Franklin-Expedition Kanada sucht erneut nach verschollenen Schiffen

Vor mehr als 150 Jahren verschwand der Entdecker Sir John Franklin mit seinen Männern in den Weiten der Arktis. Franklins Grab und die Reste seiner beiden Schiffe wurden nie gefunden. Jetzt nimmt die kanadische Regierung die Suche wieder auf.

Eisberg in der Arktis: John Franklin und seine Männer kehrten nie aus dem Eis zurück
AP

Eisberg in der Arktis: John Franklin und seine Männer kehrten nie aus dem Eis zurück


Mehr als anderthalb Jahrhunderte nach dem Verschwinden des britischen Entdeckers John Franklin in der Arktis unternimmt Kanada noch einen Versuch, seine beiden Schiffe zu finden. Der Eisbrecher "Sir Wilfrid Laurier" und das Forschungsschiff "Martin Bergmann" sollen zwischen vier und sechs Wochen lang die "HMS Erebus" und die "HMS Terror" suchen, sagte Regierungschef Stephen Harper am Donnerstag vor der Abfahrt der Schiffe. Während bei früheren Expeditionen lediglich rund 125 Quadratkilometer Meer abgesucht worden seien, solle nun auf bis zu 1500 Quadratkilometern nach den Schiffen gesucht werden.

Dem Forscherteam stehen bei ihrer Expedition ein Sonargerät, Satellitenbilder und ein Unterwasserfahrzeug zur Verfügung. Mit dem Rückgriff auf Spitzentechnologie beim Kartografieren der arktischen Gewässer könne Kanada sein Können unter Beweis stellen, sagte Harper.

Die "Erebus" und die "Terror" waren einst die Aushängeschilder der britischen Marine. Sie verfügten über einen Dampfmotor, Heizungsmöglichkeiten und einen verstärkten Bug. Unter dem Kommando von Sir John Franklin waren sie am 19. Mai 1845 mit 134 Mannschaftsmitgliedern an Bord in Großbritannien ausgelaufen, um die Nordwestpassage zu entdecken - eine schiffbare Route vom Atlantik in den Pazifik nördlich von Amerika.

Doch die Expedition endete in einer Tragödie: Franklin und seine Leute blieben im Eis der Arktis stecken. Vermutlich verhungerten oder erfroren sie. In den Jahren darauf startete eine gewaltige Suche nach den Verschollenen, bei der insgesamt mehr Schiffe und Männer verloren gingen als bei Franklins Expedition selbst. Auch in den Jahrzehnten danach fanden immer wieder Suchen statt. Doch weder die Wracks der Schiffe noch Franklins Grab wurden entdeckt, wohl aber die sterblichen Überreste einiger der Männer. An ihnen fanden sich unter anderem Hinweise auf Skorbut und Kannibalismus.

Ironie der Geschichte: Während der ursprünglichen Rettungsaktion hat der Brite Robert McClure das letzte noch unbekannte offene Wegstück durch das Insel- und Eislabyrinth des Nordens gefunden und gilt seither als Entdecker der Nordwestpassage.

mbe/AFP



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