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Fund in Afrika: Urahn des Menschen

Foto: Fred Spoor/ DPA

Vorfahr des Menschen 13 Millionen Jahre alter Primatenschädel entdeckt

In Kenia haben Forscher einen außergewöhnlich gut erhaltenen Affenschädel gefunden. Das Objekt ist 13 Millionen Jahre alt und verrät, wie sich unsere Vorfahren entwickelt haben.

In Kenia ist der hervorragend erhaltene Schädel eines Primaten entdeckt worden, der vor 13 Millionen Jahren lebte. Der Fund könne Aufschluss auf die Entstehung der Menschenaffen - und damit auch die des Menschen - geben, schreiben die Forscher. Er zeige, dass diese Ahnen wohl in Afrika lebten und auch, wie sie ausgesehen haben.

Es handele sich um den am besten erhaltenen Schädel einer ausgestorbenen Affenart, der je gefunden wurde, berichtet das Team um Isaiah Nengo von der Stony Brook University im US-Staat New York und Fred Spoor vom Leipziger Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in der Zeitschrift "Nature" .

Der Schädel gehört einem Primaten der bisher unbekannten Art Nyanzapithecus alesi. Experten werten den Fund aus einer Zeit, aus der es kaum Objekte gibt, als Sensation. Mit so einer Entdeckung habe sie zu ihren Lebzeiten nicht gerechnet, schreibt Brenda Benefit von der New Mexico State University in einem "Nature"-Kommentar. Normalerweise seien die Wissenschaftler "überglücklich, wenn wir schon einen einzelnen Zahn finden".

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Fund in Afrika: Urahn des Menschen

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Ursprung in Afrika

"Nyanzapithecus alesi gehörte einer Gruppe von Primaten an, die bereits vor mehr als zehn Millionen Jahren in Afrika lebten", schreibt Nengo. "Die Entdeckung von Alesi zeigt, dass diese Gruppe dem Ursprung heute lebender Menschenaffen und Menschen sehr nahe war und dass dieser Ursprung afrikanisch war." Der letzte gemeinsame Ahne von Mensch und Schimpanse lebte laut bisherigem Forschungsstand erst sehr viel später - vor etwa sechs bis sieben Millionen Jahren.

Allerdings hatte erst im Frühjahr eine neue Studie eine Kontroverse über die Herkunft des Menschen entfacht. Demnach hätte sich die Abstammungslinie von Menschen und Menschenaffen bereits einige Hunderttausend Jahre früher getrennt als gedacht. Demzufolge stamme der älteste menschliche Vorfahr nicht aus Afrika, sondern aus Europa. Fachkollegen kritisierten die Beweislage der Studie als zu dünn, es gab allerdings auch Zuspruch. Der jetzt gefundene Primatenschädel entstammt allerdings mit einem Alter von 13 Millionen Jahre einer weiter zurück liegenden Entwicklungslinie der Menschenaffen.

Tod im Ascheregen

Den Schädel von Nyanzapithecus alesi entdeckten die Forscher in der Region Napudet westlich des Turkana-Sees im Norden Kenias. Der neu entdeckten Art gaben sie den Namen Alesi nach dem Turkana-Wort "Ales", das "Ahne" bedeutet.

Dank des guten Zustands des Schädels konnten die Wissenschaftler nach einer 3D-Röntgenanalyse reichlich Details zur Lebensweise der Primaten erfahren. Aus den Zahndetails schließen die Forscher, dass es sich um den Schädel eines Affenkindes handelt, das im Alter von 16 Monaten vermutlich im Ascheregen nach einem Vulkanausbruch starb.

"Wir konnten Hirnhöhle, Innenohr und die noch nicht durchgebrochenen bleibenden Zähne mit ihren täglichen Wachstumslinien sichtbar machen", sagt Paul Tafforeau von der European Synchrotron Radiation Facility (ESRF) in Grenoble. "Die Qualität unserer Bilder war so gut, dass wir anhand der Zähne herausfinden konnten, dass das Kind etwa ein Jahr und vier Monate alt war, als es starb."

Ähnlichkeiten mit einem Gibbon

Die knöchernen Gehörgänge verraten demnach, dass Alesi zu den Menschenartigen (Hominoidea) gehört und ein Vorfahr der heutigen Menschenaffen (Hominidae) war. Ausgewachsen hätte das Tier gut elf Kilogramm gewogen. Das Gehirn war etwa so groß wie eine Zitrone. Mit der im Verhältnis zum Schädel kleinen Schnauze und Nase ähnelte das Junge heutigen Gibbons (Hylobatidae), die als engste Verwandte der Menschenaffen gelten. Dazu werden Schimpansen, Gorillas, Orang-Utans und Homo sapiens gezählt.

"Zuerst könnte man denken, es handelt sich um einen ausgestorbenen Gibbon", sagt Chris Gilbert vom Hunter College in New York. "Allerdings zeigen unsere Analysen, dass dieses Erscheinungsbild nicht ausschließlich bei Gibbons gefunden wird, sondern sich im Laufe der Evolution bei den ausgestorbenen Menschenaffen, Affen und ihren Verwandten mehrfach entwickelt hat."

Zudem zeigen Untersuchungen des am Gleichgewichtssinn beteiligten Innenohrs, dass sich die Art - im Gegensatz zu Gibbons - nicht akrobatisch schnell von Baum zu Baum schwang. Stattdessen bewegte sie sich gemächlicher fort, ähnlich wie heutige Menschenaffen.

brt/dpa