bei etwa zwei Prozent.

In einem begleitenden Kommentar warnten Forscher allerdings davor, HIV-Infizierte gezielt mit Hepatitis G anzustecken. Der Langzeiteffekt des noch relativ unbekannten Erregers ließe sich bisher nicht absehen. Außerdem ziehe eine Infektion mit Hepatitis G häufig gefährliche Folgeerkrankungen nach sich.



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