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28. März 2017, 15:32 Uhr

Hirnforschung

Wie Kinder Einfühlungsvermögen lernen

Erst mit vier Jahren können Kinder sich in andere hineinversetzen. Dass sie vorher die Perspektive ihres Gegenübers nicht verstehen, liegt an einer fehlenden Datenleitung in ihrem Gehirn.

Hirnforscher haben einen Grund dafür gefunden, warum Kleinkinder sich erst ab einem Alter von etwa vier Jahren in andere Menschen hineinversetzen können. Im menschlichen Gehirn bildet sich dann eine entscheidende, bis dahin fehlende Faserverbindung heraus, berichten Forscher des Leipziger Max-Planck-Instituts für Kongnitions- und Neurowissenschaften im Fachmagazin "Nature Communication".

Die Wissenschaftler hatten 43 Kinder im Alter von drei und vier Jahren untersucht. Sie machten mit ihnen zwei Standardtests zur sogenannten Theory of Mind. Diese beschreibt in den Kognitionswissenschaften die Fähigkeit zu verstehen, dass andere Menschen etwas anderes denken als man selbst und dass andere Menschen auch falsche Annahmen haben können.

In einem der Tests wurde zum Beispiel vor den Augen der Kinder eine Schokoladenbox mit Stiften gefüllt. Dann wurden sie gefragt, was andere wohl in der Box vermuten würden. Die Dreijährigen antworteten "Stifte", die Vierjährigen "Schokolade".

Entscheidende Hirnleitung entwickelt sich erst im Alter von vier Jahren

Den Älteren war also offenbar klar, dass andere davon ausgehen würden, dass in einer Schokoladenbox Schokolade zu finden ist, wenn sie nicht gesehen haben, dass Stifte darin versteckt wurden. Den jüngeren Kindern gelang diese Transferleistung dagegen nicht.

Wie sich herausstellte, liegt die Ursache dafür in der unterschiedlichen Verdrahtung des Gehirns. Die Forscher vermuteten, dass bei Dreijährigen eine wichtige Verbindung im Denkorgan noch nicht weit genug gereift ist - der sogenannte Fasciculus Arcuatus. Er liegt zwischen einer Region im hinteren Schläfenlappen und einem Areal im Frontallappen im vorderen Großhirn. Also untersuchten sie bei allen Kindern im MRT die Ausprägung dieser Datenleitung. Das Ergebnis: "Den Dreijährigen fehlte die Verbindung, die Vierjährigen hatten sie", sagt Grosse-Wiesmann.

Die Entdeckung könnte für die weitere Forschung zu Autismus und anderen neuropsychologischen Erkrankungen bedeutsam sein, sagte die wissenschaftliche Mitarbeiterin am Max-Planck-Institut. "Beim Autismus ist bekannt, dass genau diese Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen, gestört ist und dass es Probleme mit Hirnverbindungen gibt." Ob aber bei Autisten tatsächlich die von den Leipzigern beschriebene Faserverbindung gekappt ist, müsse noch untersucht werden.

jme/dpa

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