Kernphysik Schwergewicht löst sich in Luft auf

Seit US-Physiker vor zwei Jahren die Herstellung des superschweren Elements 118 feierten, fehlt jeder weitere Nachweis. Nun mussten die Entdecker ihre Publikation zurückziehen.


"Gasgefüllter Separator" am Berkeley Lab: Verschwundene Zerfallsketten
BNL

"Gasgefüllter Separator" am Berkeley Lab: Verschwundene Zerfallsketten

Im Jahr 1999 dürften im Berkeley National Laboratory die Sektkorken geknallt haben: Physiker glaubten, mit einem Beschleuniger erstmals Ununoctium hergestellt haben. Mit 118 Protonen galt die exotische Atomsorte als unangefochtener Schwergewichts-Champion unter den chemischen Elementen.

Mittlerweile ist die Freude der Ernüchterung gewichen. In der aktuellen Ausgabe der "Physical Review Letters", in denen die Wissenschaftler damals ihre Entdeckung veröffentlicht hatten, musste das Team nun Fehler einräumen: "Wir nehmen unsere publizierte Behauptung zurück, das Element 118 synthetisch hergestellt zu haben."

Nach dem Experiment hatte das Berkeley Lab zweimal erfolglos versucht, die mit ihrem Zyklotron und "gasgefüllten Separator" erzielten Ergebnisse zu bestätigen. Auch bei Versuchen anderer Forschungsinstitute, darunter auch der Gesellschaft für Schwerionenforschung in Darmstadt, blieb das superschwere Element unauffindbar.

Schließlich untersuchten die US-Forscher noch einmal ihre Daten von 1999. "Diese Analysen zeigten, dass die Zerfallsketten nicht vorhanden waren, von denen wir berichtet hatten", zitierte die Online-Ausgabe des Fachmagazins "Science" den beteiligten Nuklearchemiker Kenneth Gregorich. Wie es zu der Fehldeutung kam, ist noch unklar.

Bei ihrem Experiment hatten die Berkeley-Forscher einen Strahl hochenergetischer Krypton-Ionen auf eine Bleiplatte geschossen. Aus den Daten lasen sie eine Abfolge von Zerfallsprozessen heraus, die auf die Existenz der Elemente 116 und 118 hindeuteten. Für Kollegen kam die vermeintliche Entdeckung damals wie ein Schock: Nach der Theorie hätte bei dieser Fusionsmethode kein Ununoctium in nachweisbaren Mengen entstehen können.



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