Kampf für Klimaschutz in Indonesien Fluch des Wohlstands

Christian Schwägerl

Von Christian Schwägerl

4. Teil: Erdwärme statt dreckiger Kohle


Indonesien sitzt auf großen Vorkommen von Kohle, Erdgas und Erdöl, aber zugleich leben noch immer Millionen von Menschen ohne Strom oder müssen immer mit Blackouts rechnen. Projektionen besagen, dass der Energiebedarf sich bis 2020 verdreifachen wird. Den Großteil davon soll aktuellen Planungen zufolge Kohle decken, die CO2-intensivste Stromquelle.

Für erneuerbare Energien ist ein Anteil von 17 Prozent geplant. Ihr gigantisches Potential bleibt auch damit weitgehend ungenutzt. Erdwärme erscheint im Land der Vulkane eine vielversprechende Energiequelle. Doch "Kohlekraftwerke zu bauen kostet rund eine Million Dollar pro Megawatt, Erdwärme rund drei Millionen Euro pro Megawatt", sagt Rehan Kausar, der die Asiatische Entwicklungsbank (ADB) in Jakarta vertritt.

Einen Mechanismus, wie Geld aus dem Westen gezielt eingesetzt werden kann, um Energieprojekte zu fördern, gibt es bereits: Der "Clean Development Mechanism" (CDM). Er soll Geld aus dem Westen anlocken, um CO2 zu den niedrigen Kosten ärmerer Länder zu vermeiden. CO2-Gutschriften dafür können die Geldgeber dann verwenden, um zu Hause eigene verbindliche Reduktionsziele zu erreichen. Doch die Abläufe, CDM-Vorhaben von den Vereinten Nationen genehmigt zu bekommen, sind sehr bürokratisch.

Recyceltes Erdgas

Das gilt auch für Projekte, die versuchen, fossile Energieträger effizienter einzusetzen. Eine Firma namens "Odira" macht etwa sich daran, das Abfackeln von Erdgas zu beenden. Früher ist das Gas, das bei Odira durch die Rohre schießt, einfach verbrannt worden, als Abfallprodukt eines Erdölgiganten. Abfackeln ist ein weltweites Problem, das erheblich zum Treibhausproblem beiträgt.

Odira hat investiert, um das Erdgas einer nahen Ölbohrung nutzbar zu machen und Haushalten in handlichen Gasflaschen zur Verfügung zu stellen, wo es Dieselgeneratoren ersetzen kann. "Über zehn Jahre können wir ungefähr 3,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen", sagt Brandon Courban, der Projektberater der Firma. Das entspricht dem Jahresausstoß von 350.000 Deutschen.

Einen echten Wohlstandsbonus könnten die Entwicklungsländer aus erneuerbaren Energien dann schöpfen, wenn sie selbst neue Technologien entwickeln und sie vermarkten können, statt sie nur zu importieren. "Indonesien könnte sich zu einem weltweiten Technologiezentrum für Erdwärme entwickeln und Geld damit verdienen", sagt David Bruhns vom Geoforschungszentrum Potsdam. Dazu seien Investitionen in Forschung und Lehre nötig.

Die Grundfrage, um die nun auf dem Klimagipfel gerungen wird, ist daher ökonomisch: Wenn Schwellenländer wie Indonesien die Fehler des Westens nicht wiederholen und stattdessen ihren Wohlstand auf umweltfreundliche Weise mehren sollen, brauchen sie erhebliche Mittel. Wie viel also ist es der EU, Japan, den USA und anderen westlichen Nationen wert, den globalen Übergang zu grünem Wirtschaften zu ermöglichen? Es zeichnet sich ab, dass es einen "Sofortfonds" geben wird, der mit neun bis zehn Milliarden Euro bestückt ist. Entscheidend sind aber langfristig und verlässlich zugesagte Mittel, nicht kurzfristige Beruhigungspillen.

Vier Stunden für 50 Kilometer

Der Investitionsbedarf für den Klimaschutz ist riesig, auch im Verkehrssektor. Das weiß jeder, der einmal in Jakarta im Feierabendverkehr gestanden hat. Für 50 Kilometer darf man locker drei bis vier Stunden einplanen. "Der amerikanische Traum ist jetzt auch der indonesische Traum", sagen viele Indonesier. Damit meinen sie dicke Autos und Vorstadthäuser.

"Städte wie Jakarta sind verkehrstechnisch der völlig falsche Weg", sagt Woochong Um, der bei der Asiatischen Entwicklungsbank Verkehrsprojekte in ganz Asien koordiniert. Er versucht, Stadtregierungen wie die von Jakarta dabei zu unterstützen, Schnellbussysteme einzurichten und Autofahrer zum Umsteigen auf öffentliche Verkehrsmittel zu bewegen. "Im Moment werden Milliarden investiert, aber wir brauchen in Asien Billionenbeträge, um die Städte umweltfreundlich umzugestalten", sagt Um.

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Umbriel 15.12.2009
1. Vulkan
Jetzt bricht zumindest auf den Philippinen mal wieder ein Vulkan aus, der dürfte in den nächsten Wochen soviel CO2 in die Stratosphäre blasen wie 1000 Jahre BRD unter Vollgas.
Hercules Rockefeller, 15.12.2009
2. Auto völlig egal
Wieso hackt man eigentlich auf den Autos rum, oder darauf, dass man in ärmeren Ländern im Jahr 2010 nicht immer noch nur zu Fuss oder per Eselskarre unterwegs sein will? Der CO²-Ausstoß von Autos, selbst von dicken Brummern wie einem Q7 ist geradezu lächerlich mit dem von bspw. Strom. Ein Blick auf die Jahresabrechnung reicht, dort liest man: Für eine popelige Kilowattstunde Strom (halbe Stunde Staubsaugen oder 2 Stunden Killerspiel daddeln) werden 490g CO² in die Welt geblasen. Damit kann man je nach Auto 300km weit fahren, sogar mit dem Q7, wenn man nicht über 130 fährt (schneller muss man auch nicht, kommt eh keiner an einem vorbei, wenn man ein bischen schlängelt). Und da blasen sich nun alle auf, wenn ein paar Tausend Indonesier in Jakarta im Stau stehen wollen? Da kommt kaum was zusammen, da wird eigentlich nur die Klimaanlage des Wagens befeuert. Würden die nun alle die dollen Elektrobrummerkarren fahren (die ohne Sicherheitsmerkmale, ohne Platz, ohne Komfort-durch und durch Grün!), dann bläsen sie weit mehr CO² in die Luft, um im Stau die Luft zu kühlen! Wir müssen Strom sparen, nicht Benzin! Es geht den "Mahnern" doch nur darum, dass es nicht angehen kann, wenn die dritte Welt nun Auto fährt. Sowas gehört sich nicht! Die sollen doof in die Kameras von UNICEF und Brot für die Welt glotzen, aber doch nicht im VW Fox ins Büro pendeln! Ja, da wird einem ja ganz anders, da fällt einem vor Schreck das Monokel in den Frühstücksschampus...
chinchoro 15.12.2009
3. Reality Check notwendig
Zitat von UmbrielJetzt bricht zumindest auf den Philippinen mal wieder ein Vulkan aus, der dürfte in den nächsten Wochen soviel CO2 in die Stratosphäre blasen wie 1000 Jahre BRD unter Vollgas.
Es ist erstaunlich, dass man in der virtualen Welt solch einen Unsinn ungestraft von sich geben kann. Trollen als Erwerbsquelle?
Makogonov 15.12.2009
4. Rechenfehler?
Zitat von Hercules RockefellerWieso hackt man eigentlich auf den Autos rum, oder darauf, dass man in ärmeren Ländern im Jahr 2010 nicht immer noch nur zu Fuss oder per Eselskarre unterwegs sein will? Der CO²-Ausstoß von Autos, selbst von dicken Brummern wie einem Q7 ist geradezu lächerlich mit dem von bspw. Strom. Ein Blick auf die Jahresabrechnung reicht, dort liest man: Für eine popelige Kilowattstunde Strom (halbe Stunde Staubsaugen oder 2 Stunden Killerspiel daddeln) werden 490g CO² in die Welt geblasen. Damit kann man je nach Auto 300km weit fahren, sogar mit dem Q7, wenn man nicht über 130 fährt (schneller muss man auch nicht, kommt eh keiner an einem vorbei, wenn man ein bischen schlängelt). Und da blasen sich nun alle auf, wenn ein paar Tausend Indonesier in Jakarta im Stau stehen wollen? Da kommt kaum was zusammen, da wird eigentlich nur die Klimaanlage des Wagens befeuert. Würden die nun alle die dollen Elektrobrummerkarren fahren (die ohne Sicherheitsmerkmale, ohne Platz, ohne Komfort-durch und durch Grün!), dann bläsen sie weit mehr CO² in die Luft, um im Stau die Luft zu kühlen! Wir müssen Strom sparen, nicht Benzin! Es geht den "Mahnern" doch nur darum, dass es nicht angehen kann, wenn die dritte Welt nun Auto fährt. Sowas gehört sich nicht! Die sollen doof in die Kameras von UNICEF und Brot für die Welt glotzen, aber doch nicht im VW Fox ins Büro pendeln! Ja, da wird einem ja ganz anders, da fällt einem vor Schreck das Monokel in den Frühstücksschampus...
[QUOTE=Hercules Rockefeller;4712590] Der CO²-Ausstoß von Autos, selbst von dicken Brummern wie einem Q7 ist geradezu lächerlich mit dem von bspw. Strom. Ein Blick auf die Jahresabrechnung reicht, dort liest man: Für eine popelige Kilowattstunde Strom (halbe Stunde Staubsaugen oder 2 Stunden Killerspiel daddeln) werden 490g CO² in die Welt geblasen. Damit kann man je nach Auto 300km weit fahren, sogar mit dem Q7, wenn man nicht über 130 fährt (schneller muss man auch nicht, kommt eh keiner an einem vorbei, wenn man ein bischen schlängelt).
alexander ernst 15.12.2009
5. Rechenfehler
Zitat von Makogonov[QUOTE=Hercules Rockefeller;4712590] Der CO²-Ausstoß von Autos, selbst von dicken Brummern wie einem Q7 ist geradezu lächerlich mit dem von bspw. Strom. Ein Blick auf die Jahresabrechnung reicht, dort liest man: Für eine popelige Kilowattstunde Strom (halbe Stunde Staubsaugen oder 2 Stunden Killerspiel daddeln) werden 490g CO² in die Welt geblasen. Damit kann man je nach Auto 300km weit fahren, sogar mit dem Q7, wenn man nicht über 130 fährt (schneller muss man auch nicht, kommt eh keiner an einem vorbei, wenn man ein bischen schlängelt).
[QUOTE=Makogonov;4713182] Hier liegt ein Rechenfehler Faktor 100 vor. Der CO2-Ausstoß von Autos ist nicht lächerlich. Der CO2-Ausstoß eines Autos beträgt zwischen 99 Gramm/Kilometer (sehr sparsam) und 250-300 Gramm/Kilometer (große Limousinen). Mit besagter Kilowattstunde kommt man also nicht 300 Kilometer weit, sondern 1-4 Kilometer. Das setzt einen Strommix von ca 50 Prozent Kohleanteil voraus. Die Emissionen aus dem Straßenverkehr tragen erheblich zu den CO2-Emissionen bei.
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