Karte der Infektionsgefahr Wo der Welt neue Seuchen drohen

Indien und China sind Brennpunkte, auch die Ballungszentren Nordamerikas könnten betroffen sein: Eine Weltkarte der Seuchengefahr zeigt, dass sich die Menschheit auf neue tödliche Plagen wie HIV undd Sars einstellen muss - und zeigt, wo das Risiko besonders groß ist.


Kate Jones sieht die Sache global: "Das wird jeden betreffen. Wir leben alle auf dem gleichen Planeten - man kann sich nirgends verstecken", sagte sie dem Internetdienst von "Nature". Jones und ihre Kollegen haben untersucht, wo auf der Erde die Gefahr am größten ist, dass neue Seuchen entstehen - und sie sind überzeugt, dass über kurz oder lang weitere Epidemien wie HIV oder Sars auf uns zukommen.

Das Team unter der Leitung von Peter Daszak vom Consortium for Conservation Medicine in New York wertete das Entstehungs- und Ausbreitungsmuster aller seit Mitte des 20. Jahrhunderts gemeldeten neuen Infektionskrankheiten aus. Die Forscher rechnen mit weiteren Krankheiten, die von wildlebenden Tieren auf den Menschen überspringen. Außerdem dürften mehr Erreger gegen Medikamente resistent und für die Menschen gefährlich werden, schreiben die Wissenschaftler im Fachmagazin "Nature" (Bd. 451, S. 990).

Insgesamt betrachteten die Forscher 335 Infektionskrankheiten, die seit 1940 auf die Weltbühne getreten sind. In 60 Prozent der Fälle handelte es sich um sogenannte Zoonosen, das sind Infektionen, die von Tieren auf den Menschen übergesprungen sind. Meistens kam es zur Übertragung von wildlebenden Säugetieren auf den Menschen, wie etwa bei HIV von Affen. In 20 Prozent der Fälle haben sich bekannte Erreger durch eine Resistenz gegen Medikamente zur tödlichen Gefahr gewandelt. Dazu zählen zum Beispiel resistente Stämme der Bakterien Staphylococcus und Tuberkulose. Unter den neuen Erregern machten die Bakterien die größte Klasse aus, gefolgt von Viren, tierischen Einzellern und Pilzen.

Seit 1940 gibt es über Jahrzehnte hinweg bis heute einen ansteigenden Trend neuer Infektionskrankheiten. In den vierziger Jahren kamen rund 20 neue Krankheiten hinzu, in den neunziger Jahren rund 80. Eine extreme Zunahme von knapp 100 neuen Krankheiten verzeichneten die Forscher in den achtziger Jahren: Viele Menschen waren infolge der HIV-Ausbreitung so geschwächt, dass neue Erreger leichter Fuß fassen konnten, erklären die Wissenschaftler.

Die Forscher lokalisierten den erstmaligen Auftritt der Krankheiten auf einer Karte und verglichen den Entstehungsort mit Daten zu Wildtierdichte, Bevölkerungsdichte, Wirtschaftsentwicklung und Zustand der Umwelt. Wo Wildtiere immer weiter zurück- und zusammengedrängt leben und der Mensch immer mehr Raum für sich beansprucht, ist die Gefahr für überspringende Krankheiten besonders groß, stellten die Forscher fest. Als Brennpunkte gelten Lateinamerika, Südafrika sowie Indien und China. Aber auch einige Ballungszentren Nordamerikas könnten betroffen sein. In diesen Regionen sollten sich die globalen Anstrengungen konzentrieren, neue Infektionskrankheiten frühzeitig zu erkennen, empfehlen die Forscher.

cis/AP/ddp

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