SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

28. Januar 2018, 19:27 Uhr

Wassernotstand in Kapstadt

"Wir verstehen, dass viele Panik überkommt"

Von

Alarm in Kapstadt: Senken die vier Millionen Bewohner nicht ihren Wasserverbrauch, dreht die südafrikanische Stadt ihnen die Versorgung ab. An 200 Entnahmestellen soll dann die Armee Tumulte verhindern.

Die südafrikanische Metropole Kapstadt stellt sich auf das Schlimmste ein: Seit Wochen drängt sie ihre Einwohner, sie mögen doch bitte Wasser sparen. Jeder Bürger soll höchstens 50 Liter am Tag verbrauchen, lautete die jüngste Ansage.

Damit soll vermieden werden, dass es in der ersten Aprilhälfte zum Ernstfall kommt: Am "Day Zero", so wird prognostiziert, wären die Reserven so weit verbraucht, dass die Stadt das Wasser zwangsrationieren muss. Aktuell gilt der 12. April als der Tag, an dem die Pegel in den Reservoirs so tief stehen, dass ein Notfallplan in Kraft tritt. Und der heißt: Wasser aus.

200 Wasserentnahmestellen soll es dann über Kapstadt verteilt geben, mit je einer Auto- und einer Fußgängerschlange. Dort werden dann pro Person 25 Liter am Tag ausgegeben, also zweieinhalb Putzeimer voll. Zuständig für den Wassernotstandsplan wird das Desaster Operation Centre (DOC), das am Montag seine Arbeit aufnimmt.

Vier Millionen Menschen leben in Kapstadt, und die sollen alle Schlange stehen, jeden Tag, für 25 Liter? "Wir verstehen, dass viele Leute bei dieser Vorstellung Panik überkommt", schreibt das DOC. Die Krise verlange aber einen "gesamtgesellschaftlichen Ansatz", in der "alle an einem Strang ziehen".

Doch auch wenn es hart auf hart kommt, ist die Stadt vorbereitet: Bewaffnete Kräfte werden die 200 Verteilstationen sichern. "Polizei und Militär haben uns bestätigt, dass sie die die Verteilpunkte schützen werden." Altenheime und ähnliche Einrichtungen werden mit Tankwagen beliefert, Krankenhäuser sind von der Wassersperre ausgenommen.

Drohen mit dem Militär, der "Day Zero"-Zähler auf der Webseite der Stadt - all das dient auch der Abschreckung, damit die Kapstädter den Ernst ihrer Lage begreifen. Am Ende der Erklärung zu den Zwangsmaßnahmen am "Day Zero" schließt die Stadt mit dem Hinweis, dass es so ja nicht kommen muss: "Es kann nicht oft genug betont werden: Wenn wir alle gemeinsam unseren Konsum auf 50 Liter am Tag senken, geht uns das Wasser nicht aus. Gemeinsam können wir Day Zero verhindern."

SPIEGEL TV Doku: Der Kampf ums Wasser

URL:

Mehr im Internet


© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung